Gut gemacht oder nur gut gemeint?

Die fehlende Verbindung zwischen Denken und Handeln.

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"Klar bin ich Umweltschützer!" oder "Tierwohl ist mir wirklich wichtig!" sind oft gehörte und schnell ausgesprochene Positionen. Sind wir nicht alle ein bisschen öko? Oder wollen wir es nicht zumindest sein? Ist ja auch voll im Trend!

Ich selbst habe mich lange Zeit für einen Umwelt- und Tierschützer gehalten, obwohl ich überall mit dem Auto hinfuhr und mit vegetarischer (geschweige denn veganer!) Pizza rein gar nichts anfangen konnte. Bis Ende 20 war ich ­eigentlich ein versteckter Umweltsünder. Ich kann es ­daher verstehen, wenn andere auch derartigen Trugschlüssen unterliegen.

Deshalb ist dieser Artikel bitte nicht wie ein erhobener Zeigefinger zu verstehen, sondern besser wie eine ausgestreckte Hand: Denn oft ist man sich einfach nicht bewusst, wie sehr das tatsächliche Handeln von den guten Absichten abweicht. Die Frage ist nur, wie man mit den gewonnenen Informationen umgeht, wenn man sie erst einmal hat.

Vor Kurzem saß ich nach einer Radtour mit meiner Frau in einer Wanderhütte und wir teilten uns den Tisch mit zwei älteren Pärchen, die sich über Ernährung unterhielten. Einer der Herren positionierte sich klar zum Thema Tierwohl und dass man Quälerei ja nicht unterstützen wolle. Es herrschte Zustimmung am Tisch. Währenddessen labten sich die Senioren fleißig am hessischen Kochkäse und dem Fleisch von der Vesperplatte – die Speisen kamen offensichtlich weder aus ökologischer Erzeugung noch von artgerecht gehaltenen Tieren.

Ich glaube, vielen geht es so. Wir haben die Verbindung verloren! Strom kommt aus der Steckdose, Wasser aus dem Hahn und Fleisch wächst im Kühlregal. Irgendwas war da doch mit Tierversuchen der Pharmaindustrie, Massentierhaltung der Fleischkonzerne und Bodenvernichtung durch die konventionelle Landwirtschaft. Aber das hat doch mit der unschuldigen Bärchenwurst und meinen Maischips vom Supermarkt um die Ecke nichts zu tun! Oder? Lieber nicht drüber nachdenken …

Irgendwann funktioniert das nicht mehr. Wenn die Erzeugungsmethoden unseres Essens auf den Verpackungen abgebildet werden müssten, würden viele Leute schnell vegan werden und hundert Prozent bio kaufen, die jetzt einfach nicht wissen (wollen), wie sehr sie tagtäglich zu dem beitragen, was sie doch eigentlich ablehnen.

Ja – das erfordert einen besonderen Einsatz. Ja – man muss sich anfangs etwas umstellen. Aber eigentlich ist es gar nicht so schwer. Und es geht hier nicht dogmatisch nur um Veganismus. "Go vegan!" ("Werde vegan!") sagen viele. Das finde ich persönlich gut. Noch besser finde ich: "Go something!", sprich: Trage überhaupt etwas dazu bei, dass die zu Beginn genannten Äußerungen keine leeren Worte bleiben. Vegan werden ist eine Art, die direkt sehr große Auswirkungen auf die Umwelt und die Tiere hat. Aber jeder kann sich Gedanken machen, wo er und sie etwas leisten kann. Aber etwas ("something") sollte es zumindest sein!

Manche sparen täglich enorm viel Wasser, konsumieren einfach insgesamt wenig oder helfen anderen dabei, sich in diesen Themen weiterzuentwickeln. Wenn man ehrlich ist, weiß man, wo das Potenzial liegt. Könnte, wollte, sollte … Machen! Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Go something!

››› Julian Stock (Alnatura Sortiments­managements)