Nur nicht den Boden unter den Füßen verlieren!

Wir treten ihn ständig mit Füßen und können doch nicht ohne ihn.

In vielen Redewendungen kommt er vor – positiv besetzt –, und doch denken wir nicht an ihn, lassen es an achtsamem, nachhaltigem Umgang fehlen: Die Rede ist vom Boden, auf dem wir stehen, in dem die Pflanzen wachsen, der Schätze birgt und von dem unsere Ernährung und damit letztlich unser Fortbestand abhängen.

Guten Mutterboden wünscht man den Pflanzen im Garten und weiß, dass nur gedeihen kann, was auf fruchtbaren Boden fällt. Aber hundert Hektar Boden täglich (!) "verbrauchen" wir in Deutschland und nehmen hin, dass Wind- und Wassererosion weitere Krume abtragen und unwiederbringlich verschwinden lassen. Höchste Zeit, dem Boden, der Erde mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, damit wir auch in Zukunft noch "geerdet" sein können.

Eines der vier Elemente der antiken griechischen Philosophie ist die Erde. Nach dem fünften Element, der Quintessenz, suchten die Alchemisten des Mittelalters: Kohlenstoff (als chemisches Element mit "C" abgekürzt). Er ist wesentlicher Träger des Lebens. Im Boden, als CO2 gebunden im Humus, brauchen wir viel davon.

Daran hängt die Ertragsfähigkeit der Böden ebenso wie ihr Vermögen, Wasser aufzunehmen, um sowohl ausbleibenden als auch zu viel Regen auf einmal abzupuffern. In der Luft dagegen wollen wir CO2 nicht; denn als Treibhausgas trägt es zur Klimaerwärmung bei.

Boden ist nicht einfach ein Substrat, das Pflanzenwurzeln Halt gibt und in das man Nährstoffe einfüllt – die Mineralsalze, mit denen konventionelle Bauern düngen. Rudolf Steiner begründete in seinem landwirtschaftlichen Kurs (1924), dem zentralen Impulsgeber des modernen Bio-Landbaus, das Konzept: Düngen bedeutet, den Boden verlebendigen. Das macht man nicht mit Salzen, sondern mit organischer, also Kohlenstoff enthaltender Substanz aus Ernterückständen, Zwischenfrüchten, Mist und Kompost, die im Boden mit Hilfe von Käfern, Regenwürmern und Mikroorganismen umgesetzt und in die Bodenstruktur eingebaut werden – sie werden "lebend verbaut", wie es in der Bodenkunde heißt. Ein Hektar Bio-Weide ernährt durchschnittlich eine 700 Kilogramm schwere Milchkuh, die dort grast, und beherbergt unter der Erdoberfläche die doppelte Menge an Biomasse!

In der ZEIT (Ausgabe 26 vom 22. Juni 2011) drückte Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), eindringlich seine Sorge um die Übernutzung des Bodens (Peak Soil) aus. Die Obergrenze der maximal landwirtschaftlich nutzbaren Bodenfläche der Erde sei bereits überschritten.

Wenn man jetzt weitere Flächen neu unter den Pflug nimmt, zerstört man wertvolle Biotope wie den Regenwald, um dessen zentrale Rolle im Weltklimageschehen man weiß. Neue landwirtschaftliche Flächen sind nicht die Lösung der Bodenknappheit, sondern das sorgsame Umgehen mit bestehenden Flächen. Das Thema ist global und geht uns alle an, weshalb Flasbarth eine Bodenschutzkonvention mit weltweiter Gültigkeit fordert. Andererseits kann und muss Bodenschutz lokal, von jedem einzelnen Landwirt, Gärtner oder sonstigen Bodennutzer geleistet werden. Kleinbauern mit oft prekären Lebensverhältnissen stellen weltweit die größte Gruppe derer dar, die etwas für den Boden tun können. Aber die mächtigen, reichen, einflussreichen Gestalter in Politik und Wirtschaft müssen es wollen und zulassen, dass die Bauern mit dem Boden nachhaltig umgehen. Nur wenn die Bauern von ihrer landwirtschaftlichen Arbeit leben können, dann können sie unser aller Lebensgrundlage, den Boden, so hegen und pflegen, dass darauf auch in Zukunft Nahrung gedeiht.

Bio-Bauern auf der ganzen Erde haben ein besonderes Wissen um den Boden, seine Lebendigkeit und Fruchtbarkeit. Bio-Lebensmittel sind wichtige Komponenten des globalen Bodenschutzes. Ein Ernstnehmen der bedrohlichen Lage des Bodens an vielen Stellen der Erde und sein sachgerechter, mit nachhaltiger Nutzung einhergehender Schutz sind gefordert.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie zum Beispiel unter www.umweltbundesamt.de, www.bmz.de oder www.fibl.org