Schenken – nicht nur zur Weihnachtszeit

Es macht einfach Spaß teilzuhaben, wenn etwas Neues startet.

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Wenn etwas Neues in die Welt kommt, ist es richtig spannend, mit dabei zu sein, als Geburtshelfer, als Initiator oder einfach nur als Zaungast. Leider können diese Momente oft erst rückblickend festgestellt werden – und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine gute Möglichkeit, an Neuschöpfungen teilzuhaben, ist jedoch das Schenken, am schönsten vielleicht zur Geburt eines Kindes. Auch über Generationen hinweg kann geschenkt werden, etwa durch die Entwicklung von neuem Saatgut. Wer beispielsweise vor Jahren in den Saatgutfonds der GLS Treuhand gespendet hat, kann sich jetzt daran erfreuen, dass es in den Ladenregalen und vielleicht auch im eigenen Garten neue, sehr schmackhafte Sorten gibt – und kann sich als Teil der Bewegung sehen, die immer wieder erfolgreich der Gen-Industrie etwas entgegensetzt. Wie attraktiv es ist, sich mit neuen Initiativen zu verbinden, zeigen auch die wachsenden Aktivitäten auf Spenden- und Crowdfunding-Plattformen im Internet. Es macht einfach Spaß teilzuhaben, wenn etwas Neues am Start ist!

Schenken ist jedoch auch eine Notwendigkeit.

Gegenüber den Kindern wird dies sofort jeder nachvollziehen können. Sie brauchen unsere Zuwendung ohne Wenn und Aber. Ob sich diese Zuwendung später einmal auszahlt, das lassen die Eltern sinnvollerweise erst einmal offen. In den Medien wird die Notwendigkeit des Schenkens zunehmend wegen Kürzungen öffentlicher Mittel diskutiert. Wenn Theater geschlossen werden, soziale Einrichtungen ihre Angebote einschränken müssen oder Schulen über knappe Mittel klagen, dann ist mittlerweile oft zu hören, dass wir mehr Bürgerengagement brauchen. Dabei stellt sich stets aufs Neue die Frage, in welchen Bereichen und mit welchen Mitteln die öffentliche Hand sinnvollerweise tätig ist. Die Antworten darauf sind heutzutage anders als vor dreißig Jahren und beispielsweise in den USA anders als hierzulande. Damit befinden wir uns also mitten in einer gesellschaftlichen Debatte darüber, welchen Wert Theater haben oder wie Schulen finanziert werden sollen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung, dass Unternehmungen, die sich über öffentliche Zuschüsse hinaus ein förderndes Umfeld aufbauen, insgesamt als innovativer und qualitätsbewusster gelten. Sicherlich sind Bankkredite und öffentliche Mittel wichtig.

Oft gibt jedoch den Ausschlag, ob es einer Initiative gelingt, genügend Geldspenden, Stiftungsmittel und auch freiwillige Arbeit zu organisieren. Wie solche Schenkungen wirken, kann in Tausenden beeindruckenden Geschichten erzählt werden: von Elterninitiativen, die mit großer Begeisterung für waldorfpädagogische Ideen ihre eigene Schule aufgebaut haben und neben der Finanzierung auch Bauleitung, konzeptionelle Arbeit und die behördliche Anerkennung organisierten. Oder von Landwirten, die ein Umfeld aufbauen konnten, das ihren ökologischen Betrieb durch Projekte, regelmäßigen Einkauf und Mitarbeit unterstützt. Für bundesweites Aufsehen hat die Spendenkampagne der "Stromrebellen" im Schwarzwald gesorgt, mit der die überteuerte Kaufpreisforderung zur Stromnetzübernahme in Schönau bezahlt werden konnte, sodass es nun ein positives Beispiel für "Energie in Bürgerhand" gibt. Der zu viel verlangte Kaufpreis ist in eine dafür gegründete Stiftung geflossen und wirkt somit weiter. Auch wenn Banken konventionellerweise ausschließlich Dinge wie Zahlungsverkehr und Kreditvergabe anbieten: Ganz wesentlich bleibt eine fachkundige und selbstlose Unterstützung durch Schenkungen.

Schenken ist, wenn aus vielen kleinen Beträgen etwas größeres Zustande kommt,

wie etwa in derKooperation des Saatgutfonds der GLS Treuhand mit Alnatura, die viele tausende Saatgut-Tütchen verkauft und die gesammelten Überschüsse spendet. Schenken ist ebenfalls, wenn sich eine Erbin auf den Weg macht und über einen längeren Zeitraum in biografischen Schritten ihr Vermögen in soziale und ökologische Projekte anlegt, spendet und stiftet. Und selbstverständlich findet Schenken auch an Weihnachten statt, um uns gegenseitig daran zu erinnern, dass Neues in die Welt will.
››› Falk Zientz, GLS Bank

Die GLS Bank

Die GLS Bank steht seit 1974 für einen sinnvollen Umgang mit Geld. Als "Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken" verfügt sie neben allen Dienstleistungen einer Hausbank auch über Stiftungs- und Schenkungsangebote. Unter dem Dach der dafür gegründeten GLS Treuhand e. V. finden Beratungen von Stiftungsvorhaben statt, werden Fördermittel verwaltet und Spendenkampagnen durchgeführt. 2012 konnte sie
über 6 Mio. Euro an etwa 450 Vorhaben auszahlen. Auch mit ihren Krediten finanziert die Bank ausschließlich nachhaltige Unternehmungen. Was alle 150.000 Kundinnen und Kunden der GLS Bank verbindet, ist der Wunsch, dass ihre Girokonten, ihre Spareinlagen, ihr Beteiligungskapital oder auch ihre Spenden für sinnvolle Zwecke eingesetzt werden.