Mitarbeiter-Engagement für mehr Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz

Immer mehr Menschen wollen ihren nachhaltigen Lebensstil nicht auf die eigenen vier Wände beschränken, sondern sich auch in ihrem Arbeitsumfeld für umweltverträgliche Veränderungen engagieren. Wir stellen Ihnen einige Beispiele vor.

Platzhalter

Bio-Lebensmittel einkaufen, Ökostrom beziehen, E-Bike fahren – für immer mehr Menschen ist es wichtig, ihr Privatleben nachhaltig zu gestalten. Doch wie sieht es an Ihrem Arbeitsplatz aus? Gibt es in Ihrer Kantine Bio-Essen? Bezieht Ihr Unternehmen Ökostrom? Können Sie für kurze Dienstwege ein Firmenfahrrad nutzen? Nein? Ärgert Sie das? Haben Sie schon mal versucht, hier etwas zu ändern?

Immer mehr Menschen wollen ihren nachhaltigen Lebensstil nicht auf die eigenen vier Wände beschränken, sondern sich auch in ihrem Arbeitsumfeld für umweltverträgliche Veränderungen engagieren. Wissenschaftler des Fachbereichs Wirtschaft der Alanus Hochschule untersuchen derzeit in mehreren Forschungsprojekten, ob und wie privat motivierte Initiativen von Mitarbeitern zur ökologischen Umgestaltung von Unternehmen besser ermöglicht werden können. Dabei untersuchen sie einerseits größere Mitarbeiterinitiativen, die mit erheblichen Investitionen verbunden sein können. Zum Beispiel organisieren sich Mitarbeiter bei Unilever Heilbronn und bei VW Emden in Belegschafts-Energiegenossenschaften und errichten Fotovoltaikanlagen auf den Firmendächern. Andererseits werden auch kleinere Initiativen betrachtet, die sich von einzelnen Mitarbeitern mit wenig Aufwand gestalten lassen. Viele kleine ökologisch ausgerichtete Projekte am Arbeitsplatz fördern die Sichtbarkeit und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den Kollegen. So kann ein Schneeballeffekt entstehen, bei dem Mitarbeiter mittelfristig "von unten" zu einer Nachhaltigkeits-Transformation im Unternehmen beitragen. Einige Beispiele:

  • Energiesparen am Arbeitsplatz: Gönnen Sie Ihrem PC auch eine Mittagspause und schalten Sie den Ruhezustand ein, wenn Sie den Platz verlassen. Beispiele zeigen, dass durch kleine Maßnahmen am Arbeitsplatz 10 bis 20 Prozent Energie in Unternehmen eingespart werden können.

  • E-Bike statt Dienstwagen: Sie sind zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und man lockt Sie mit einem Dienstwagen, doch stattdessen wünschen Sie sich ein E-Bike oder eine BahnCard 100.

  • Foodsharing unter Kollegen: Der Kühlschrank zu Hause ist voll und Sie fahren über das Wochenende weg. Falls Sie keine Nachbarn haben, denen Sie die Lebensmittel weitergeben können, warum nicht einen Korb in der Kaffeeküche im Büro aufstellen, "zum Mitnehmen" für die Kollegen? Mitarbeiter des Fachbereichs Wirtschaft der Alanus Hochschule wollten Lebensmittel lieber teilen als wegwerfen und haben dafür eine Foodsharing-Kiste eingerichtet.

  • Veganes (Bio-)Essen in der Kantine: Vielleicht überzeugen Sie Ihre Kantine davon, einmal in der Woche auf vegetarisch, vegan und/oder bio umzusteigen, und zeigen Ihren Kollegen, wie lecker das schmeckt.

  • Mitarbeitergärten: Die GLS Bank bietet Honigbienen ein Zuhause auf ihrem Dachgarten, wo sie ein Mitarbeiter betreut, der privat Imker ist. Mitarbeiter der WBM Wohnungsbaugesellschaft Mitte in Berlin gestalten auf dem Unternehmensgelände sogar einen Gemeinschaftsgarten – eine Oase zum Essen, Erholen und Gärtnern. Die Gemüse-, Obst- und Kräuterernte kann von den Mitarbeitern gemeinsam in der Mittagspause zubereitet und verspeist werden.

Thomas Goldfuss

Natürlich bedarf es einer gewissen Portion Mut, wenn Mitarbeiter sich für solche Themen an ihrem Arbeitsplatz einbringen – denn oft wollen sie nicht als "Besserwisser" oder "Weltverbesserer" wahrgenommen werden. Ein guter Weg ist hier, andere mit ins Boot zu holen. Kennen Sie Kollegen, denen Nachhaltigkeit im Unternehmen auch ein Anliegen ist? Dann engagieren Sie sich doch gemeinsam für die Umsetzung. Kreative Ideen, gegenseitige Wertschätzung und Ermunterung sind wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Transformationsprozess. Manchmal ist man sogar überrascht, wie viele Kollegen und Führungskräfte, von denen man es gar nicht wusste, doch Interesse und Leidenschaft für Nachhaltigkeit entwickeln und eigene Ideen beisteuern.

In einigen Unternehmen gibt es zudem ein Vorschlagswesen, wie zum Beispiel den "grünen Briefkasten" bei der Firma WALA. Sprechen Sie den Betriebsrat an, welche Möglichkeiten es gibt, nachhaltige Initiativen einzubringen. Nutzen Sie Mitarbeiterversammlungen, um Ihre Idee vorzustellen. Durch die Beteiligung aller Mitarbeiter eines Unternehmens kommt eine Vielzahl verschiedenster, oft auch innovativer Ideen zusammen. Tragen Sie durch Ihre Ideen und Initiativen zur Ressourcenschonung und Energiewende in Ihrem Unternehmen bei. Wir wünschen Ihnen viel Freude und interessante Erfahrungen beim Ausprobieren!

››› Gastbeitrag Alanus Hochschule. Prof. Dr. Susanne Blazejewski, Anke Buhl, Franziska Dittmer (Lehrstuhl für nachhaltige Organisations- und Arbeitsplatzgestaltung) und Anna Rühmann sind an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft tätig. In den BMBF-Forschungsprojekten enEEbler und IMKoN forschen sie zur Frage, wie Mitarbeiter ihre nachhaltigen Ideen ins Unternehmen einbringen. Der Fachbereich Wirtschaft bietet den Bachelor-BWL-Studiengang "Wirtschaft neu denken" sowie einen berufsbegleitenden Master an.