Weiße Wildnis in Gefahr

Ohne das arktische Eis werden viele Tierarten aussterben, die perfekt an das fragile Ökosystem angepasst sind. Wie Greenpeace dagegen ankämpft.

Früher war mehr Eis. Die Hunde können es kaum erwarten – wann geht es endlich wieder mit den Schlitten über das grönländische Eis – so wie früher? Früher, da waren die Jäger mit ihren Tieren oft schon im Oktober bei eisigen Temperaturen unterwegs, doch immer öfter ist selbst im tiefsten Winter kein Meereis in Sicht. Eisbären, Narwale, Polarfüchse und unzählige weitere Tierarten haben hier – zwischen Polarkreis und Nordpol – ihre Heimat. Aber wie lange noch? Die Arktis, eines der letzten großen Naturparadiese dieser Erde, ist bedroht. Sie erwärmt sich infolge des Klimawandels schneller als jede andere Region der Welt. Das Eis schmilzt. Dabei ist es zum Schutz des globalen Klimas unerlässlich. Sogar die legendäre Nord-Ost-Passage entlang der Nordküste Sibiriens und die Nord-West-Passage entlang der nördlichen kanadischen und US-amerikanischen Küste sind immer öfter eisfrei. Das Risiko: Steigt der Schiffsverkehr, steigt auch die Gefahr eines Unglücks in diesem hochsensiblen Ökosystem – mit katastrophalen Folgen für diese Region.

Kampf ums Überleben

Seit Jahrtausenden leben Menschen nördlich des Polarkreises, rund vier Millionen sind es heute. Darunter einige Hunderttausend Ureinwohner: Inuit, Samen, Nenzen, Dolganen und Jakuten. Vom Klimawandel ist die vielfältige indigene Bevölkerung bereits heute betroffen. Die Permafrostböden tauen auf, die zunehmende Erosion der Küsten zerstört ihre Heimat. Das Eis auf dem Meer lässt immer länger auf sich warten, und im Frühjahr verschwindet es zeitig. Früher konnten sich die Jäger auf ihren Instinkt und das uralte Wissen ihre Vorfahren verlassen. Heute bewegen sie sich auf immer dünnerem Eis. Und die Zeit drängt: Ohne das Eis werden viele Tierarten aussterben, die perfekt an das fragile Ökosystem angepasst sind. Eisbären etwa springen von Eisscholle zu Eisscholle, um ihre Leibspeise, die Ringelrobbe, zu jagen. Wird der Abstand zwischen den Schollen immer größer, finden sie kein Futter mehr und müssen verhungern.

Schatzgräber auf der Lauer

Öl, Gas und Fisch – die reichen Schätze der Arktis – locken. Die Anrainerstaaten Norwegen, Dänemark, Island, Russland, Kanada und die USA stehen bereits in den Startlöchern und machen Besitzansprüche geltend. Ölkonzerne wollen nun auch die Reserven der Arktis ausbeuten. Die Gefahr: Schwierige Wetterbedingungen wie Eis, Kälte, schwere Stürme und eine extrem schlechte Infrastruktur machen es so gut wie unmöglich, im Katastrophenfall einzugreifen. Ein Unfall wie bei der "Deepwater Horizon" würde das empfindliche Ökosystem der Arktis zerstören und die arktische Tierwelt und die dort lebenden indigenen Völker in ihrer Existenz bedrohen. Bei der bisher größten Ölkatastrophe der USA gelangten rund 670.000 Tonnen Öl in den Golf von Mexiko. Düstere Aussichten für die Arktis!

Schon im Juli 2012 sollte das Rennen losgehen:

Der Konzern Shell wollte vor der Küste Alaskas im arktischen Meer nach Öl bohren – und würde so zum Wegbereiter für andere Konzerne werden. Dagegen kämpft Greenpeace weltweit: Im Februar 2012 protestierten Greenpeace-Aktivisten in Neuseeland 77 Stunden auf dem fünfzig Meter hohen Bohrturm eines für die Arktis bestimmten Shell-Ölbohrschiffes gegen die Ausbeutung dieses einzigartigen Ökosystems. Im Mai hatten Greenpeace-Aktivisten in Schlauchbooten in mehreren Aktionen in Finnland, Schweden, Dänemark sowie vor Rügen und Fehmarn das Shell-Spezialschiff "Nordica" auf seinem Weg in die Arktis abgefangen. Mit Bannern protestierten die Umweltschützer gegen die Weiterfahrt des Schiffes. Bisher unterstützen schon über eine Million Menschen auf der ganzen Welt online den Protest gegen Shell.

Internationales Schutzgebiet Arktis

Der Jahrtausende von Eis bedeckte arktische Ozean war bisher ein natürliches Meeresschutzgebiet für all seine Bewohner – von kleinen Krebsen über Fische bis hin zu Walen und Walrössern. Bisher. Ölbohrungen, industrielle Fischerei und Schifffahrt bedrohen das weiße Paradies. Nur ein sofortiges Moratorium kann die Arktis vor der Zerstörung schützen – bis ein rechtsverbindliches internationales Rahmenwerk verabschiedet ist, das den Schutz des sensiblen Ökosystems und der in der Arktis lebenden Menschen gewährleistet. Greenpeace hat deshalb eine weltweite Kampagne zur Rettung der Arktis gestartet und ruft zu einer Unterschriftenaktion unter www.savethearctic.org auf. Ziel: Ein internationales Schutzgebiet um den Nordpol herum ("Hohe Arktis") und für das weitere Gebiet der Arktis Verbote gegen Ölbohrungen und industrielle Fischerei.

››› Gastbeitrag von Greenpeace e. V.

Greenpeace fordert:

  • die Errichtung eines umfassenden Schutzgebietes rund um den Nordpol
  • keine Ölbohrungen in der Arktis
  • ein Verbot der industriellen Fischerei in der Arktis

Ihre Stimme für die Arktis

Werden Sie Arktisschützer! Der einzigartige Lebensraum der Arktis darf nicht der Gier der Ölindustrie geopfert werden. Machen Sie sich stark für eines der letzten Naturparadiese dieser Erde. Greenpeace sammelt weltweit Unterschriften zum Schutz der Arktis. Jede Stimme zählt: www.savethearctic.org

Online-Protest gegen Shell unterzeichnen Greenpeace fordert für die Arktis ein internationales Abkommen, das den Schutz und die Nutzung der Ressourcen regelt. Bei der Aktion "Stoppt Shells Zerstörung der Arktis" können Unterstützer eine Protestmail an Shell-Chef Peter Voser senden. Einfach auf die Website www.greenpeace.de gehen (Navigation: Themen => Öl => Mitmach-Aktionen).