Rautenstrauch-Joest-Museum, Kulturen der Welt, Köln

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) ist das einzige ethnologische Museum in ganz Nordrhein-Westfalen und wurde 2012 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet.

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Die Wurzeln des Museums und sein Name gehen zurück auf das 19. Jahrhundert: Der in Köln geborene Forschungsreisende Wilhelm Joest hinterließ – nach seinem frühen Tod im Jahr 1897 – seiner mit dem Kaufmann Eugen Rautenstrauch verheirateten Schwester Adele etwa 3.500 ethnografische Objekte aus aller Welt. Zum Gedenken an ihren Bruder und ihren 1900 ebenfalls verstorbenen Ehemann finanzierte Adele Rautenstrauch den Bau des RJM, das 1906 in der Kölner Südstadt eröffnet wurde. Im Jahr 2010 zog das Museum in ein modernes Gebäude im Stadtzentrum. Dort wird eine hochkarätige Auswahl an Exponaten aus dem heute rund 60.000 Objekte und 100.000 historische Fotografien umfassenden Sammlungsbestand aus Ozeanien, Afrika, Asien, Amerika und Europa präsentiert.

Die innovative Ausstellungskonzeption verzichtet auf die in vergleichbaren Häusern übliche Einteilung in geografische Großräume und greift stattdessen Themen auf, die Menschen überall auf der Welt bewegen, denen sie aber je nach regio­naler und kultureller Prägung auf jeweils eigene Weise begegnen. Der Kulturen vergleichende Ansatz betont das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen und vermittelt Denkanstöße und Dialogansätze. Das Einbeziehen unserer eigenen Kultur in die vergleichende Betrachtung trägt zur Relativierung des eigenen Standpunktes bei. Im großzügigen, lichtdurchfluteten Foyer des Hauses stimmt das größte Exponat des RJM und sein neues Wahrzeichen – ein historischer Reisspeicher von der Insel Sulawesi, Indonesien – auf das Museumserlebnis ein.

Der Themenparcours "Der Mensch in seinen Welten"

Panorama / Kultur vor Ort / Rautenstrauch-Joest-Museum / Besucher

lädt auf 3.600 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu einer ebenso verblüffenden wie erkenntnisreichen Entdeckungsreise ein: Wie und unter welchen Umständen kamen die Objekte nach Europa? Wie entstehen museale Sammlungen? Wie wohnen Menschen in anderen Erdteilen, zum Beispiel die nomadischen Tuareg in der Sahara oder Plains-Indianer in Nordamerika? Wie nehmen Menschen in Mexiko Abschied von Verstorbenen? Wie versuchen die großen Weltreligionen, Antworten auf existenzielle Fragen zu geben? Für jede Abteilung wurde ein eigenes Raumbild kreiert. Multimedia-Stationen regen zur aktiven Auseinandersetzung an. Veranstaltungen aller Art ergänzen den Themenparcours. Sie tragen dazu bei, die Besucherinnen und Besucher für Sichtweisen anderer Kulturen zu sensibilisieren, und machen das Museum als Ort der Begegnung, des Dialogs und der gesellschaftlichen Teilhabe erfahrbar.

Das interaktiv ausgerichtete JuniorMuseum wendet sich speziell an Kinder und Jugendliche. Es fokussiert das aus dem Themenparcours ausgegliederte Thema »Sozialisation und Initiation«: Der Besuch bei fünf jungen Protagonisten vermittelt Einblicke in den Lebensalltag in anderen Teilen der Welt und weckt Neugier auf Feste und Rituale, die den Übergang vom Mädchen zur Frau und vom Jungen zum Mann etwa in Sierra Leone, in Japan oder in der Türkei markieren.

"Made in Oceania: Tapa – Kunst und Lebenswelten"

Panorama / Kultur vor Ort / Rautenstrauch-Joest-Museum / Plakat

Ab dem 12. Oktober zeigt das RJM eine neue Sonderausstellung, in der sich alles um den faszinierenden Rindenbaststoff Tapa dreht. Tapa ist hierzulande kaum bekannt, aber im Pazifik ein allgegenwärtiges Material. Ob als Kleidungsstück in Hawaii, als Ritualmaske in Papua-Neuguinea, als Raumteiler in Fidschi oder sogar als "roter Teppich" bei Krönungszeremonien in Tonga – Tapa ist die materielle Ausdrucksform pazifischer Identität. Die Sonderschau „Made in Oceania“ präsentiert auf insgesamt knapp 1.400 Quadratmetern Ausstellungsfläche einzigartige Kunstwerke aus dem Museumsbestand, kostbare Leihgaben aus europäischen Museen und bisher in Europa noch nie gesehene Leihgaben aus dem neuseeländischen Nationalmuseum in Wellington und dem Australian Museum in Sydney. Dabei reicht die Zeitspanne von den ältesten Objekten aus dem 18. Jahrhundert – der Cook-Sammlung – bis zu rund 35 Werken zeitgenössischer Künstler aus Polynesien und Melanesien.

››› Gastbeitrag Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt

Kurz gefasst

Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM)
Cäcilienstraße 29 – 33, 50667 Köln, Telefon 0221 22131356
rjm@stadt-koeln.de, www.museenkoeln.de/rjm

Öffnungszeiten:
Di bis So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, 1. Do im Monat 10 – 22 Uhr (außer an Feiertagen)

Kommende Sonderausstellung:
"Made in Oceania: Tapa – Kunst und Lebenswelten", vom 12.10.2013 bis 27.4.2014