Maude Barlow und Tony Clarke - Das blaue Gold

Die Bürgerrechtler Maude Barlow und Tony Clarke und ihr Kampf für sauberes Wasser.

Es plätschert, tropft und fliesst – in scheinbar nie versiegenden Mengen. Wasser bedeckt knapp drei Viertel der Erdoberfläche, fällt als Regen auf sie herab und kommt in vielen Regionen täglich aus dem Wasserhahn. Doch das ist weniger selbstverständlich, als es oft wirkt. Laut den Vereinten Nationen steht mehr als 800 Millionen Menschen kein oder nicht genug sauberes Wasser zur Verfügung – und die Zahl wächst immer weiter.

Die beiden kanadischen Bürgerrechtler Maude Barlow und Tony Clarke setzen sich deswegen für den Zugang zu sauberem Trinkwasser ein. 2005 erhielten sie dafür den Right Livelihood Award, den "Alternativen Nobelpreis". Die Jury würdigte damit ihre vorbildliche, weltweite Arbeit für Handelsgerechtigkeit und die Anerkennung eines Menschenrechts auf Wasser.

"Der Welt geht das Wasser aus. Die Menschen werden alles geben, ihre gesamten Ersparnisse, ihre Häuser – für Wasser", prognostiziert die 64-jährige Maude Barlow. Die Kanadierin unternimmt zahlreiche Reisen, um andere Menschen zu unterstützen. So hilft sie etwa einem Dorf in Indien, in dessen Nähe vor einigen Monaten ein globaler Softdrinkhersteller eine Fabrik eröffnet hat. Seitdem ist das Brunnenwasser trüb, die Menschen werden reihenweise krank. Die Fabrik verdreckt das Grundwasser mit Chemikalien, klagen die Bewohner. Sie müssen es trotzdem trinken, damit kochen und waschen. Der nächste saubere Brunnen oder Fluss ist viel zu weit entfernt. »Wir müssen härter arbeiten, um etwas dagegen zu tun«, fordert Maude Barlow. "Coca-Cola, Pepsi und Nestlé sind Wasserjäger. Sie jagen das, was vom reinsten Grundwasser der Welt übrig geblieben ist, um daraus Softdrinks zu machen."

Das zentrale Ziel der beiden Aktivisten ist, die Kontrolle über die Trinkwasserversorgung in öffentlicher Hand zu belassen oder dahin zurückzuführen. "Bei unserem momentanen Wirtschaftsmodell steht alles zum Verkauf. Dinge, die früher Allgemeingut waren, werden privatisiert und kommerzialisiert. Das gilt jetzt schon für Wasser, menschliche Gene, Pflanzensamen", mahnt Tony Clarke.

2002 veröffentlichten die Kanadier gemeinsam das Buch "Blaues Gold", das mittlerweile in rund 50 Ländern erschienen ist. Es gehört zum Basiskanon der Globalisierungskritik und setzt sich mit den Problemen der Wasserprivatisierung auseinander. Einige Kritiker und deutsche Medien warfen Barlow und Clarke eine einseitige Argumentation vor, die wissenschaftliche und politische Aspekte miteinander vermische. Doch beide Aktivisten stehen fest hinter ihren Ansichten. »Das ist mein Standpunkt und ich werde mich nicht davon weg bewegen. Es ist eine Sicht auf die Welt, die unerschütterlich ist«, erklärt Maude Barlow.

Die beiden Autoren zahlreicher Sachbücher setzen sich jedoch nicht nur für den Zugang zu sauberem Wasser ein. Barlow war unter anderem in den 1980er-Jahren die erste Beraterin für Frauenfragen des kanadischen Premierministers. Tony Clarke war mehrere Jahre Sozialreferent der kanadischen Bischofskonferenz. 1997 gründete er das Polaris Institut, um "die Macht der Großfirmen zu entlarven, die hinter den Regierungen steckt". Das Institut beschäftigt sich international mit Themen des Umweltschutzes und der Handelspolitik.

Gemeinsam engagieren sich Barlow und Clarke seit den 1980er-Jahren für Natur und soziale Gerechtigkeit, setzen sich überall auf der Welt für ihre Ideale ein. Als Bolivien Ende der 1990er-Jahre begann, sein Wassersystem zu privatisieren, waren sie dort. Die Menschen hatten plötzlich nicht mehr genug zu trinken. Sie sollten das Wasser aus den Hähnen kaufen, hatten aber kein Geld dafür. Die Bevölkerung protestierte, lieferte sich Straßenschlachten mit der Polizei, wollte, dass der globale Konzern wieder verschwinde. 2007 beendete Bolivien schließlich den Vertrag mit der Firma und machte Wasser wieder zum öffentlichen Gut. "Man kann langfristig kein gutes Wasser, Gesundheitsversorgung oder Bildung liefern, wenn man gleichzeitig Profit für die Investoren erwirtschaften muss. Das widerspricht sich", sagt Maude Barlow heute.

Ihr Einsatz zeigt Wirkung: So erklärte die UN-Vollversammlung vergangenes Jahr auf Antrag Boliviens den Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Grundversorgung zum Menschenrecht. Einige Länder wie Südafrika oder Ecuador haben das Recht auf Wasser mittlerweile in ihre Verfassung aufgenommen. Das ändert die weltweite Situation zwar nicht von heute auf morgen, lässt aber darauf hoffen, dass bald mehr Menschen Zugang zum "blauen Gold" haben werden.

››› Gastbeitrag Sonja Kaun, Schülerin der Deutschen Journalistenschule in München

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