Das Herz

Vom Herzen geht eine enorme Kraft aus: Es schlägt täglich rund 115.000-mal, in einem Lebensjahr sind das rund 42 Millionen Schläge.

Anthroposophische Medizin

Das Herz ist das zentrale Organ des Menschen. Ohne das Herz gibt es keinen Blutkreislauf, der alle Organe mit Nährstoffen versorgt – und ohne Blutkreislauf keine sinnvolle Herzfunktion. Gleichzeitig geht vom Herzen eine enorme Kraft aus: Es schlägt täglich rund 115.000-mal, in einem Lebensjahr sind das rund 42 Millionen Schläge. Auch wenn das Herz oft als "Pumpe" bezeichnet wird, geht die Perspektive der Anthroposophischen Medizin über diese eher technische Metapher hinaus. Das Herz ist das pulsierende und impulsierende Zentralorgan des Blutkreislaufs, das sich in seiner Aktivität von Schlag zu Schlag an den Bedarf des Organismus anpasst. Dass wir bei klarem Bewusstsein sind, hat zur Voraussetzung, dass unser Herz das Gehirn – sekündlich angepasst – in allen Lebenslagen mit ausreichend Blut versorgt. Gleiches gilt für unsere Willensentfaltung mit einer angepassten Versorgung der aktiven Muskulatur. Das Herz steht nie still und darf doch nie rein mechanisch funktionieren. Es zeigt uns, wie durch Rhythmus eine immer neue Anpassung an das Hier und Jetzt erfolgt. Wie sensibel das Herz zum Beispiel auf Emotionen reagiert, spüren wir am beschleunigten Herzschlag bei Aufregung.

Gesünder Leben

So viel Kraft und Vitalität vom Herzen auch ausgehen mag, so ist es – und damit der Blutkreislauf – doch immer häufiger von krankhaften Veränderungen gekennzeichnet, vor allem bei der koronaren Herzkrankheit (kann zu Angina pectoris und Herzinfarkt oder zu Herzschwäche führen). Noch häufiger tritt hoher Blutdruck (Hypertonie) auf: In Deutschland hat fast jeder Zweite Bluthochdruck, mancher sogar, ohne es zu wissen. Dabei könnten gerade Herz-Kreislauf- Erkrankungen von den Betroffenen sehr gut beeinflusst werden. Auf fünf Punkte kommt es dabei besonders an:

  1. Verzicht aufs Rauchen
  2. gesunde Ernährung
  3. regelmäßige Bewegung
  4. Entspannung und Stressbewältigung
  5. die Bereitschaft, sich mit Krisen und Belastungen des Lebens (Stichwort Biografiearbeit) auseinanderzusetzen.
    Außerdem werden in der Anthroposophischen Medizin zusätzlich natürliche Arzneimittel und besondere Therapien wie zum Beispiel die Heileurythmie erfolgreich eingesetzt. Darüber hinaus wird gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein bewusst rhythmisch gegliederter Alltag mit ausgewogenen Phasen von An- und Entspannung empfohlen.


Individuell Behandeln

Gesünder leben – das hört sich leichter an, als es tatsächlich ist. Man nehme das Beispiel Bluthochdruck: Je nach seelischer und körperlicher Konstitution gibt es ganz individuelle Ursachenkombinationen, sodass auch möglichst individuell behandelt werden sollte. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der Anthroposophischen Medizin ein neues Therapiekonzept für drei Bluthochdrucktypen entwickelt: Der nervöse "Stress-Typ" ist psychosomatisch dünnhäutig und nimmt sich Belastungen sehr zu Herzen. Der "Bauch-Typ" kompensiert seelischen Druck eher durch Gewichtszunahme. Beim "Chaos-Typ", der mit dem Burn-out zusammenhängt, spielt der verlorene Rhythmus die zentrale Rolle. Für diese unterschiedlichen Typen wurde ein differenziertes Behandlungskonzept entwickelt: Stabilität für den Stress-Typ, Anregung für den Bauch-Typ und rhythmischer Ausgleich für den Chaos-Typ. Dementsprechend unterscheiden sich die Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise in Hinblick auf Bewegung, Ernährung sowie Körper- und Seelenpflege. Allen gemeinsam ist jedoch das Ziel, bestehende Einseitigkeiten auszugleichen und damit sowohl den Blutdruck zu senken als auch die Lebensqualität zu steigern.

››› Dr. med. Thomas Breitkreuz (Paracelsus-Krankenhaus Unterlengen hardt), Facharzt für Innere Medizin, in Zusammenarbeit mit Annette Bopp Autor des Buches "Bluthochdruck senken: Das 3-Typen- Konzept"

"Anthroposophie" heißt wörtlich "Mensch" (anthropos) und "Weisheit" (sophia). Dieser Ansatz geht auf Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück, der die Anthroposophische Medizin zusammen mit Dr. Ita Wegman (1876 – 1943) entwickelte. Das umfassende Menschenbild, das der Anthroposophischen Medizin zugrunde liegt, ermöglicht es dem Arzt, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele besser zu verstehen. Dabei unterscheidet die Anthroposophische Medizin zwischen Körper (physischer Leib), Lebensorganisation (Ätherleib), Seelenorganisation (Astralleib) und Ich-Organisation (geistige Individualität). Wichtig ist, dass sich die Anthroposophische Medizin nicht als Alternative, sondern als Ergänzung und Erweiterung zur konventionellen Medizin versteht. Sie wird heute sowohl ambulant als auch stationär praktiziert und forschend weiterentwickelt. Seit 1976 ist die Anthroposophische Medizin in Deutschland gesetzlich verankert und anerkannt.