Biodynamische Präparate

In zwölf Beiträgen beleuchtet diese Serie in kurzen Schlaglichtern verschiedene Aspekte der biodynamischen Landwirtschaft und der durch sie hervorge brachten Produkte. Den Auftakt bildet eine Betrachtung zur Qualität der Lebensmittel. Ein Gastbeitrag von Renée Herrnkind.

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Das außergewöhnlichste Charakteristikum Biodynamischer Wirtschaftsweise sind seit Rudolf Steiners Vorträgen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Pfingsten 1924) die Präparate. Was aber ist das Geheimnis dieser Biodynamischen Präparate, die so essenziell für Demeter sind, dass ihre regelmäßige Anwendung in den Richtlinien verankert ist und auch entsprechend kontrolliert wird? Der Forscher Dr. Uli Johannes König vom Institut für Biologisch-Dynamische Forschung in Darmstadt nennt sie Heilmittel, Bodenverbesserer, Pflanzenstärkungsmittel, energetische Nachschublieferung und wohltuende Prophylaxe für Lebensprozesse, die dadurch geordneter verlaufen. Seine jahrzehntelangen Beobachtungen zeigen ihm, dass ihre wichtigste Wirkung die Harmonisierung ist: "Wo etwas zu viel ist, wird es weniger, wo etwas zu schwach ist, wird es stärker." Die Präparate sorgen also für Ausgleich. Da sie ähnlich wie homöopathische Arzneimittel auf energetischer Ebene angesiedelt sind und Abläufe bedingen, die von manchem als geradezu mystisch bezeichnet werden, bieten die Präparate wie kaum ein anderes Element im Öko-Landbau Anlass zu Verwunderung, Angriffen und ironischen Bemerkungen. Andererseits lösen sie Faszination aus.

Durch die Präparate-Arbeit verbindet sich der Landwirt seelisch und geistig mit dem Boden, den er bewirtschaftet, mit den Pflanzen, die er anbaut, und den Tieren, die er hält. Viele Biodynamiker erleben beim Rühren der Spritzpräparate im Wasserfass eine meditative Stimmung, eine innere Verbundenheit mit dem Lebendigen, eine Mischung aus Kontemplation und Inspiration.

"Mit den Präparaten zeigen sich Möglichkeiten, aus dem kosmischen Ganzen heraus mit Kräften zu arbeiten", erklärt König auch den Verbrauchern, die zur gemeinsamen Präparate-Arbeit in das Institut in Darmstadt kommen. Manche spüren dann wie er das "Bezaubernde" der Präparate, die einen anderen Umgang mit Stoffen und Kräften der Natur darstellen, als das sonst herrschende Wirkstoff-Denken der Naturwissenschaft erwartet. "Sie fordern mich als modernen Menschen heraus, bei ihrer Zubereitung und Anwendung künstlerisch-alchimistisch in die Naturvorgänge einzugreifen, ohne sie zu manipulieren", so König.

Es wird unterschieden zwischen den Spritzpräparaten Hornmist und Hornkiesel sowie den Kompostpräparaten. Die Kompostpräparate werden aus den Heilpflanzen Brennnessel, Schafgarbe, Kamille, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian hergestellt. Dazu werden sie in tierischen Organhüllen wie Schädel, Darm oder Blase, zu denen sie – vereinfacht gesagt – in einer heilenden Beziehung stehen, über mindestens ein halbes Jahr im Boden vergraben. Dann werden sie dem Mist zugegeben, damit ein besonders wertvoller Kompost entsteht.

Für Hornkiesel wird fein zermahlener Quarz, für Hornmist Kuhdung in Kuhhörner gefüllt vergraben. Beide werden dann in Wasser rhythmisch verrührt und ausgespritzt. Hornmist ordnet und regt die Bodenprozesse an und wird bevorzugt zur Keimung der Pflanzen gespritzt. Hornkiesel fördert das auf das Sonnenlicht ausgerichtete Wachstum der Pflanzen und wird mehr zur Pflanzenreife hin gespritzt.

Das Hornmist-Präparat wirkt sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus: Hohe Aktivität der Bodenlebewesen, ein hoher Gehalt an Biomasse und die ausgeprägte Verwurzelung der Pflanzen sind die erfreulichen Folgen. Die Wirkung des Hornkiesel-Präparates kann am besten mit einem sonnigen, warmen Sommertag verglichen werden, beobachten besonders die Gärtner, Obstbauern und Winzer. Sie wissen, dass die charakteristische Aromabildung der so erzeugten Produkte damit gesteigert werden kann. Rein analytisch zeigt sich, dass sogar die Haltbarkeit von Lagergemüse verbessert wird, Nitratgehalte reduziert sowie Zucker- und Vitamingehalte gesteigert werden. Biologisch-dynamische Wiesen sind ausgesprochen kräuterreich, ergeben also vielseitiges, gesundes Futter für die Tiere, die dadurch beste Milch- und Fleischergebnisse erzielen können. Die Biodynamischen Präparate geben der Kulturlandschaft also einige der Kräfte wieder, die sie selbst bei bester landwirtschaftlicher Bewirtschaftung zwangsläufig einbüßt. So wird nachhaltig gewirtschaftet – im wahrsten Sinne des Wortes.

Renée Herrnkind

Renée Herrnkind, nach dem Abitur Volontariat bei einer Frankfurter Tageszeitung, danach sieben Jahre Redakteurin. Seit 1980 eigenes Journalistinbüro „Schwarz auf Weiß“ in Wetzlar mit dem Arbeitsschwerpunkt ökologische Themen.

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