Ein "grünes" Schiff

Nicht nur von außen grün: Die Rainbow Warrior III ist ohne Tropenholz gebaut, zudem wird ihr Abwasser an Bord aufbereitet und sie ist mit sparsamen LED-Leuchten ausgestattet. Das Schiff, das zum Sinnbild geworden ist für den unermüdlichen Kampf gegen weltweite Umweltverbrechen.

Ein sonniger Herbsttag im Hamburger Hafen. Auf einem Ponton hat sich eine rund einhundert Meter lange Schlange gebildet, die den ganzen Tag über nicht abreißt. Frauen, Männer und Kinder warten bis zu anderthalb Stunden geduldig und fröhlich in der Kälte, um ein Schiff zu besichtigen: Es ist kein Kreuzfahrtriese, kein prächtiger Windjammer, keine Superjacht. Es ist die neue "Rainbow Warrior" von Greenpeace.

Ein grüner Rumpf mit Regenbogen-Bemalung und weiße Segel sind ihr Markenzeichen. Anziehend wirkt sie vor allem, weil ihr Name Geschichte geschrieben hat und positive Symbol­kraft besitzt. Das Flaggschiff der Organisation steht für Frieden und Hoffnung, für den Mut Einzelner und ihren unermüdlichen Kampf gegen weltweite Umweltverbrechen.

Unvergessen bleibt die erste Rainbow Warrior. Sie wurde nach nur sieben Einsatzjahren 1985 vom französischen Geheimdienst versenkt, als Greenpeace gegen französische Atomtests im Südpazifik protestieren wollte. Die Nachfolgerin Rainbow Warrior II tat 22 Jahre Dienst – etwa bei Aktionen gegen Piratenfischer und Öl-Verschmutzung oder als Plattform für eine Energie-Kampagne. 2011 wurde sie der Hilfsorganisation "Friendship" in Bangladesch übergeben.

Beide Schiffe waren umgebaute Fischtrawler, beide ein Kompromiss. Nach 40 Jahren ließ sich Greenpeace International nun erstmals ein maßgeschneidertes Kampagnenschiff bauen. Kostenpunkt: knapp 23 Millionen Euro, finanziert durch über 100.000 private Einzelspenden. Muss das sein? Diese Frage hat Dr. Christian Bussau in den vergangenen Monaten oft gehört. Der Meeresbiologe und Leiter für Sonderprojekte bei Greenpeace betreut das Projekt Rainbow Warrior III in Deutschland.

Er ist davon überzeugt, dass Greenpeace die Ozeane so umwelt- und klimafreundlich wie möglich befahren sollte – schon allein, um ihre Vorbildfunktion zu leben. "Die Rainbow Warrior III ist ein hochmodernes grünes Segelschiff – außerdem ein sehr schnelles. Nur so können unsere Aktivisten ihren Gegnern auf See die Stirn bieten. Zum Beispiel Hightech-Trawlern, die mit zerstörerischen Methoden fischen. Solche Umweltsünder werden uns kaum noch entkommen können", erklärt Bussau.

15 Knoten schafft die Rainbow Warrior III unter Segeln. Ihre A-förmigen, 50 Meter hohen Masten mit 1.256 Quadratmetern Segelfläche wurden im Windkanal getestet. Die Segel lassen sich per Knopfdruck aus- und einrollen. Zusätzliche sparsame und emissionsarme Dieselmotoren mit Abgasfiltern werden nur im Notfall und bei Flaute angeworfen.

Was ist sonst noch "grün" an ihr? Trinkwasser wird aus dem Meer gewonnen, Abwasser an Bord aufbereitet und sämtlicher Müll sorgfältig sortiert. Die Leuchten sind sparsame LEDs, im Schiff stecken weder PVC noch Tropenholz. Und alle Farben und Lacke (inklusive des Unterwasseranstrichs) sind schadstoffarm.

Auch mit ihrer Medienausstattung wird die Rainbow Warrior III ihrer Mission, Umweltprobleme für alle Welt sichtbar zu machen, gerecht. Aus einer Kommunikationszentrale mit schneller Breitband-Internetverbindung können Texte, Bilder und Filme live via Satellit im Web oder TV übertragen werden – selbst dann noch, wenn das Schiff gestürmt werden sollte. Der Raum ist von innen sicher abriegelbar.

Für Erkundungsflüge findet an Deck ein Hubschrauber Platz. Außerdem sind an Bord mehrere Schnellboote mit Hybridantrieb untergebracht. Mit ihnen können die Aktivisten bis zu 35 Knoten schnell und sehr wendig unterwegs sein.

Der Rumpf des neuen Flaggschiffs wurde in Danzig gebaut, alle weiteren Ausbauten erfolgten in der Fassmer Werft in Berne bei Bremen, wo die Rainbow Warrior III am 14. Oktober 2011 auch getauft wurde. Bei ihrer Jungfernfahrt von Berne nach Hamburg war auch Christian Bussau an Bord: "Ich glaube, nicht nur ich, sondern alle – die Crew, unsere Geschäftsführer, die Journalisten – hatten richtig Bauchkribbeln. Jeder spürte, dieses Schiff atmet Vergangenheit und Zukunft zugleich."

Nach der "Open Boat" in Hamburg, die in vier Tagen rund 4.400 Menschen anlockte, lief das Schiff ihren späteren Heimathafen Amsterdam sowie fünf weitere Städte in Europa an. Ende Januar 2012 ging es dann über den Atlantik nach Amerika. Die Rainbow Warrior III wird weltweit Kurs auf alle Umweltbrennpunkte nehmen. Erstes Ziel: der Urwald- und Klimaschutz am Amazonas.

››› Gastbeitrag Greenpeace e.V.

Mehr Informationen zu Greenpeace und der Rainbow Warrior unter www.greenpeace.org/rainbowwarrior

Die Rainbow Warrior III kurz gefasst

Länge: 57,92 m
Breite: 11,30 m
Tiefgang: 5,00 m
Wasserverdrängung: 860 t
Höchstgeschwindigkeit: 15 kn (28 km / h)
Segelfläche: 1.256 m²
Besatzung: bis 32 Personen
Höhe über Wasser: 54,25 m