Martin Gropius Bau Berlin

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zählt zu den wichtigsten Adressen für Fotografie.

Ausstellungen zur Fotografie zählen seit 2001 zu den wichtigen Säulen im Programm des Martin-Gropius-Baus. Sensationelle Schauen wie "Ägyptens versunkene Schätze" (2006), "Rebecca Horn – Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme 1964 – 2006" (2006), "Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig" (2008), "Modell Bauhaus" (2009), die großen Publikumsmagneten 2010 "Frida Kahlo – Retrospektive" und "Olafur Eliasson: Innen Stadt Außen" sowie die international viel beachteten Ausstellungen "Hokusai-Retrospektive" (2011) und "Mythos Olympia – Kult und Spiele in der Antike" (2012) haben den Martin-Gropius-Bau zu einem der führenden internationalen Ausstellungshäuser gemacht.

Aktuell wird vom 18. Januar bis zum 14. April im Martin-Gropius-Bau die Fotografin Margaret Bourke-White mit einer umfassenden Schau gewürdigt. Sie fotografierte immer an der vordersten Front des Zeitgeschehens. Ihre Aufnahmen zierten nicht zuletzt die Titelseiten des "LIFE magazine".

Das viel beachtete Haus zählt gleichzeitig auch zu den schönsten Ausstellungshäusern Europas. Es wurde 1881 von Heino Schmieden und Martin Gropius, dem Großonkel des Bauhausarchitekten Walter Gropius, im Renaissancestil erbaut. Mit seinen besonderen Ausstellungen zieht es jährlich mehr als eine halbe Million Besucher an.

Michael Schmidt. "Lebensmittel"

Michael Schmidt, 1945 in Berlin geboren, zählt zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart. Er war der erste deutsche Fotograf, dem das New Yorker Museum of Modern Art eine Einzelausstellung ausrichtete. Sein Werkblock "Waffenruhe" stand im Jahr 1988 im Mittelpunkt der New Yorker Schau.

Für das jüngste Langzeitprojekt fotografierte Schmidt in Lachsfarmen, Brotfabriken, Milchviehbetrieben, Schlachthöfen und Gemüseproduktionen. Dafür bereiste er in den Jahren 2006 bis 2010 den europäischen Kontinent und hielt die Produktion, Verarbeitung, Konfektionierung und Präsentation von Lebensmitteln fest. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt ab Januar 134 Bilder aus diesem Zyklus.

Ähnlich wie in der Serie "Irgendwo", für die Schmidt die süddeutsche Provinz bereiste und den "Verlust von Zuhause als Ort von Identität" (Schmidt) thematisierte, kommt es auch in den Bildern des Projektes "Lebensmittel" nicht auf den konkreten Ort der Aufnahme an: Der weitgehende Verlust des lokalen Bezugs der Produktion, Weiterverarbeitung und Konfektionierung von Lebensmitteln macht es für den Betrachter unmöglich zu entscheiden, ob sich zum Beispiel ein Schlachtbetrieb in Spanien, Frankreich oder England befindet.

Die Fotografien belegen im Gegensatz zu manchen älteren Serien des Künstlers keine Haltung von Wut oder Anklage. Vielmehr ist die Sichtweise Schmidts von äußerster Klarheit und Härte gekennzeichnet. Der Blick in die Brotkörbe, in die Käfige der norwegischen Fischfarmen oder italienischen Apfelwaschanlagen erinnert in seiner seriellen Analytik bisweilen an die sachliche Fotografie der 1920er-Jahre. Doch gerade der Widerspruch zwischen der latent optimistischen Haltung der klassischen Fotografen, die ihre Motive aus der industriellen Produktion in einer perfekten Ästhetik in Szene setzten, und der realistischen Sichtweise Schmidts hinterlässt bei der Gesamtschau auf das Projekt einen verstörenden Eindruck: Das Einzelbild fordert die sachliche Betrachtung, während die Serie durch ihre Komposition von Wiederholungen, Akzentuierungen und Taktungen sowie den vielfältigen Bezügen zwischen den Fotografien der scheinbar dominanten Sachlichkeit nachhaltig den Boden entzieht.

Die Fähigkeit von Michael Schmidt, scheinbar widersprüchliche Elemente in seiner Fotografie in eine gültige Form zu übersetzen, weist ihm eine herausragende Position in der aktuellen Fotografie zu. Während er mit seiner immer neuen Herangehensweise an fotografische und gesellschaftliche Fragestellungen eine herausragende Stellung einnimmt, ist er mit seinen innovativen, projekthaften Arbeiten und seinem extremen Engagement ein Vorbild für eine Generation jüngerer Fotografen.

››› Gastbeitrag Martin-Gropius-Bau Berlin

Michael Schmidt. "Lebensmittel"
12.1. – 1.4.2013
Martin-Gropius-Bau Berlin,
Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
Mi – Mo, 10 – 19 Uhr, Di geschlossen

Informationen zu allen Ausstellungen sowie Online-Tickets unter www.gropiusbau.de