Vorübergehend nachhaltig: Mobiles Grün in der Stadt

Urbane Landwirtschaft am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg? Wie das "mobile Grün" funktioniert - dieses Buch zeigt es eindrucksvoll.

Urbane Landwirtschaft am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg? Nachhaltiges Gärtnern im städtischen Trubel? Bienenzucht und Kartoffelordnungen in der Großstadt? Multikulti als Pflanzplan? – Die Prinzessinnengärten in Berlin sind zum Inbegriff neuer und nachhaltiger Gartenkonzepte für die Stadt geworden.

Prinzessinnengärten beschreibt auch, wie aus einer verwahrlosten Brachfläche im Problemkiez ein blühender Gemüsegarten wurde. Gartenamateure, Freiluftenthusiasten und engagierte Nachbarn verwandelten das ungenutzte städtische Gelände an der Ecke Prinzen- und Oranienstraße in eine grüne Oase, in der 500 verschiedene Sorten Gemüse und Kräuter wachsen und essbare Blumen in Kisten blühen. Ein Überseecontainer wurde im Selbstbau zur Küche umfunktioniert, in dem das lokal angebaute Gemüse frisch zubereitet wird. Unter den Scheinakazien wird gemeinsam an einer langen Tafel im Garten gegessen.

Der Historiker Marco Clausen und der Filmemacher Robert Shaw hatten im Jahr 2009 die Idee, aus einer städtischen Brache mit mobilen Beeten einen Garten zu machen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich das Brachland voller Müll in diese grüne Insel. Die Prinzessinnengärten wurden nicht nur auf der Weltausstellung in Shanghai und in der New York Times gewürdigt, sondern haben vor allem zahlreiche Nachahmer-Projekte im In- und Ausland gefunden und wirken weiter in viele Bereiche städtischen Planens und Wirkens.

Nun liegt das erste Buch über die Prinzessinnengärten vor, das zugleich ein außergewöhnliches Handbuch zum Gärtnern in der Stadt ist, mit Pflanzanleitungen und Rezepten ideenreiche Anregungen zum Selbergärtnern gibt und viele Einblicke in dieses interessante Modell eines partizipatorischen Projekts liefert.

Das Buch beginnt mit dem Text "Eine andere Stadt kultivieren" von Marco Clausen. Hier erzählt der Autor – und einer der beiden Gründer – chronologisch die Entstehung der Prinzessinnengärten von der Idee bis zur Eröffnung der dritten Saison in diesem Frühjahr. Zugleich erläutert er umsichtig und humorvoll die zentralen Themen eines solchen Projekts und steckt das Feld der bisherigen Erfahrungen ab: "Wie die Pionierpflanzen: mit wenig auskommen; vom Selbermachen; der Garten als Erzieher; der urbane Garten als sozialer Humus; Jenseits der Idylle: lokal hacken, global denken". Der andere Gartengründer, Robert Shaw, erläutert im Gespräch die sozialen Prozesse beim Gärtnern und wie sich Wissen eigentlich in einem solchen Garten ganz praktisch weitervermittelt. Shaw bringt die zentrale Haltung auf den Begriff: "Der Prinzessinnengarten hat eine bestimmte Ausrichtung, er hat bestimmte Basisinhalte: Wir gärtnern ökologisch, mobil und wir beschäftigen uns ganz allgemein mit nachhaltigen Lebensstrategien."

Der Prinzessinnengarten ist aber vor allem und in erster Linie ein wundervoll belebter Mikrokosmos, in dem sich Menschen begegnen, sich über das Gärtnern verständigen, es gemeinsam lernen, vermitteln und verfolgen. Der Garten ist zu einem sozialen Raum der Begegnungen, zahlreicher Aktivitäten und für gemeinsames Essen geworden. Und gerade von dieser dem täglichen Leben, den Pflanzen, ihrer Hege und Pflege in den Jahreszeiten zugewandten Seite des Gartens erzählt das Buch mit seinen herrlichen Bildern und den wunderbaren Zeichnungen und Illustrationen. Die Autorin Stefanie Müller-Frank begleitet aufmerksam den Jahresablauf im Gartenjahr und erläutert Pflanzweisen, gibt Tipps zum Gießen und stellt die wichtigsten Pflanzen des Gartens in Einzelporträts vor.

Die herrlichen Rezepte aus der Gartenküche laden schließlich jeden von uns dazu ein, entweder den Prinzessinnengarten zu besuchen – oder vielleicht doch lieber gleich selber als Prinzin oder Prinz eines der feinen Gerichte zu bereiten oder zu verspeisen.

"Prinzessinnengärten. Anders gärtnern in der Stadt"

Nomadisch Grün (Hrsg.),
248 Seiten mit Texten von Marco Clausen und Stefanie Müller-Frank
(mit ca. 280 farbigen Abbildungen und Illustrationen),
Hardcover, DuMont Buchverlag, Köln 2012,
ISBN 978-3-8321-9436-9, 29,95 Euro

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