Serie "Über den Tellerrand kochen"

Was haben wir Menschen auf der Erde gemeinsam, egal welcher Religion, Kultur oder Nation wir angehören? Wir müssen essen und trinken. Was uns schmeckt und wie wir es zubereiten, unterscheidet uns, aber es kann uns auch verbinden, wenn wir miteinander teilen. Im Alnatura Magazin zeigen wir jeden Monat ein Rezept von geflüchteten Menschen, das sie gemeinsam mit ihren deutschen Freunden für uns kochen.

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An einem Samstagnachmittag treffen wir uns in der Eppendorfer Alnatura Filiale, hier herrscht Hochbetrieb. Mit zwei Einkaufslisten schieben wir unsere zwei Einkaufswagen durch die Gänge und füllen sie mit Auberginen, Bulgur, Gewürzen und den vielen weiteren Zutaten, bis die Wagen voll sind. Schließlich wollen wir mit mehr als 20 Personen kochen. Schnell haben wir alles, was wir brauchen. Man merkt gleich, hier ist ein gut eingespieltes Team am Werk. Die Kunden hinter uns seufzen mit Blick auf unsere ­Wagen, wir sind deshalb froh, dass die Kollegen von Alnatura gleich eine weitere Kasse aufgemacht haben. Als die Einkäufe im Auto verstaut sind, verabschieden wir uns für den nächsten Tag, an dem wir kochen wollen, und ich freue mich schon sehr darauf.

Treffpunkt ist 12:30 Uhr in der veganen Kochschule Kurkuma. Die Inhaber unterstützen den Verein für das Event gerne und haben ihre Küche zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung: Es kommen nur pflanzliche Zutaten in die Küche. Die Tellerrand-Crew hat schon alles perfekt vorbereitet: Für die fünf unterschiedlichen Gerichte, die wir heute zusammen kochen, stehen an verschiedenen Stationen Zutaten und Rezepte für die einzelnen Teams bereit. Jeder bekommt eine Schürze mit Namensschildchen, dann kann es losgehen.

Unter den syrischen Geflüchteten sind fast alle Generationen vertreten, die Tellerrand-Crew ist weiblich und jung. Mit dabei sind Farhad Hussein und Ali Abdukerim, sie sind vor anderthalb Jahren aus Aleppo nach Hamburg gekommen. Farhad war in einer Notunterkunft in Bergedorf untergebracht, wo Mandy Müller anbot, man könnte doch einmal zusammen kochen. Das war noch bevor es den Tellerrand-Verein gab. Begeistert sagte er "Ja" und mobilisierte auch gleich eine große Gruppe, die er mitbrachte. Mandy und Farhad sind sich wirklich ähnlich: Beide erzählen und lachen viel, haben eine herzliche, aufgeschlossene Art. Man trifft sich schon lange nicht mehr nur zum Kochen, das war ein Impulsgeber. Jetzt machen sie auch Sport oder Musik zusammen und man hilft sich: Farhad hilft Ali beim Deutschlernen, Ali bringt Farhad das Saz-Spielen bei (Langhalslaute), Mandy hat Farhad dabei unterstützt, eine Wohnung zu finden. Und auch Lisa Niemeyer und Yvonne Lambach haben sich schon lange vor dem Tellerrand engagiert, zum Beispiel bei einem großen Solidaritätsfest namens "Karo hilft". Was für die Teilnehmer das Schönste an Tellerrand ist? "So hatte ich endlich die Möglichkeit, Deutsche kennenzulernen! Das ist nicht nur wichtig, um die Sprache zu lernen, sondern vor allem, um anzukommen", antwortet Farhad. Helfen würde dabei auch, wenn er wieder als Tischler arbeiten könnte – ein Beruf, den er seit zwölf Jahren ausübt und hier gerade anerkennen lassen will. Was ihnen wichtig ist? "Wir freuen uns sehr über neue Leute, die mitmachen wollen", antwortet Yvonne. Und Farhad bekräftigt lächelnd: "Macht euch keine Sorgen, ob ihr kochen könnt oder wie das mit der Sprache klappt. Das geht alles schon irgendwie! Macht einfach mit".

››› Gabriele Storm