Menschen des Waldes

Wie die Holz- und Papierindustrie den Lebensraum der Waswanipi Cree in Quebec bedroht.

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"This land is not for sale" – Dieses Land steht nicht zum Verkauf, würde Don Saganash sagen. Bereits seine Vorfahren aus dem Volk der indigenen Cree haben im Broadback Valley gelebt und Don Saganash möchte, dass auch seine Enkelkinder das noch erleben. Von seinem Vater hat er die traditionellen Rechte zum Jagen und Fischen in einem Teil des Broadback Valley Forest geerbt; an diesen lässt er die gesamte Gemeinde teilhaben. Und seit Jahren kämpft er für den Schutz dieses Waldes. Dabei unterstützen ihn seine Gemeinde und Greenpeace mit öffentlichen Aktionen. Zwar sind inzwischen rund 500.000 Hektar Wald im Gebiet der Cree geschützt. Andererseits klammert das Abkommen ausgerechnet den letzten intakten Urwald auf dem Stammesgebiet der Waswanipi Cree vom Schutz aus.

Die Naturparadiese von Quebec

Hier findet man noch eindrucksvolle mit Flechten behangene Nadelbäume, gigantische Mooskissen und mehr Grüntöne als auf der Farbpalette eines Malers – welch ein Schatz! Allerdings nur für den, der dies auch zu schätzen weiß. Kanada hat solche Reichtümer ebenfalls noch. Jedoch ist auch Kanada dabei, diese in Holzprodukte und Zeitungen zu verwandeln. Welch ein Verbrechen!

Holztransport

Angst vor der kompletten Zerstörung des Waldes

Nur über den Broadback River, ein für Motorboote gefährliches Gewässer voller Stromschnellen und spitzer Felsen, erreicht man den letzten intakten Urwald der Region. Keine Straße, kein Forstweg führt in den Wald hinein. Doch da dieses Gebiet nicht geschützt ist, droht es trotzdem gigantischen Holz- und Papierkonzernen zum Opfer zu fallen. Seit Jahren beobachten die Cree aus dem 1.400-Seelenort Waswanipi, wie um sie herum Urwaldflächen von Straßen zerschnitten, forstwirtschaftlich genutzt und kahlgeschlagen werden. In rund 90 Prozent des Landes der Cree aus Waswanipi wurde bereits von der Holz- und Papierindustrie eingeschlagen. Überall sind die Folgen dieser Zerstörung deutlich sichtbar: von riesigen Forstmaschinen aufgerissene Böden, in denen sich das Wasser staut, bestimmen das Landschaftsbild in weiten Teilen, rund 32.000 Kilometer Straßen zerschneiden das Land.

Nun fürchten die Cree aus Waswanipi auch um die letzten intakten Teile des Broadback Valley Forest, die zu ihrem Territorium gehören. Deshalb organisierten sie im August 2015 eine Journalistenreise in den Urwald und luden Greenpeace sowie internationale Medienvertreter dazu ein. Für Greenpeace Deutschland war Waldkampaignerin Sandra Hieke vor Ort.

Je weiter sich die Journalisten ihrem Ziel näherten, desto präsenter wurden neben den Naturschätzen vor allem auch die Auswüchse der Holz- und Papierindustrie. Mit Holz beladene Trucks kamen den Besuchern teilweise im Fünf-Minuten-Takt entgegen und verschwanden kurz darauf wieder in gigantischen Staubwolken. Ihr Ziel: die zahlreichen Holz- und Papierfabriken der Region, vor deren Toren sich Berge gestapelter Stämme türmen.

gerodeter Wald

Raubbau mit Konsequenzen

Allerdings hat der Raubbau an besonders schützenswerten Wäldern für die Industrie bereits Konsequenzen. So verlor die Firma Resolute Forest Products bereits mehrere FSC-Zertifikate (Forest Stewardship Council) für nachhaltige Forstwirtschaft für Teile von Quebec. Greenpeace hatte wiederholt öffentlich auf Missstände bei der Waldbewirtschaftung durch die Firma Resolute aufmerksam gemacht, auch wenn die Firma versuchte diese Kritik mit einer Diffamierungsklage zu unterdrücken. Der deutsche Medienkonzern Axel Springer, der seit Jahren Papier von Resolute bezog, kündigte daher jüngst die Zusammenarbeit auf. Er will dort nicht mehr kaufen, bis sich die Situation zwischen der Firma und den relevanten Interessengruppen maßgeblich geändert hat.

Die Zukunft der Cree von Waswanipi hängt also davon ab, ob das Herzstück des Broadback Valley Forest zum Schutzgebiet wird – eine Entscheidung, die bei der Regierung von Quebec liegt. Trotz dieser Ungewissheit ist das indigene Volk voller Optimismus. Auch Don Saganash wird weitermachen. Denn er weiß um den Wert seines Waldes und ist fest entschlossen, ihn zu schützen. "Wir halten unsere Stellung bis zum letzten Baum. Denn wir sind die Menschen des Waldes – wir wollen nicht die Menschen der Baumstümpfe werden!"

››› Gastbeitrag Greenpeace e. V.

Was kann ich in Deutschland für den Urwaldschutz tun?

Auch Verbraucher können zum Waldschutz beitragen, indem sie Recycling-Papier verwenden und bei allen anderen Holzprodukten auf eine FSC-Zertifizierung achten. Das FSC-Siegel ist bislang das einzige, das nicht nur ökologische Kriterien ernsthaft berücksichtigt, sondern auch indigene Völker in Entscheidungsprozesse miteinbezieht, die ihre Gebiete betreffen.