Serie "Über den Tellerrand kochen"

Was haben wir Menschen auf der Erde gemeinsam, egal welcher Religion, Kultur oder Nation wir angehören? Wir müssen essen und trinken. Was uns schmeckt und wie wir es zubereiten, unterscheidet uns, aber es kann uns auch verbinden, wenn wir miteinander teilen. Im Alnatura Magazin zeigen wir jeden Monat ein Rezept von geflüchteten Menschen, das sie gemeinsam mit ihren deutschen Freunden für uns kochen.

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Egal ob wenige Wochen oder schon fast ein Jahrhundert alt, im Mehrgenerationenhaus von Kaiserslautern finden Jung und Alt zusammen, zum Austausch, zum Kaffee, zum Spielen oder wie heute zum Kochen. Zu den verschiedenen Generationen treffen an diesem Samstag auch unterschiedliche Kulturen und Nationalitäten aufeinander.

"Kochen ist der beste Weg, sich kennenzulernen", weiß Mahin. Sie selbst ist vor Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, um hier Mathematik zu studieren. Mahin entschied sich damals nach Studienabschluss und Promotion für die Anstellung bei SAP und ein Leben in Deutschland. Mit ihrem Mann, der aus Palästina stammt, und ihrer elfjährigen Tochter wohnt sie in Kaiserslautern. Hier gibt sie bereits seit vielen Jahren persische Kochkurse und hier hat sie auch "Über den Tellerrand kochen" gegründet.

Jamile und Mahin kennen sich seit November 2016. Jamile, die letztes Jahr mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist, kommt aus Afghanistan. "Meine ersten Eindrücke hier? Ich muss sagen, ich mochte alles und fand alles interessant. Zum Beispiel Gulasch, das ist mein liebstes deutsches Gericht. Aber heute kochen wir Kabuli Polo, das ist ein Afghanisches Festtagsgericht. Und die Vorspeise Badenjan Borani, das sind Auberginen mit Joghurt", erzählt sie lächelnd auf afghanisch und Mahin übersetzt.

Über den Tellerrand kochen in Karlsruhe

Cres ist schon über 20 Jahre mit Mahin befreundet. Die herzliche Rentnerin ist voller Energie und hat eine sonnige Ausstrahlung. Sie erzählt von ihrer Begegnung mit Abdul Wase, einem 15-jährigen Teenager, der im letzten Jahr allein aus Kandahar nach Deutschland geflohen ist. Cres kümmert sich um den Jungen mit dem scheuen Lächeln. "Er kann natürlich noch nicht gut Deutsch sprechen, aber irgendwie versteht man sich trotzdem immer", erzählt sie.

Kinder, Jugendliche, Senioren, Teilnehmer aus den USA, Deutschland, Afghanistan und dem Iran stehen um den Küchenblock herum, putzen Gemüse, schneiden Zutaten, kneten Teig, dazu läuft afghanische Musik. Besonders faszinierend sind die Präzision und der ästhetische Anspruch, mit denen Jamile mit den Zutaten umgeht. Man merkt sofort: Sie ist eine passionierte Köchin. Ich lerne von ihr, wie man Radieschen mit einem Zickzack-Schnitt rund um die Mitte eine Sternenform verleiht. Und das sieht wirklich viel hübscher aus als die langweiligen Scheiben, die ich sonst schneide.

Wir lassen uns Zeit beim Kochen, bis die Mägen knurren. Aber dann ist alles fertig, wir decken den riesigen Tisch, bauen das Buffet auf und essen die Köstlichkeiten zusammen. Wie in einer großen Familie.

››› Gabriele Storm