Vegan 2.0

Was kommt nach der großen Welle? Vegan ist in aller Munde. Mittlerweile gibt es wohl mehr Flexitarier als Fleischesser und selbst Fleischproduzenten sind auf den Zug aufgesprungen, der Soja-Frikadellen und Seitan-Würstchen geladen hat.

Platzhalter

Auch wenn Tofu und Seitan entgegen der Meinung mancher keine Trendprodukte sind, sondern jahrhundertelange Tradition genießen, gab es vor allem in den letzten Jahren eine deutliche Entwicklung: Die Zahl veganer Produkte im Kühlregal hat sich vervielfacht, sodass man praktisch eins zu eins sein Fleisch durch ein entsprechendes veganes Produkt substituieren kann.

Es wird schnell vermutet, dass das per se nicht gesund und auch nicht wirklich umweltschonend sein kann. Und ebenso fix untermauert der moralische Zeigefinger so mancher Fleisch-Verteidiger das geäußerte Unverständnis: "Vegan, schön und gut, aber das ganze Getöse um vegane Ersatzprodukte ist total daneben!" So oder so ähnlich hat es wohl jeder Veganer schon aus verschiedenen Richtungen gehört.

Aber halt! Das Wasser auf die Mühlen der Fleisch-Fanatiker versiegt schnell, wenn man sich die Ökobilanzen von Soja-"Milch", Tofu und Co. ansieht. Diese Produkte stehen da immer noch um ein Vielfaches besser da als die tierischen Vorbilder, mal ganz abgesehen vom Tierwohlaspekt, den man schlicht leugnen muss, wenn man das gleichsetzt.

Mindestens bleibt sogenanntes Convenience Food, also Fertigprodukte, am Ende Convenience, ob tierisch oder pflanz­lich. Daher sollte man einfach respektieren, dass es auch bei Veganern mal schnell gehen darf, ohne dabei auf Geschmack zu verzichten. Ein Döner Kebab kann ein Highlight sein, auch für uns Veganer! Die wenigsten geben Fleisch auf, weil es ihnen nicht mehr schmeckt.

Trotzdem: Nach der großen Entwicklung im Kühlregal ist der Folgetrend bereits in Sicht und sogar über alle Ernährungsformen hinweg spürbar: Clean Eating, wörtlich übersetzt sauberes Essen, kommt ganz groß zurück. Allerdings diesmal nicht aus der (vermeintlich!) schnöden Vollkorn-Ecke, sondern mit klarem Anspruch auf Genuss ohne Verzicht. Zusätzlich zu den Wünschen nach Gesundheit und Umweltschutz sowie vereinbar mit den ethischen Grundsätzen.

Handwerkliche Zubereitung aus vollwertigen und hochwertigen Zutaten, eine tatsächlich gesunde Ernährung und das Maximieren der Ökobilanz durch regionale, unverarbeitete und möglichst wenig verpackte Zutaten ist eine Kunst, die das Zeug für ein neues Verständnis von Premium hat. Die ersten Clean-Eating-Restaurants in den Metropolen zeigen, wie es geht.

Hinsichtlich Verpackung, Verarbeitungsgrad und Länge der Zutatenliste ist hier Geiz nämlich tatsächlich geil, und wer das immer noch als uncool abtut, hat klar verschlafen. Verantwortung übernehmen ist angesagt, gedankenloses Konsumieren ist raus, egal in welchem Bereich.

Dass es trotzdem ab und zu mal schnell gehen muss und dafür einfach eine Packung aufgerissen oder am Bahnhof ein fertiger Salat mitgenommen wird, ist wohl kaum zu vermeiden. Aber dann wenigstens die fleischlose Alternative mit geringerer Auswirkung auf die Umwelt und klarem Blick auf das Tierwohl.

››› Julian Stock (Alnatura Sortiments­managements)