Nicht Bio? Nicht fair? Nicht vegan!

Es ist immer wieder eine hitzige Diskussion um die Definition von vegan.

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Ja, rein technisch gesehen (darüber schrieb ich bereits in der Februar-Kolumne) sind Kunstlederschuhe aus an Sklaverei grenzenden Verhältnissen in Bangladesch oder Gen-Mais aus konventioneller Landwirtschaft vegan. Mein Ansatz ist anders.

Lifestyle-Veganismus hat viel von der ursprünglichen Idee verloren. Denn in erster Linie geht es dabei um vegane Ernährung und damit um die eigene Gesundheit; also weniger um altruistische Motive als vielmehr darum, etwas für sich selbst zu tun. Das ist per se nicht schlecht und hat viel dazu beigetragen, dass es immer mehr Menschen und Organisationen gibt, die sich mit dem Thema Vegan befassen. Aber es ist nur ein Anfang.

Denn: Veganismus ist mehr als Lifestyle. Veganismus bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Ja, auch für den eigenen Körper. Aber nicht nur und vor allem nicht als primäres Motiv.
Der Begriff vegan wurde in den 1940er-Jahren geprägt und leitete sich aus den ersten und letzten Lettern des englischen Worts "vegetarian" (Vegatarier / vegetarisch) ab. Donald Watson, einer der Mitbegründer der Vegan Society und des Begriffs, sagte dazu sinngemäß, Veganismus markiere den Anfang und das Ende von Vegetarismus.

Etwas später wurde der Begriff von der Vegan Society neu und noch treffender definiert: als Philosophie, die nicht nur die Ausbeutung von und Grausamkeiten an Tieren verhindere, sondern insgesamt wesentliche Beiträge zugunsten von Mensch, Tier und Umwelt liefere. Das ist für mich auch die Definition, die zugrunde gelegt werden muss, wenn man ­darüber diskutiert, ob etwas nun vegan ist oder nicht.
Wenn man den Begriff Mensch nicht nur mit Blick auf die eigene Gesundheit begreift: Ist es dann nicht offensichtlich, dass nur fair gehandelte Produkte vegan sein können? Wie kann man gleichzeitig Mitgefühl für Kühe, Schweine und Co. haben, aber nicht für nigerianische Kakaobauern, äthiopische Kaffeeröster oder indische Näherinnen?

Und wenn man vegan lebt oder sich vegan ernährt und dafür Umweltschutz als ein Motiv dafür nennt: Wie kann man dann Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die den Boden vernichtet, zum Bienensterben beiträgt und Umweltkatastrophen begünstigt, als vegan bezeichnen?

In letzter Zeit kam der Begriff "Vegan 2.0" auf, bei dem die Rückbesinnung auf gesunde und vollwertige vegane Ernährung ("Clean Eating") im Vordergrund steht. Bei allem Respekt für diese Entwicklung müssen wir aufpassen, dass vegan nicht zu sehr zu einem reinen Ernährungsstil verkommt.

Vielleicht ist es sogar schon Zeit für ein Update auf Vegan 3.0! Es wäre passend, denn Veganismus steht nun einmal auf drei Säulen und sollte immer vollständig an den Auswirkungen auf Tier, Mensch und Umwelt eingeordnet werden.

Fair und Bio. Ansonsten ist es nicht vegan.

››› Julian Stock (Alnatura Sortiments­management)