Vegan = vegan?

Jeder erkennt wohl den formalen Fehler in der Gleichung "vegan = gesund?" – so lautete die Überschrift der Januar-Kolumne. Aber vegan soll nicht gleich vegan sein? Es liest sich doch wie ein und dasselbe! Man muss schon etwas genauer hinsehen, um die feinen Unterschiede festzustellen.

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Und genau das möchte ich mit Ihnen jetzt gerne tun. Als vegan bezeichnet man Lebensmittel, Kleidungsstücke, Kosmetika und andere Produkte, die komplett frei von tierischen Bestandteilen sind und nicht an Tieren getestet wurden: Schokolade ohne Milch, Fruchtgummis ohne Gelatine, Wein ohne Klärung mit tierischem Eiweiß, Hautcremes ohne Wollwachs und Tierversuche, Kleidung ohne Seide, Leder oder Schafwolle. So weit, so gut.

Das Attribut vegan sagt dementsprechend nur aus, ob das jeweilige Produkt tierische Bestandteile enthält oder mit tierischen Bestandteilen hergestellt wurde. Ob die Bedingungen dafür fair, nachhaltig oder umweltbewusst sind, hat keinen Einfluss auf das oft große Vegan-Label. Mit dem riesigen Hype, der um Veganismus (eher: vegane Ernährung) gemacht wird, schießen die Anbieter veganer Produkte derzeit aus dem Boden wie Blümchen im nahenden Frühling. Aber damit auch eine große Herde schwarzer Schafe und das ursprüngliche Motiv der veganen Bewegung verblasst immer mehr.

Stellen Sie sich vor: Ein Schokoriegel-Hersteller produziert vegane Riegel irgendwo auf der anderen Seite der Welt. Die Zutaten stammen aus nicht-ökologischer Landwirtschaft, enthalten genetisch veränderte Zutaten und landen als neuster Schrei in den Regalen des Supermarkts um die Ecke. Theoretisch ist das vegan.

Ein weiteres, vielleicht vertrauteres Beispiel: Ein Bekleidungsunternehmen lässt Kunstlederschuhe in einer maroden Fabrik in Bangladesch herstellen, in der die Näherinnen für ihre 70-Stunden-Woche einen lächerlichen Lohn von deutlich unter 100 Euro im Monat erhalten. Auch das ist theoretisch vegan.

Oder: Ein im internationalen Vergleich kleiner, in Deutschland aber sehr großer Fleischkonzern, der täglich (!) um die 45.000 Schweine aus Massentierhaltung schlachtet, bringt Tofu-Würstchen auf den Markt. Vegan.

Vegan ist nicht immer gleich vegan. Lassen Sie uns also Produkten den Vorrang geben, die biologisch angebaut sowie nachhaltig und fair hergestellt wurden. Lassen Sie uns Unternehmen unterstützen, die mehr tun, als einen Trend aus rein wirtschaftlichen Gründen zu verfolgen.

Und die Moral von der Geschicht: Wenn, dann richtig! Vegan ist dann vegan, wenn wir alle es dazu machen. Wenn wir den ethischen und moralisch vertretbaren Charakter von Veganismus fördern. Jeder hat es in der Hand, denn bei jedem Kauf entscheiden am Ende nur Sie selbst, wen Sie unterstützen. Vegan bedeutet nicht nur, sinnvoll für Tiere zu handeln, sondern eben auch für Mensch und Erde.

››› Julian Stock (Alnatura Sortimentsmanagement)