Die Waren kosten

In der Diskussion um einen nachhaltigen Lebensstil ist vor allem der Preis der Lebensmittel, Kleidung oder anderer Güter der zentrale Punkt.

Platzhalter

Kaum jemand könne es sich leisten, ganzheitlich nachhaltig zu leben, heißt es oft. Alles sei so teuer! Zum Teil halte ich das für einen subjektiven Eindruck. Mittlerweile ist Bio nicht nur fast überall verfügbar, auch sind viele Artikel günstiger geworden und heute nicht teurer als Markenprodukte konventionellen Ursprungs.

Weiterhin gibt es auch im Bio-Bereich heute Marken im unteren Preissegment, die sich die meisten Menschen leisten könnten. Die Zeiten, in denen Bio-Produkte ausschließlich zu ungleich höheren Preisen angeboten wurden, sind eigentlich vorbei. Das ist grundsätzlich auch gut so! Denn trotz der guten Entwicklung und weiterhin guten Aussichten sollten wir nicht vergessen, dass der Bio-Anteil im deutschen Lebensmittelmarkt mit nur ungefähr fünf Prozent jämmerlich ist und es noch viel mehr preislich attraktive Produkte braucht, um mehr Menschen zu erreichen und eine wirkliche Wende zu schaffen!

Allerdings wächst auch der Preisdruck auf die Bio-Anbieter stetig. Problematisch ist hier, dass der Preisvergleich "Bio-Produkt gegen konventionell" hinkt, denn hinter den zwei Zahlen verstecken sich zwei völlig verschiedene Geschichten. Die Bio-Geschichte ist eine ganze Story mit Anfang und Ende, während die konventionelle nur einen Ausschnitt zeigt, eine herausgerissene positive Episode aus einem tragisch endenden Drama.

Die tatsächlich anfallenden vollständigen Kosten werden bei konventionellen Produkten nämlich nicht eingerechnet, denn sie entstehen mitunter erst nachgelagert oder jemand anders trägt sie anstelle des Käufers. Mögliche Folgen der nicht ökologischen Landwirtschaft auf die Böden, die Tierwelt oder unsere Gesundheit werden durch internationale Lebensmittelkonzerne nicht einkalkuliert, denn hier zählen Aktienkurs und kurzfristige Profite, nicht die Nachhaltigkeit in ökologischer, sozialer und ökonomischer Dimension, die für die meisten Bio-Unternehmen Grundlage allen Handelns ist. Wenn Sie Produkte aus nicht nachhaltiger Erzeugung kaufen, bezahlen demnach die verschmutzte Umwelt oder Arbeiter mit ihrem Hungerlohn die Differenz zum fairen Preis für Sie. Das gilt für große Marken übrigens gleichermaßen wie für ein "Fast Fashion"-T-Shirt oder Schokolade vom Discounter. Nur zahlen Sie bei den Marken den Extrabonus für noch mehr Gewinn, von dem weder Näherinnen noch Bauern etwas sehen. Die Qualität des Produkts oder die ethischen Aspekte werden dadurch nicht besser.

Übrigens: Die nachhaltige Jeans von Nudie, die ich mir kürzlich gekauft habe, war trotz Bio-Baumwolle und fairer Bezahlung nicht teurer als die Alternative der nicht nachhaltigen Marke, die im Laden daneben hing. Ich habe hier also nicht einmal mehr bezahlt als sonst und trotzdem dafür gesorgt, dass ein Teil des Preises an die richtige Adresse gegangen ist.

Bio-Produkte, zertifizierte Kleidung und andere nachhaltige Artikel mögen also mal etwas teurer sein, mal kosten sie das Gleiche. Sinnvoll investiert ist das Geld immer. Und die Menschen, Tiere und Pflanzen entlang der Wertschöpfungskette werden Ihnen diese Investition danken.

››› Julian Stock, Sortimentsmanager bei Alnatura. E-Mail an Julian Stock senden