Stutenkerl

Dieser Kerl hat viele Namen: Weckmann, Kiepenkerl, Klaaskerl, Hanselmann, Piefekopp, Dambedei oder Weggbopp, um nur einige zu nennen.

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Und das, obwohl man ihn nicht einmal in ganz Deutschland kennt. So ist der Stutenkerl in weiten Teilen des Ostens beispielsweise ein gänzlich Unbekannter, während er in anderen Regionen der Republik als unverzichtbares traditionelles Adventsgebäck gilt.

Seine Geburtsstunde liegt weit zurück, der Stutenkerl ist ein betagter Mann. Man vermutet, dass er ursprünglich aus Brotteig hergestellt wurde und zum kirchlichen Brauchtum zu zählen ist. In frühen Kirchen­tagen war es nämlich üblich, dass an all jene, die nicht am Gottesdienst teilnehmen durften oder konnten, ein gesegnetes Brot verteilt wurde. Am 6. Dezember, dem Ehrentag des Bischofs Nikolaus von Myra, hatte dieses Brot die Form eines Mannes oder Kerls. Das Besondere an ihm war, dass er – getreu seinem Vorbild – einen Bischofsstab in der Hand hielt. Doch wo ist dieser Bischofsstab geblieben? Der moderne Stutenkerl kommt heute oft auch ohne diesen Stab aus oder trägt eine Pfeife. Für Letztere gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Zum einen wird gemunkelt, dass einem Bäcker einmal die Stäbe ausgegangen seien, er einen benachbarten Pfeifenmacher besuchte und dort feststellte, dass so eine umgedrehte Pfeife dem Bischofsstab recht ähnlich ist. Andererseits wäre auch vorstellbar, dass es die Reformationsbewegung war, die den Bischofsstab ersetzte, um dieses vor allem in katholischen Gegenden sehr beliebte Gebildebrot zu verweltlichen. Das alles ist lange her und es lässt sich nur noch spekulieren. Fest steht, dass der Stutenkerl – heute meist ein süßes Hefeteigstück, goldbraun ge­backen und mit Rosinen oder Mandeln verziert – bei Groß und Klein sehr beliebt ist. Im Rheinland und Ruhrgebiet liegt er auch schon viel eher in den Aus­lagen der Bäckerei. Nämlich bereits am 11. November, dem Ehrentag des Martin von Tours, der genau wie St. Nikolaus ein Heiliger war. Und das sollte man bei all dem Schmaus nicht vergessen: Ob Nikolaus oder Martin – beides waren Männer, die halfen und teilten, wo sie nur konnten. Ein schöner Gedanke für die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit.