Die "Possibilisten"

Der Right Livelihood Award, auch als "Alternativer Nobelpreis" bekannt, ist ein Preis für Weltveränderer.

In den drei Jahrzehnten seit 1980 haben die Aktivisten rund um den Globus es zwar nicht wirklich geschafft, eine "neue Welt" zu bauen. Doch der Alternative Nobelpreis hat zahllosen Menschen, die sich gegen soziale Ungerechtigkeiten, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung zur Wehr setzten, Mut gemacht. Die erfolgreichen Projekte der rund 130 Preisträger aus 52 Nationen, mehr als die Hälfte aus der Dritten Welt, mögen alle nur einen kleinen Splitter vom Stein der Weisen ausmachen – doch zusammengenommen zeigen sie, dass eine andere Welt längst erprobt und möglich ist.

Petra Kelly, die Gründerin der Grünen, gehört zu den Preisträgern, Robert Jungk, der Atomgegner und Zukunftsforscher, Hermann Scheer, den man gern den "Solar-Papst" nannte, aber auch der Quantenphysiker und Philosoph der Ganzheitlichkeit Hans-Peter Dürr. Nicht zu vergessen Michael Succow, ein Dissident im DDR-Regime, der in den letzten Tagen des untergehenden zweiten deutschen Staates zum Umweltminister berufen wurde und mit Mut und Geschick fast ein Fünftel der maroden DDR zu Naturschutz- und Biosphärenreservaten machte und damit den Westspekulanten die lange Nase zeigte. Oder die Kölner Ärztin Monika Hauser, die sich bis ins Herz berühren ließ von dem Leid der Frauen, die auf dem Balkan von männlicher Kriegsgewalt entwürdigt und vergewaltigt worden waren, und die daraufhin "Medica Mondiale" gründete, um weltweit Frauen in Kriegsgebieten zu schützen. Und das sind nur die deutschen Vorbilder für eine andere Zukunft. Der Alternative Nobelpreis ist dieses Jahr 30 Jahre alt geworden und feierte sich im Herbst 2010 mit einer großen Konferenz in Bonn.

Es war ein Gipfeltreffen der "Possibilisten". So nennt der Stifter des Right Livelihood Award, der Deutsch-Schwede Jakob von Uexküll, die Laureaten, weil es "zu viele Lösungen gibt, um Pessimist zu sein, und zu viele Probleme, um Optimist zu sein". Die Preisträger aus aller Welt haben nicht darauf gewartet, dass jemand anderes die Probleme löst, sondern selbstständig angefangen, das zu tun, was möglich ist. Daraus sind über 30 Jahre Initiative gewachsen – man denke nur an die Green-Belt-Bewegung der Kenianerin Wangari Maathai, die in ihrem Land nicht weniger als 14 Millionen Bäume gepflanzt hat, um die drohende Erosion aufzuhalten. Andere Preisträger haben Kriege verhindert und Versöhnung gestiftet, Menschenrechte durchgesetzt und Folteropfer geheilt, eigene Entwicklungswege für die armen Länder der Welt entworfen oder völlig neue Formen des Wirtschaftens für Mensch und Erde entwickelt, wie der ägyptische Preisträger und Gründer des Sekem-Projekts, Ibrahim Abouleish. Sie alle trafen sich in mehr als fünfzig Veranstaltungen, um miteinander neue Projekte zu planen, in der Zivilgesellschaft zu verankern oder mit Einrichtungen wie der Alanus Hochschule neue Ansätze für die Zukunft der Bildung einzubringen.

Ein gutes Vierteljahrhundert ist es her, dass der deutsch-schwedische Briefmarkenhändler Jakob von Uexküll sich eines Tages fragte, ob man guten Gewissens sein Leben mit dem Sammeln kleiner bunter Papierchen verbringen dürfe, während zeitgleich die Welt immer mehr in Stücke fiele. Er entschloss sich, seine Sammlung zu verkaufen und schrieb den "Preis für die richtige Lebensführung", den Right Livelihood Award, aus. "Der Preis soll die Preisträger ehren, damit ihre Arbeit verbreitet wird", betont der Stifter, "gleichzeitig soll der Preis anderen Menschen Mut machen, den Weg in eine andere Welt selbst zu gehen, anstatt nur zu reden." Dass man ihn heute den Alternativen Nobelpreis nennt, ist nicht die Idee des Stifters, sondern ein indirektes Lob der Öffentlichkeit, die ihn längst mit dem wichtigsten Wissenschaftspreis vergleicht. Heute sagt Jakob von Uexküll lächelnd, er sammle jetzt nicht mehr kleine bunte Marken, sondern Lösungen für die Probleme der Welt.

Die Laureaten des Alternativen Nobelpreises gehören zu den Pionieren der Nachhaltigkeit. Sie sind die Vorreiter der großen sozialen Bewegungen der letzten Jahrzehnte – sei es die Friedens- oder Frauenbewegung, das Engagement für die Dritte Welt und gegen eine ungebremste Globalisierung oder die Kritik an Atomkraft und Gentechnik.

››› Gastbeitrag Dr. Geseko von Lüpke, Koautor neben Peter Erlenwein von "Projekte der Hoffnung. Der Alternative Nobelpreis", Oekom Verlag, München 2010

Weitere Informationen: www.kurswechseln.de

Der Alternative Nobelpreis

Im letzten Jahr feierte der Right Livelihood Award, auch Alternativer Nobelpreis genannt, seinen 30. Geburtstag. Für einige Schülerinnen und Schüler der renommierten Deutschen Journalistenschule in München (DJS) ein würdiger Anlass, sich genauer mit einigen der Vordenker für eine nachhaltige Entwicklung und deren konstruktiven Umsetzungen zu beschäftigen.