Urbanes Ernten

Andernach ist Deutschlands erste „essbare Stadt“

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Urbanes Gärtnern ist längst keine Nische mehr. Kaum eine deutsche Stadt, in der dieser Trend noch nicht angekommen ist. Doch wo in anderen Städten Bürger um öffentliche Flächen kämpfen, um in der Stadt Gemüse anzubauen, oder dies auf wenigen bereitgestellten Flächen tun können, geht Andernach, eine mittelgroße Stadt am Mittelrhein, andere Wege. Alles begann im Jahr 2010 mit einer kleinen Idee: Öffentliche Grünanlagen sind für alle da. Warum diese also nur als Fläche der Kommune sehen und nicht als Aktionsraum für die Bürger? Warum sollen nicht Nutzpflanzen in der Stadt sprießen? "Ja, warum denn eigentlich nicht?", fragte sich auch die Stadtspitze und hat das städtische Grün offiziell zum Gemüsebeet umfunktioniert. Statt Tagetes wachsen Tomaten, statt Stiefmütterchen wächst Staudensellerie.

Mit seinem Projekt "Essbare Stadt" macht Andernach aus seinen Parkanlagen begehbare Gärten und ergänzt die gewohnten Grünflächen durch ebenso leckere wie dekorative Gemüsearten. Mittlerweile ist aus der kleinen Idee ein großer Erfolg geworden. "Anfangs herrschte in Andernach natürlich auch Skepsis", erzählt Oberbürgermeister Achim Hütten. "Doch relativ schnell wandelte sich die Stimmungslage hin zum absolut Positiven. Vor allem, weil jetzt Bereiche der Stadt, die früher weniger attraktiv waren, aufgewertet worden sind. Uns geht es darum, Blühräume für Pflanzen, Tiere und vor allem auch für die Menschen zu schaffen, in denen sie sich wohlfühlen und entfalten – eben aufblühen können. Die ›essbare Stadt‹ ist wirklich zu einem gesamtstädtischen Konzept geworden, das Menschen jeden Alters und aus allen Bevölkerungsschichten anspricht und mitnimmt." Andernach geht mit dem Konzept der "essbaren Stadt" neue Wege und motiviert die Bürger, sich für den Lebensraum in der eigenen Stadt einzusetzen. Die neu gestalteten städtischen Grünflächen sollen ökologische, ökonomische und auch ästhetische Funktionen gleichermaßen erfüllen. Erklärtes Ziel der Umgestaltungen ist es, die städtischen Grünflächen erlebbarer zu machen, und zwar nicht nur für die Augen, sondern auch für Nase und Mund.