20 Jahre Alnatura Super Natur Markt

Am 1. Oktober 1987 eröffnete Alnatura seinen ersten Laden in Mannheim - mit einem überschaubaren Sortiment, viel Holz in der Ausstattung und Getreide zum Selbstabfüllen. Das Alnatura Logo und der ökologische Anspruch sind bis heute unverändert geblieben.

Alnatura Gründer und Geschäftsführer Götz E. Rehn erzählt in einem Interview von seinen ersten Ideen für Alnatura und den Anfängen in der Zeit der Ladeneröffnung - die nicht immer leicht war.

Wie kamen Sie damals auf die Idee, Bio- Lebensmittel zu verkaufen?

Seit meinem 21. Lebensjahr beschäftige ich mich mit der Frage: Wie kann die Wirtschaft ihre Grundfunktion - nämlich dem Menschen zu dienen - wieder wahrnehmen? Gemäß dem Motto "Sinnvoll für Mensch und Erde" hatte ich bereits während meiner Studienzeit nach Ideen und Konzepten gesucht, dieses Ziel zu verwirklichen. Die ersten Ideen einer Filialkette für kindgerechte Kinderkleidung aus 100 % Baumwolle oder vegetarische Vollwert-Restaurants in Selbstbedienung konnten nicht realisiert werden. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, eine moderne Einkaufsstätte für Bio-Lebensmittel zu entwickeln.

Meine Recherchen ergaben aber, dass es zur damaligen Zeit nicht genug Bio-Lebensmittel gab, um einen Markt vollständig zu bestücken. Für mich kam jedoch eine Aufnahme von Produkten, die zwar wie Bio aussahen, aber in Wirklichkeit kein Bio enthielten, nicht in Frage. Daher war ein Umweg notwendig: Durch das Interesse von Götz Werner (Gründer und Geschäftsführer der dm-Drogeriemärkte) und Wolfgang Gutberlet (Geschäftsführer der tegut Einzelhandelsmärkte, Anm. d. Redaktion) konnte ich durch meine Beratungsfirma "Unternehmensberatung für Sozialorganik" die Alnatura Produkte und das Alnatura Konzept entwickeln. Damit war die Grundlage für ein breiteres Sortiment geschaffen, das dann erstmals zur Eröffnung des ersten Alnatura Super Natur Marktes am 1. Oktober 1987 in Mannheim angeboten wurde.

Wie sah die erste Filiale in Mannheim aus? War der zukünftige Erfolg in den ersten Monaten und Jahren schon abzusehen?

Ich bin mit viel Idealismus in die Gründung des neuen Unternehmens gegangen. Viele Elemente, die bis heute, wenn auch in veränderter Form, eingesetzt werden, wurden schon damals entwickelt. Interessant ist, wie sich die Sortimente in den vergangenen 20 Jahren gewandelt haben. Während wir am Anfang noch eine große Naturtextilabteilung, Spielzeug, eine Naturpapeterie und Ähnliches in unserem Laden hatten, ist der Alnatura Markt des Jahrgangs 2007 ein primär auf das Angebot von Bio-Lebensmitteln konzentriertes Format. Bereits vom ersten Tag an hatten wir genug Kunden, um das Geschäft erfolgreich führen zu können. Allerdings waren meine Erwartungen deutlich höher als die Resonanz der Kunden. Vor 20 Jahren war noch keineswegs abzusehen, dass Bio alle Lebensbereiche erfassen und - wie heute - zu einer echten zusätzlichen Kategorie von Lebensmitteln auf dem Gesamtmarkt werden würde.

Welche Schwierigkeiten gab es zu Beginn? Und wie hat Alnatura sie überwunden und ins Positive gewendet?

Zu meiner großen Überraschung fanden nicht alle Menschen die Alnatura Idee gut. Es gab eine Reihe von Angriffen: Die Markenschilder am Mannheimer Laden wurden in den ersten Monaten mehrfach abgerissen, eine Scheibe wurde eingeschlagen. Später wurde der gesamte Laden sogar durch Brandstiftung vernichtet. Außerdem kämpfte der "Verein zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs" über mehrere Jahre bis vor das Oberlandesgericht Koblenz gegen Alnatura. Uns sollte die Verwendung der Begriffe "Bio", "doppelte Qualitätskontrolle", ja sogar unser Markenname "Alnatura" untersagt werden. Einmal hatten wir ein Flugblatt konzipiert, auf dem wir eine Getreidemühle abbildeten. Der Inhaber der Getreidemühlenfirma untersagte uns die Verwendung des Bildes, obgleich wir sein Produkt in unserem Laden verkauften. Wir mussten daraufhin die gesamte Auflage des Flugblattes wegwerfen. Auch hatten wir Probleme, von allen Bio-Lieferanten beliefert zu werden. Einer Reihe von Firmen war unser Ansatz zu kühn, und wir mussten intensive Überzeugungsarbeit leisten, um irgendwann die Artikel auch verkaufen zu können. Dies ist glücklicherweise alles Vergangenheit. Heute arbeiten wir mit allen Herstellern von Bio-Produkten erfolgreich zusammen.

Warum war Mannheim der erste Standort eines Alnatura Super Natur Marktes?

Das war reiner Zufall. Ich hatte gehört, dass in Mannheim ein vegetarisches Selbstbedienungsrestaurant eröffnet werden sollte und dass im Nachbarhaus noch eine Fläche frei sei. Mit dem Vermieter beider Objekte konnten wir dann relativ schnell einen Mietvertrag abschließen und mit unserem Konzept beginnen. Es war damals grundsätzlich nicht leicht, überhaupt einen Vermieter zu finden, da viele der Idee eines Bio-Supermarktes äußerst skeptisch gegenüberstanden. Mit dem zweiten Laden in Karlsruhe, wenige Jahre später, war es schon leichter, da wir den Erfolg von Mannheim vorweisen konnten.

Das Interview führte Stefanie Neumann