01.02.2017

Serie "Über den Tellerrand kochen"

Was haben wir Menschen auf der Erde gemeinsam, egal welcher Religion, Kultur oder Nation wir angehören? Wir müssen essen und trinken. Was uns schmeckt und wie wir es zubereiten, unterscheidet uns, aber es kann uns auch verbinden, wenn wir miteinander teilen. Im Alnatura Magazin zeigen wir jeden Monat ein Rezept von geflüchteten Menschen, das sie gemeinsam mit ihren deutschen Freunden für uns kochen.

Über den Tellerrand kochen in Düsseldorf

Treffpunkt ist der Alnatura Super Natur Markt in Düsseldorf-Gerresheim. Dort wollen wir alles für Evas kongolesisches Gericht "Moambe" einkaufen: drei Hähnchen, Muskatnuss, Lorbeerblätter, Salz und Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, rote Paprika, Tomatenmark und als Beilage Langkornreis. Für alle, die kein Fleisch mögen, gibt es noch Gemüse. Als Dessert haben wir einen frischen Obstsalat geplant.

Eva und Maren kennen sich noch nicht sehr lange. Freundlich und vorsichtig gehen sie miteinander um, die Sprache legt ihnen so manche Steine in den Weg, geduldig räumen sie alle weg. So braucht es Zeit, den Wagen mit den Zutaten zu füllen. Entschleunigtes Einkaufen sozusagen.

Mit unseren vollen Taschen geht es dann zum Deutschen Roten Kreuz, dort hat der Verein "Über den Tellerrand kochen" in Düsseldorf eine zweite Küche gefunden. Voll ausgestattet, riesig groß und nebendran gibt es einen großen Raum mit Tischen und Stühlen für rund 20 Gäste. Während wir auspacken, trudeln die ersten Kochteilnehmer und Gäste ein: Mohamad, Tamara, Hinda, Samam, Adriane, Valerie, weitere folgen. In der Küche hat schnell jeder etwas zu tun, Eva gibt die Anweisungen: "Zwiebeln halbieren und in Scheiben schneiden!", "Wo sind die Tomaten?", "Hier, schneide mal die Paprika!", "Der Reis muss schon mal gekocht werden." und so geht es weiter, bis jeder vor seinem Brettchen schneidet, was geschnitten werden muss. Um die Hähnchen kümmert sich Eva höchstpersönlich, und wenn zerteilt wird, ist der Anblick nichts für Zartbesaitete. Jetzt kann alles ein bisschen köcheln, wir haben Zeit zu reden.

Über den Tellerrand kochen in Düsseldorf

Eva und Maren haben sich beim letzten Kochen kennengelernt, dieses ist das zweite gemeinsame Kochen. Maren hatte vor einem Jahr auf Youtube eine Reihe Videos über den Verein Tellerrand in Berlin gesehen. Sie war begeistert von der Idee: Mithilfe der Berliner gründete Maren die Düsseldorfer Gruppe. Seitdem treffen sich circa 10 bis 15 Ehrenamtliche und Geflüchtete, um zusammen zu kochen, das letzte Mal syrisch, heute kongolesich. Eva spricht Französisch, aber kaum Englisch, ich Englisch, aber nur schlecht Französisch – zum Glück übersetzt Französin Adriane für uns. Eva kommt ursprünglich aus dem Kongo. Dort studierte sie Soziologie, konnte das Studium aber nicht beenden. Eva ist jetzt seit drei Jahren in Deutschland. Ihre ersten Eindrücke? Sie war froh, den Krieg, die ständige Angst hinter sich lassen zu können. Endlich in Sicherheit zu sein. Kulinarisch war der Unterschied jedoch nicht so extrem. Deutsche Küche? "Also eigentlich ist die wie im Kongo", sagt Eva, "gar nicht so unterschiedlich." Das Kochen hier mit Tellerrand macht ihr Spaß, sagt sie. "Man muss immer offen sein, um neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden", fügt sie lächelnd hinzu.

Aber jetzt muss Eva wieder an die Hähnchenteile, die unter lautem gefährlichen Fettgespritze gebraten werden. Bei diesem Arbeitsschritt am besten einen Spritzschutz für die Pfanne verwenden. Sind die Hähnchen goldbraun gebraten, kommen sie zusammen mit dem Gemüse wieder in den Topf und köcheln weiter vor sich hin. Zeit, den Tisch zu decken und kurze Zeit später auf afrikanische Art zu genießen: ein köstliches Moambe und vor allem geselliges Zusammensein.

››› Gabriele Storm

Über den Tellerrand wurde im Oktober 2013 gegründet im Glauben an eine Welt, die bestimmt wird von sozialem Zusammenhalt, gegenseitigem Respekt und Offenheit gegenüber Vielfalt. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Miteinander zu ermöglichen. Wie wir das tun? In erster Linie mit gemeinsamem Kochen und Begegnungen auf Augenhöhe. Wir schärfen bei Menschen mit und ohne Fluchterfahrung das Bewusstsein für Gestaltungsmöglichkeiten in der Gesellschaft, greifen beim Aufbau interkultureller Communities unter die Arme und schaffen belastbare, nachhaltige Netzwerke zwischen Engagierten. Inzwischen umfasst unser Netzwerk ca. 1.500 engagierte Menschen in 25 Städten.