Homöopathie

Homöopathische Ärzte werden häufig gefragt, wie eine Beratung und die Untersuchung in ihren Praxen ablaufen und inwieweit sie sich von der konventionellen Medizin unterscheiden.

Platzhalter

Als erstes wird die sogenannte "Erstanamnese" erhoben, die mindestens eine Stunde in Anspruch nimmt (Anamnese: Vorgeschichte einer Erkrankung). Hierbei werden alle Symptome (Beschwerden) des Patienten genau aufgenommen – von Kopf bis Fuß, psychische und körperliche. Zusätzlich werden Allgemeinsymptome wie Schlaf, Verdauung, Sexualleben, Essensvorlieben oder -abneigungen, vergangene Erkrankungen und Operationen, Schicksalsschläge sowie die Familienanamnese erhoben. Diese umfasst die (Vor-)Erkrankungen von Familienmitgliedern. Dann schließt sich eine körperliche Untersuchung an, die Patienten aus der konventionellen ­Medizin kennen. Kurz: Der homöopathische Arzt erfasst im Wortsinn die Gesamtheit der Symptome des Patienten, inklusive der konventionellen Diagnostik. Jedes Symptom wird dabei genau beleuchtet: Wann tritt es auf? Warum? Wo? Wie ist die Schmerzqualität? Gibt es Umstände, die es verbessern oder verschlechtern? Gibt es begleitende Symptome?

So verfahren homöopathische Ärzte mit allen Beschwerden, auch den möglicherweise nicht so präsenten. Mancher Patient gewöhnt sich beispielsweise an seine Rückenschmerzen so gut, dass er sie gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Die aufgenommenen Symptome werden sodann beurteilt, hierarchisiert und das dazu passende homöopathische Arzneimittel ­ermittelt. Welches Arzneimittel das ist, richtet sich nach dem Ähnlichkeitsprinzip: Der Patient wird jenes homöopathische Arzneimittel bekommen, das bei einem gesunden Menschen möglichst genau die Symptome auslöst, unter denen der Patient leidet. Mit diesem arzneilichen Impuls provoziert der homö­opathische Arzt eine (Gegen-)Reaktion des Organismus. Nicht das Medikament beseitigt die Symptome, sondern die Reaktion des Patienten darauf. Er bringt sich selbst zurück ins Gleichgewicht – zurück zur Gesundheit. Deshalb wird häufig gesagt, die Homöopathie aktiviere die Selbstheilungskräfte des Menschen.

So ergeben sich auch die Grenzen der Heilmethode: Eine Insulingabe oder eine Dialyse kann beispielsweise nicht durch die Homöopathie ersetzt werden, da bereits ein Organschaden besteht, der es dem Patienten unmöglich macht, sich selbst zurück ins gesundheitliche Gleichgewicht zu führen.

Repräsentative Studie: Homöopathie hilft mehr als 80 Prozent der Patienten Laut Allensbach (2014) haben bereits 60 Prozent der deutschen Bevölkerung die Homöopathie für sich genutzt. Doch wie zufrieden sind Patienten mit der Wirksamkeit der Homöopathie? Der Gesundheitsmonitor 2014, eine repräsentative Studie der Bertelsmann Stiftung, zeigt: Bei mehr als 80 Prozent der Patienten, die von homöopathischen Ärzten behandelt wurden, besserten sich das Allgemeinbefinden und die seelische Verfassung. Am deutlichsten gingen mit 85 Prozent die körperlichen Beschwerden zurück. Dabei gaben 43 Prozent der befragten ­Homöopathie-Patienten an, den homöopathischen Arzt wegen einer chronischen Erkrankung aufgesucht zu haben. Als häufigstes Motiv nannten sie, "dass anderswo keine Besserung erzielt worden war".

Selbstverständlich ist die ärztliche Homöopathie kein Allheilmittel. Doch sie ist ein geeignetes Mittel, um den medizinischen Herausforderungen in einer Gesellschaft mit immer mehr chronisch erkrankten und multimorbiden (multi­morbid: Es bestehen gleichzeitig mehrere Erkrankungen) Menschen wirkungsvoll zu begegnen.

››› Gastbeitrag Cornelia Bajic

Cornelia Bajic

Cornelia Bajic ist 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Sie arbeitet als homöopathische Ärztin, Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in Remscheid.

Mehr Interesse?

dzvhae.de Homöopathische Ärzte finden Sie in der "Arztsuche"

homoeopathie-online.info

  • "Kosten/Erstattung": Alles zur Kostenerstattung ärztlicher Homöopathie (s.u.)
  • "Bücher": Ratgeberliteratur zum Thema
  • "Zeitschrift": Zeitschrift des DZVhÄ

Kostenübernahme durch Krankenkassen?
Zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen erstatten ärztliche Homöopathie. Im Rahmen der sogenannten "Selektivverträge Klassische Homöopathie" hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) mit rund zwei Dritteln der Krankenkassen Verträge abgeschlossen, die den Patienten die Möglichkeit der homöopathischen Behandlung bei einem Vertragsarzt bieten. Voraussetzung dafür ist, dass Ihre Krankenkasse an einem der "Selektivverträge Klassische Homöopathie" des DZVhÄ teilnimmt und die Behandlung von einem teilnehmenden Vertragsarzt mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie (Ärztekammer) oder dem Homöopathie-Diplom des DZVhÄ durchgeführt wird. Info zu teilnehmenden Ärzten und Krankenkassen unter homoeopathie-online.info