Helfen? Eine verrückte Idee!

Martin Keune erzählt, wie es zur Gründung des gemeinnützigen Vereins Flüchtlingspaten Syrien e. V. kam, der syrische Familien zusammenführt und flächendeckend unterstützt.

Platzhalter

Martin … das machst Du nicht!" Es gibt Gedanken, die sind so verrückt, dass sie sogar alte Freunde gegen einen aufbringen können. Mein alter Freund und Anwalt Harald, den ich im Frühjahr auf einer Party traf, war jedenfalls alles andere als erbaut. Und es stimmte ja auch: Was ich vorhatte, kam mir selbst ziemlich verrückt vor – und hochriskant. Im Winter 2014 hatten meine Frau Tina und ich eine kleine Wohnung kostenlos syrischen Flüchtlingen überlassen, die von den überforderten Berliner Behörden in der Kälte stehen gelassen worden waren. Zwei erschöpfte, traurige Männer, voller Angst um ihre zurückgelassenen Familien. Sie hatten mich nach dem näheren Kennenlernen gefragt, ob ich nicht für ihren Vater Baderkhan (86) und ihre Mutter Khaji (71) eine Verpflichtungserklärung abgeben könnte.

Eine Verpflichtungserklärung? Landesaufnahmeprogramme der Bundesländer regelten, was das war. Ich hatte das Wort noch nie gehört. Aber je mehr ich darüber las, umso mulmiger wurde mir. Denn die Eltern "meiner" syrischen Flüchtlinge durften zwar nach Deutschland nachkommen –  im Flugzeug, mit Visum, nicht übers Mittelmeer –, aber nur, wenn jemand sich der Ausländerbehörde gegenüber verpflichtete, für fast alle Kosten aufzukommen, die sonst der Staat tragen würde. Und zwar unwiderruflich. Und unbefristet. Ich sollte dieser Jemand sein. Lebensunterhalt und Miete zahlen für zwei komplett Unbekannte – und das ein ganzes Leben lang? Mein Anwalt Harald hielt das für finanziellen Irrsinn.

Trotzdem ließ meine Frau und mich die Sache nicht los; die Bilder aus Syrien, die Toten im Mittelmeer verfolgten uns bis in den Schlaf. Zwölf Millionen Menschen waren innerhalb Syriens und in den Nachbarländern auf der Flucht – und was tat Europa? Stritt über viel zu kleine Kontingente, schottete sich ab. Unser Land machte dicht. – Wir überlegten. Was wäre denn, wenn wir nicht allein für die Kosten aufkämen, sondern die Last auf viele Schultern verteilten? Ich lernte andere Menschen kennen, die auf dem Weg waren, Verpflichtungsgeber zu werden – oder den folgenreichen Schritt schon hinter sich hatten. Den Anwalt Ulrich Karpenstein, seine Frau Tina Mede. Sie hatten fünf, sechs Freunde um sich geschart, um das Risiko zu verteilen. Fünf? Wir brauchten tausend! Tausend Leute, die mit kleinen, regelmäßigen Beträgen gemeinsam Geld zusammenbrachten. Geld, mit dem wir den Menschen, die wir aus Syrien retten würden, den Lebensunterhalt, die Miete zahlen konnten. Die wir nicht nur willkommen hießen in unserem Land, sondern nachhaltig unterstützten, bis sie aus eigener Kraft hier leben konnten.

Flüchtlingsankunft

Aus unserer Idee wurde ein gemeinnütziger Verein, die Flüchtlingspaten Syrien e. V.

Eine Website entstand, die Medien berichteten. Es gab fast keinen legalen Weg heraus aus Syrien, keine Möglichkeit, mit Visum nach Deutschland zu fliegen – außer der Familienzusammenführung, an der wir "Verrückten" arbeiteten. Die ersten Menschen überwiesen zehn Euro monatlich. Oder mehr. Im Mai hatte ich in der Ausländerbehörde meine Verpflichtungserklärung unterschrieben. Mit weichen Knien und zitternder Hand – und dem sicheren Wissen, dass ich mit dem Wunsch zu helfen nicht allein war.

Anfang August sind Baderkhan und Khaji in Berlin angekommen. Erschöpft von den Strapazen der Flucht, geschwächt vom Durchhalten im Krieg, aber überglücklich über das Wiedersehen mit Kindern und Enkeln. Wir Flüchtlingspaten, längst mehr als 30 Verpflichtungsgeberinnen und -geber wie ich, wir haben die Tickets bezahlt, eine Wohnung gemietet, diese mit Spendenmöbeln möbliert. Wir geben mit 50 Ehrenamtlichen täglichen Deutschunterricht und zahlen den Lebensunterhalt mit dem Geld von weit über tausend monatlichen Patenschaften. Den beiden Alten und 60 weiteren Menschen, die wir aus dem Krieg gerettet haben und die schon hier sind oder auf dem Weg hierher. Noch einigen mehr, wenn sich weitere Paten finden, die uns eine Weile ab zehn Euro im Monat unterstützen. Mein Anwalt Harald gehört übrigens auch längst dazu. Und ist heilfroh, dass ich seinem Rat damals nicht gefolgt bin!

Ein Happy End?

Ja, für die Menschen, die wir aus Syrien retten konnten. Doch die Landesaufnahmeprogramme sind in manchen Bundesländern schon abgeschafft, in den übrigen in akuter Gefahr. Bitte unterstützen Sie uns in unserem Kampf für den Erhalt dieser humanitären Perspektive!

››› Gastbeitrag Martin Keune, Flüchtlingspaten Syrien e.V.

Ihre Patenschaft holt Menschen herein!

Je mehr monatliche, jederzeit kündbare Patenschaften ab 10 € die Flüchtlingspaten Syrien e. V. erhalten, umso mehr syrische Angehörige können legal und sicher hergeholt werden.

Sicheres Lastschriftformular unter
fluechtlingspaten-syrien.de

IBAN DE29 4306 0967 1174 1787 00
BIC GENODEM1GLS, GLS-Bank Bochum