Vegan = gesund?

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Vegan is(s)t überall, man kann sich dem Thema kaum noch entziehen. In den letzten Jahren hat sich aus dem veganen Lebensstil ein riesiger Ernährungstrend entwickelt. Von einem kleinen Epizentrum ausgehend hat das Thema Vegan ein unglaubliches Beben verursacht, das noch immer anhält und sich in der Zukunft sehr wahrscheinlich zu einem konstanten Brummen etablieren wird. Das kleine gallische Dorf der Veganer hat es tatsächlich geschafft, das große Römische Reich der Ernährung umzukrempeln!

Vegan ist trendy geworden. Warum? Öko ist nicht mehr uncool. Menschen, die sich für Umweltschutz und den maßvollen Umgang mit Ressourcen einsetzen, sind keine Spinner mehr, sondern Vorbilder. Veganismus geht oft einher mit den Ansichten der sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability, also Menschen mit einem an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientierten Lebensstil). Und diese Gruppe wird immer größer.

Vegan gilt als gesund und nachhaltig. Und das war vielleicht auch lange Zeit ohne große Einschränkung richtig. Aber mit dem Hype, der jetzt um vegane Ernährung gemacht wird, hat sich einiges geändert. Verpackte Fertiggerichte und stark verarbeitete Produkte haben sich auch hier fest etabliert. Mittlerweile muss man auch bei einer veganen Ernährung aufpassen, dass man nicht von Asterix zu Obelix wird!

Noch vor vier Jahren gab es in Perth (Australien), wo ich damals lebte und gerade Veganer geworden war, kein großes Angebot an veganen Ersatzprodukten. Vegane Ernährung bedeutete für mich also, die dritte Komponente auf dem Teller (das Fleisch) wegzulassen und dafür die Anteile an Gemüse und »Sättigungsbeilage« entsprechend zu erhöhen. Auf der Suche nach geschmacklicher Abwechslung fand ich die Vielfalt, die einem die bunte Welt von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Saaten im Rahmen einer veganen Ernährung bietet. Und damit war ich nicht nur sehr lecker, sondern wohl auch ziemlich gesund unterwegs.

Heute gibt es einen Haken: Es gibt vegane Fruchtgummis, Schokolade, Kekse, Chips, Burger, Pizza und fast alles, was das vegane Herz sonst noch begehrt. Pommes und Bier sind übrigens auch (meistens) vegan. Doch Junkfood bleibt Junkfood. Und jetzt?

Vegan oder nicht: Gesunde Ernährung erfordert mehr als ein Label. Sie erfordert die Auseinandersetzung mit Vitamin- und Mineralstoffquellen, aber auch mit der Verteilung der drei Makro-Nährstoffe Fette, Kohlenhydrate und Proteine im eigenen Speiseplan. Isolierte Bestandteile, wie zum Beispiel Weißmehl oder raffinierter Zucker, liegen ernährungstechnisch fast immer hinter ihren vollwertigen Geschwistern. Maß halten und die (richtigen) Kalorien im Auge behalten ist auch für Veganer wichtig.

Was ja nicht heißt, dass man sich nicht gelegentlich verwöhnen darf. Im Gegenteil: Genuss ist Trumpf und Balance der Joker, solange man den eigenen Ernährungshaushalt im Blick hat. Ich freue mich über die Vielfalt an veganen Alternativen. Die Produkte werden geschmacklich immer besser. Man kann ja an den anderen Tagen der Woche wieder etwas zurückschrauben. Dann gilt das gleiche Motto wie früher als Allesesser: Morgen fange ich an, etwas gesünder zu essen. Morgen!

››› Julian Stock (Alnatura Sortimentsmanagement)