Aktiv für die Umwelt

Der BUND, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V., kämpft gegen Massentierhaltung und Pestizide – und für mehr Öko-Landbau

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Kiwitt! Kihibitt! KiiiiEbiiitz! Der kleine Wiesenvogel scheint seinen eigenen Namen zu rufen. Der Wiesenbrüter hat sein kleines, unauffälliges Nest mit den vier gesprenkelten Eiern mitten in eine Wiese gelegt. Es sind nur noch wenige Tage, bis die Küken schlüpfen. Immer häufiger schreit der Kiebitz mutig und verzweifelt zugleich gegen gewaltige Trecker an, die seinen Lebensraum – artenreiche Wiesen und Weiden – in einen Maisacker umpflügen und sein Nest samt Brut tief unter der Krume begraben. Mehr als 300.000 Hektar Grünlandverlust in zehn Jahren, das hat den Kiebitz auf die Liste der bedrohten Arten gebracht. Denn gerade extensiv bewirtschaftete Weiden, die zu den artenreichsten Lebensräumen der Agrarlandschaft zählen, sind selten geworden. Unter extensiver Landwirtschaft versteht man die Nutzung von Böden mit nur geringem Eingriff des Menschen in den Naturhaushalt. Die natürliche Entwicklung überwiegt. Intensive Landwirtschaft ist deren Gegenteil.

Industrielle Tierhaltung braucht keine Wiesen. Öko-Landbau schon. Industrielle Agrarwirtschaft zerstört mit Monokulturen, Pestiziden und zu viel Dünger die Vielfalt und die Schönheit, aber auch die nachhaltige Fruchtbarkeit unserer Erdoberfläche, von und auf der wir alle leben. Daher setzt sich der BUND für einen flächendeckenden, ökologisch konsequenten und tierfreundlichen Öko-Landbau ein. Naturschutzgebiete allein können die biologische Vielfalt nicht bewahren. EU-weit haben Regierungen den Artenschwund und auch direkte Belastungen für Menschen ja gerade herbeigeführt mit einer Politik, die wenige Schutzgebiete und flächige "Schmutz"-Gebiete auswies, in denen Boden und Gewässer, Luft und Klima belastet werden dürfen. Darum ist der BUND auch EU-weit und international im Netzwerk Friends of the Earth Europe (FoEE) und Friends of the Earth International (FoEI) politisch und mittels Aktionen bestens verankert.

Der BUND kämpft gemeinsam mit Öko-Betrieben für eine Agrarwende in den Bundesländern, Berlin und Brüssel. Da BASF und Bayer das Gegenteil mit viel mehr Geld und viel, viel mehr Lobbyisten anstreben, setzt der BUND neben der Überzeugungsarbeit bei Politikern auch auf Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem Fleischatlas etwa gelingt es, über große Medien Millionen Menschen zu erreichen. Ebenso mit Studien zu Antibiotikaresistenzen auf Geflügelfleisch im Supermarkt oder Hormonen in der Schweinezucht. Aufklärung über die Lügen der Agrarindustrie – so trägt der BUND dazu bei, dass der Fleischkonsum in Deutschland nach Jahrzehnten der Steigerungen endlich sinkt. Dass Subventionen für Massentierhaltungen zugunsten von mehr Tierschutz im Stall umgewidmet wurden und der Öko-Landbau weiter wächst. Direkt nach der BUND-Studie brachte die Bundesregierung ein neues Gesetz zur Reglementierung von Antibiotika in der Tierhaltung auf den Weg. Und ein neues Baugesetz räumt Gemeinden endlich mehr Widerspruchsrechte ein, wenn Großinvestoren bei ihnen Tierfabriken bauen wollen. Allein im vergangenen Jahr haben BUND-Gruppen über 30 Tierfabriken gestoppt. Je nach Mastanlage wurde so bis zu 400.000 Hühnern viel Leid auf wenig Platz erspart.

Aktive Orts- und Kreisgruppen bildeten vor 39 Jahren die Wurzeln, als sie sich zum Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zusammenschlossen. Auch heute sorgen 2.000 Gruppen und insgesamt 496.000 Mitglieder, Förderinnen und Förderer für das Rückgrat und die Unabhängigkeit des BUND: Als Mitmachverband veranstalten sie zum Beispiel Öko-Märkte und Regionalmessen vor Ort. Und sie nehmen Einfluss auf die BUND-Politik in den Bundesländern, Berlin und Brüssel. Einen Schatz bilden auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ExpertInnen und Fachleute mit Erfahrungswissen, die ehrenamtlich ihre Expertise in die BUND-Arbeitskreise einbringen. In diesen gewachsenen, generationenübergreifenden Diskussionsforen findet die wissenschaftsbasierte Meinungsbildung des BUND statt.

Der BUND arbeitet Hand in Hand mit den Öko-Landbau-Verbänden, der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der internationalen Öko-Landbau-Bewegung (IFOAM) für eine bessere Agrarpolitik. Aktuell weht der Bio-Branche ein scharfer Wind ins Gesicht: Die EU-Kommission verlangt für die neue EU-Öko-Verordnung strengere Grenzwerte für Rückstände aus der konventionellen Pestizidanwendung, die zum Beispiel per Windeintrag auf Öko-Felder herüberweht. Niedrige Pestizidwerte sind wünschenswert. Doch Bio-Bauern haben keinen Einfluss darauf, ob und wie viel Pestizide ihre konventionellen Nachbarn versprühen. Bio-Produkte sind ohnehin schon um ein Mehrfaches geringer belastet. Um die Belastung zu verringern, muss die Kommission jedoch bei der Ursache ansetzen und den Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft endlich wirksam regulieren. Weniger Pestizide und strenge Umweltregeln für die Empfänger von Agrarsubventionen sind auch die Überlebensgarantie für den Kiebitz und seine ebenso gefährdeten Leidensgenossen.

››› Reinhild Benning, Leiterin Agrarpolitik BUND

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