Serie "Über den Tellerrand kochen"

Was haben wir Menschen auf der Erde gemeinsam, egal welcher Religion, Kultur oder Nation wir angehören? Wir müssen essen und trinken. Was uns schmeckt und wie wir es zubereiten, unterscheidet uns, aber es kann uns auch verbinden, wenn wir miteinander teilen. Im Alnatura Magazin zeigen wir jeden Monat ein Rezept von geflüchteten Menschen, das sie gemeinsam mit ihren deutschen Freunden für uns kochen.

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Die Szenerie gleicht der eines romantischen Films: Wir finden uns an einem Tisch im idyllischen Gärtchen des Gemeindehauses der Mosaik-Kirche in Heidelberg-Handschuhsheim ein. Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne senkt sich gerade. So stellt man sich das in Heidelberg auch vor. Schließlich ist die Stadt als die romantischste in Deutschland bekannt. Ich treffe mich heute mit Bakary Banso aus Gambia und den Organisatoren von Über den Tellerrand in Heidelberg. Unter der Leitung von Anna Matzenauer, einer sehr engagierten Freiwilligen, und ihrem Team, das aus etwa zehn Personen besteht, werden im Rahmen der Initiative neben den Kochevents auch Kochkurse für Unternehmen veranstaltet. Darüber hinaus haben sich dank Tellerrand bereits ein Improtheater-Team und eine Laufgruppe gefunden. Auch der junge Afrikaner Bakary trainiert aktuell mit ein paar Freunden für den Heidelberger Marathon.

"Über den Tellerrand kochen" in Heidelberg

Heute bereiten wir Fish Pies zu. Das sind mit Thunfisch gefüllte Teigtaschen, die in Gambia vor allem an Events wie Geburtstagen oder Besuchen von Freunden zubereitet werden. Ich freue mich, denn gambisch habe ich noch nie gegessen. Wir sind eine bunt gemischte Truppe aus Deutschen und Geflüchteten aus Afghanistan, dem Irak, Gambia und Syrien.

Natalie Kobold, meine Ansprechpartnerin bei Tellerrand Heidelberg, berichtet, dass sie sich etwa im Abstand von drei Wochen üblicherweise im Gemeindehaus der Friedenskirche in Handschuhsheim zum Kochen treffen. Die meisten der Geflüchteten wohnen noch in den nahe gelegenen Flüchtlingsheimen. Einige wenige haben den Sprung in eine eigene Wohnung sowie einen Aushilfsjob schon geschafft.

"Über den Tellerrand kochen" in Heidelberg

Für die Fish Pies starten wir mit dem Teig, damit er aus­reichend Zeit zum Gehen hat. Dafür tun sich Evelyn und Modou zusammen. In einer Schüssel werden Mehl, Öl, Hefe und Wasser verknetet. Im Garten schnippeln die anderen bereits das Gemüse. Für die Füllung mischen wir Thunfisch, Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Zitronensaft. Am meisten Spaß haben wir beim "Falten" der Teigtaschen. Bakary macht es einmal vor – es sieht perfekt aus. Unsere Exemplare ähneln dann eher kleinen Teigbergen oder missratenen Ravioli. Nach einem kurzen Schmunzeln greift Bakary ein und gibt uns noch mal ein paar hilfreiche Tipps. Jetzt klappt es. Die Taschen wandern in den Ofen. In Gambia werden sie gerne frittiert.

Draußen am Tisch finden indes lebhafte Gespräche statt. Man merkt, dass die Motivation und Lebenslust der Organisatoren auf die Geflüchteten überschwappen. Es haben sich schon einige Freundschaften entwickelt. Dabei finde ich es bewundernswert, wie viel Freizeit sie hier investieren, um die ­Geflüchteten zu unterstützen. Aktuell engagieren sich Anna, Nathalie und Co. besonders bei Bewerbungen. Hier wird am meisten Unterstützung gebraucht.

Dann sind die Fish Pies fertig, ein guter Moment für ein Gruppenfoto. Doch es muss schnell gehen, denn es duftet schon wunderbar nach Frischgebackenem. Nach über zwei Stunden Kochen haben wir Hunger. An der Tafel erhalte ich Einblick in den Alltag der Geflüchteten. Einige halten sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Dabei sind die meisten gut ausgebildet. Man merkt, dass die Idylle und der Schutz der Stadt ihnen guttun – viele von ihnen fühlen sich nach ein oder zwei Jah­ren Aufenthalt einigermaßen angekommen. Trotzdem liegt noch ein steiniger Weg vor ihnen. Doch die Freiwilligen von Tellerrand unterstützen sie dabei, so gut sie können.