Den Wirkungen des Essens auf der Spur

In zwölf Beiträgen beleuchtet diese Serie in kurzen Schlaglichtern verschiedene Aspekte der biodynamischen Landwirtschaft und der durch sie hervorge brachten Produkte. Den Auftakt bildet eine Betrachtung zur Qualität der Lebensmittel. Ein Gastbeitrag von Renée Herrnkind.

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Kaum ein Begriff ist so strapaziert wie Qualität.

Selbstverständlich will jeder die beste Qualität – nicht zuletzt bei Nahrungsmitteln, die wir uns täglich im wahrsten Sinne des Wortes einverleiben. Aber woran erkennen und messen wir Qualität? Beim Essen spielen Geschmack und Bekömmlichkeit natürlich eine wichtige Rolle. Aber wie entstehen charakteristisches Aroma, hohe Verträglichkeit und echter Genuss?

Demeter steht für biodynamische Qualität. Sie wird entwickelt im Zusammenspiel von Erzeugung und Verarbeitung nach den Regeln der biodynamischen Wirtschaftsweise. Diese älteste ökologische Methode geht auf Impulse von Rudolf Steiner zurück, der vor 90 Jahren – Pfingsten 1924 – Vorträge zum Gedeihen der Landwirtschaft hielt. Sein Motiv: der von aufmerksamen Landwirten beobachteten Verschlechterung der Lebensmittelqualität entgegenzuwirken. Schon damals war klar, dass die Qualität von biodynamischen Lebensmitteln Spiegel ihres Lebensprozesses ist. Was hat das Nahrungsmittel in seinem Werden erlebt, was tönt hindurch, was ermöglicht es dadurch dem Menschen? Beste landwirtschaftliche und handwerkliche Praxis spielt da ebenso hinein wie die ­innere Haltung der tätigen Menschen und das gezielte Zusammenwirken von irdischen und kosmischen Kräften. Also geht es nicht vorrangig um die vielen messbaren Inhaltsstoffe, sondern um die Entdeckung der Qualität mit allen Sinnen.

Warum essen wir?

Um satt zu werden, um fit zu bleiben? Oder um uns ganz, mit Körper, Seele und Geist, weiterzuentwickeln? Warum betreiben Demeter-Bauern biodynamische Landwirtschaft? Um Nahrung zu erzeugen? Um Tieren bestes Futter zu bieten? Um zur Heilung der Erde beizutragen? Für Demeter-Akteure ist biodynamisch arbeiten der Weg zu einer Ermöglichungskultur. Biodynamisches Wirtschaften ermöglicht eben nicht nur Humusaufbau, Tiergesundheit und aromatische Lebensmittel, sondern macht eine spirituelle Dimension in der Ernährung möglich.

Das klingt vielleicht hochtrabend – aber hat nicht jeder schon einmal erlebt, dass Essen beleben oder dämpfen kann? Lebensmittel wirken auf seelisches und körperliches Befinden gleichermaßen. Für die Erforschung dieser tieferen Wahrnehmungen hat Dr. Uwe Geier vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V. einen psychologischen Test zu Lebensmittelwirkungen entwickelt, der immer weiter verfeinert wird. Die Experimente, die wie ein wissenschaftlicher Sensoriktest aufgebaut sind, finden in entspannter Atmosphäre statt. VerbraucherInnen nehmen das Lebensmittel wie Dinkeltoast, Kartoffeln, Möhren oder Milch zu sich und horchen in sich hinein. Die Rückmeldungen über die dabei beobachteten körperlichen und seelischen Wirkungen sind frappierend: "Schon mit dem ersten Bissen wurden Hände und Füße kühler." – "Am Ende hatte ich das Gefühl eines Energieschubs in der Brust." – "Meine Laune hebt sich, ich fühle mich voller Energie, erfrischt." Oder auch: "Ich habe einen verschlossenen Ausdruck." – "Um mich wird alles grau." – "Mein Körper sackt in sich zusammen." In der Tendenz deuten sich auch spürbare Unterschiede zwischen einer konventionell und einer biodynamisch gezüchteten Karotte, einer herkömmlichen Milch und einer Demeter-Milch an. Fühle ich mich eher leicht oder schwer? In Ruhe oder Unruhe? Wach oder müde? Wer beobachtet das schon an sich selbst, wenn Schokolade genascht oder die Karotte geknabbert wird? Die Probanden der Vorstudie fanden es jedenfalls sehr spannend, sich so zu beobachten und zu spüren, dass Körper, Seele und Geist auf Lebensmittel reagieren. Die Forschung wird weitergehen, und auch in Übegruppen und Workshops wird an dem Thema der Wahrnehmung von Lebensmittelwirkungen gearbeitet.

Renée Herrnkind

Renée Herrnkind, nach dem Abitur Volontariat bei einer Frankfurter Tageszeitung, danach sieben Jahre Redakteurin. Seit 1980 eigenes Journalistinbüro "Schwarz auf Weiß" in Wetzlar mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologische Themen.

Demeter – In Qualitätsuntersuchungen vorn

Viele Menschen wollen Qualitätsbeweise aus der Wissenschaft. Sowohl mit analytischen als auch mit bildschaffenden Methoden, die als Ergänzung der Naturwissenschaft gelten, lassen sich Qualitätsvorteile biodynamischer Lebensmittel nachweisen. Ein paar Beispiele, die der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise zusammengetragen hat:

  • Demeter-Äpfel: besonders reif, vital und apfeltypisch
  • Demeter-Trauben: erhöhter Gehalt an pflanzeneigenen Abwehrstoffen, hohe Substanzwirkung und Reife 
  • Demeter-Senf und Rote-Bete: mehr freie Aminosäuren 
  • Demeter-Spinat: höherer Vitamin-C-, niedrigerer Nitratgehalt 
  • Demeter-Kartoffeln: ausgereift, belebt, arttypisch
  • Demeter-Salate: beim antioxidativen Potenzial bestens dank reichlich Phenolen und Flavonoiden
  • Demeter-Milchprodukte: Konsum führt zu einer vorteilhafteren Zusammensetzung der Muttermilch.