Serie "Über den Tellerrand kochen"

Was haben wir Menschen auf der Erde gemeinsam, egal welcher Religion, Kultur oder Nation wir angehören? Wir müssen essen und trinken. Was uns schmeckt und wie wir es zubereiten, unterscheidet uns, aber es kann uns auch verbinden, wenn wir miteinander teilen. Im Alnatura Magazin zeigen wir jeden Monat ein Rezept von geflüchteten Menschen, das sie gemeinsam mit ihren deutschen Freunden für uns kochen.

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In München steht … die neue Küche der Volkshochschule München und dort kochen wir heute. Es gibt ein syrisches Reisgericht, Schakria Mansaf, und zum Nachtisch Baklava. Alex und Jasmin sind Ende 2015 zu der Münchner Gruppe gekommen und haben sie mitaufgebaut. Das junge Paar hatte den Wunsch, sich langfristig zu engagieren. "Wir sind mit unserem Leben sehr glücklich und wollten etwas für die Gesellschaft tun", erzählt Alex. Zu der Initiative "Über den Tellerrand kochen" kamen sie über Bekannte, und da sie beide gern kochen, haben sie sich dem Verein "Über den Tellerrand kochen" angeschlossen und kurzerhand den Standort in München mitaufgebaut. Ali und Omar kamen vor anderthalb Jahren aus Damaskus nach Deutschland. Omar hatte früher ein eigenes Restaurant, er ist ausgebildeter Koch. "Ich kenne viele Spezialitäten und weiß, was die Leute mögen", sagt er lächelnd. Und auch Ali kocht leidenschaftlich gern, zwei- bis dreimal am Tag. Aber nicht nur ihre Liebe zum Kochen hat sie zu den Tellerrand-Veranstaltungen geführt. "Ich finde es schön, neue Leute kennenzulernen, und dass Religion oder Herkunft hier gar keine Rolle spielen", sagt Ali über die Kochevents und berichtet, wie verloren er sich anfangs in Deutschland fühlte, in einer fremden Kultur, unter fremden Menschen und deren fremder Sprache. Die Treffen sind auch eine gute Gelegenheit, Deutsch zu lernen. "Sprache ist der Schlüssel zu allem", weiß Ali. Die beiden jungen Männer haben deshalb bereits in ihrer Unterkunft und noch vor dem offiziellen Sprachkurs angefangen, Vokabeln zu lernen. Neulich hat Omar sogar zum ersten Mal deutsch geträumt. "Die deutsche Sprache gefällt mir, sie ist wie Mathematik. Als ich schließlich die Grammatik kennengelernt habe, ist alles einfach geworden", berichtet Ali. Ob er die deutsche Küche denn auch schon kenne? Das verneint Ali und Jasmin wirft ein: "Dann müssen wir mal etwas Deutsches kochen! Spinatknödel mit Käse zum Beispiel." Das nächste Gericht für die Kochveranstaltung steht also. Und die langfristigen Pläne? Ali möchte gern einfach arbeiten und hier ein ganz normales Leben führen. Omars großer Traum ist ein eigenes syrisches Restaurant – oder zumindest wieder als Koch zu arbeiten. Wenn es dann auch das köstliche Schakria Mansaf gibt, bei dem auch die Mandeln frittiert werden und das Gericht zu einer warmen Joghurtsauce gereicht wird, hat er uns schon ­als erste Stammgäste.

››› Gabriele Storm