Pflege – Wickel und Auflagen

Die guten alten Hausmittel sind wieder da.

Pflege

Nachdem es einige Jahrzehnte lang ruhig um Kartoffelwickel, Kamillendampfbäder und Wadenwickel wurde, entdecken heute viele Menschen die heilsame Kraft dieser Anwendungen wieder neu. Gerade sogenannte "Bagatellerkrankungen" können zu Hause mit traditionellen Heilmitteln behandelt werden. Das Füllhorn der Natur liefert uns wahre Schätze: von A wie Arnika bis Z wie Zwiebel.

Sanfte Pflege – starke Wirkung

Wickel, Auflagen und Einreibungen können vielfältig eingesetzt werden. Dazu werden Öle, Salben und Essenzen genutzt, die sich oft schon seit Jahrhunderten in der Praxis bewährt haben. Gleichzeitig wird zunehmend wissenschaftlich erforscht, wie diese Maßnahmen wirken. So liegen zum Beispiel zu medizinischen Fußbädern, Kompressen und Einreibungen gute Studienergebnisse vor, die deren Wirksamkeit belegen.

Was viele nicht wissen: Heute werden solche Anwendungen auch wieder zunehmend in der Pflege im Krankenhaus eingesetzt. Anfangs sind manche Patienten sehr überrascht, wenn sie mitten im modernen Klinikalltag vom Arzt nicht nur Tabletten und Tropfen, sondern eben auch einen Umschlag verordnet bekommen, der den Gesundungsprozess unterstützen soll. Nicht selten sind sie danach so angetan, dass sie diese Art der Pflegemaßnahmen zu Hause weiterführen wollen. Sie fangen an, sich das nötige Know-how zu erarbeiten, und beschäftigen sich mit Heilpflanzen, die sie bis dahin am Wegrand völlig übersehen haben. Wenn das Interesse erst einmal erwacht ist, wachsen bald das Vertrauen und ein gutes Gespür für das richtige Mittel bei den entsprechenden Beschwerden.

Im klinischen Alltag

Dass äußere Anwendungen ihren Platz in unserer modernen Akutmedizin haben, zeigt das Beispiel von Frau B.: Sie hat Krebs im fortgeschrittenen Stadium und liegt seit zwei Tagen in der Filderklinik. Was ihr aktuell sehr zu schaffen macht, sind ihre Beine, die aufgrund von Ödemen stark angeschwollen sind. Ihr Organismus schafft es nicht mehr, das Gewebswasser ausreichend zu integrieren. Der Pflegeexperte bereitet einen Wickel unter Verwendung eines Pflanzenextrakts vor. Dafür werden Mullwindeln in lauwarmem Wasser getränkt, welchem einige Tropfen der Essenz zugegeben wurden. Etwas dickere Tücher werden rundherum gelegt, um vor Verdunstungskälte und das Bett vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Patientin spürt gleich vom ersten Moment an eine wohltuende Erleichterung. Nach einer Stunde wird der Wickel abgenommen. Nun strahlt sie, da ihre Beine tatsächlich wieder schlanker und konturierter erscheinen.

"Was ist das denn für eine Wunderpflanze?", will sie wissen. Im Gespräch mit dem Pfleger entsteht ein Bild dieser Heilpflanze, das eine Vorstellung davon vermittelt, warum dieser Wickel dazu beitragen konnte, die in den Beinen versackte Flüssigkeit wieder in den Organismus einzugliedern.

Neue Impulse

Wie kann es sein, dass diese Mittel, die doch "nur" äußerlich aufgebracht werden, so wirksam sind? Wie kann zum Beispiel eine heiße Teekompresse auf der Lebergegend tatsächlich eine Wirkung im Inneren des Organismus entfalten? Unsere Haut ist ein höchst sensibles Sinnesorgan. Wir erleben bewusst, wie sie Wärme und Kälte, Trockenheit und Nässe, Weichheit und Festigkeit wahrnimmt. So vermag sie aber auch ganz feine Substanzqualitäten zu erspüren und diese an den gesamten Organismus weiterzugeben. Dieser reagiert unmittelbar und "erkennt" sehr genau, welche Pflanzenauszüge eine Kompresse oder ein Wickel enthält. Für diesen Prozess braucht es vor allem einen guten Rahmen, eine ruhige, warme und geschützte Atmosphäre, ausreichend Nachruhe und natürlich das nötige Know-how des Pflegenden. Dann können uns Mittel zur äußeren Anwendung freundschaftlich und heilsam "beschenken"

››› Gastbeitrag Hermann Glaser

Hermann Glaser

Hermann Glaser ist Gesundheits- und Krankenpfleger; Experte für Anthroposophische Pflege (IFAN); Ausbilder für Rhythmische Einreibungen nach Wegman /Hauschka; Praxisanleiter; Kinaesthetics-Trainer. Er ist am Zentrum für integrative Onkologie und an der Freien Krankenpflegeschule an der Filderklinik tätig.

Mehr Interesse?

  • Hermann Glaser:
    "Alte und neue Hausmittel zur äußeren Anwendung. Methoden – Indikationen – Tipps" (2008), 18 Euro
  • Monika Fingado:
    "Therapeutische Wickel und Kompressen: Handbuch aus der Ita Wegman Klinik" (2012), 14 Euro
  • Annegret Sonn:
    "Wickel und Auflagen – Naturheilkundliche Pflegemethoden erfolgreich anwenden" (2014), 29,99 Euro
  • Toke Bezuijen:
    "Berührt werden durch Äußere Anwendungen" (2015), 34,90 Euro
  • www.vfap.de
    Verband für Anthroposophische Pflege, hier finden Sie Hinweise zur Fort- und Weiterbildung

Redaktionelle Anmerkung: Eigentlich sollten nachstehend auch praktische Beispiele genannt werden, mit welchen Hausmitteln bei welchen Beschwerden jeder Mensch, dem es körperlich mit eher leichten Symptomen nicht so gut geht, sich selbst helfen kann. Aus Gründen des Verbraucherschutzes ist dies nicht erlaubt, da in den Alnatura Super Natur Märkten die Lebensmittel oder getrockneten Kräuter, mit denen man viele der altbekannten Hausmittel zubereitet, verkauft werden. Alnatura würde dann mit diesem Artikel Werbung für auf Gesundung bezogene Wirkungen der genannten Produkte machen, was rechtlich nicht zulässig ist. Der Gesetzgeber ist an dieser Stelle sehr streng. Missbrauch soll verhindert werden, was auch unbedingt richtig ist. Der folgende Text soll Ihnen deswegen ganz allgemein als Anregung dienen, sich mit einer heilkundigen Person, einer Ärztin, einem Heilpraktiker darüber auszutauschen, ob es vielleicht wirkungsvolle Hausmittel gibt, mit denen Sie mögliche Beschwerden lindern helfen können.