Venetien und Abruzzen

Venetien betreibt auf 73.700 Hektar Rebfläche Weinbau, die Abruzzen auf 30.500 Hektar Rebfläche.

Platzhalter

Kennen Sie dieses spezielle Italienreisegefühl? Sie überqueren die Alpen von Norden kommend, passieren den Brenner und bemerken: Die Luft ist viel wärmer, weicher, die Vegetation hat sich verändert, es sitzen mehr Menschen draußen in den Bars und Cafés (auch wenn nicht gerade Sommer ist). Dieses Dolce-vita-Wohlgefühl scheint auch die Reben zu ereilen, die in jeder Region Italiens wachsen und gedeihen, insgesamt über 600.000 Hektar (sechsmal so viel wie in Deutschland). An die 2.000 verschiedene Rebsorten soll es dort geben, amtlich zugelassen sind in Italien immer noch 400. Die Alpen schirmen die nördlichen Regionen Italiens, zu denen das Veneto (Venetien) zählt, gegen die kalten Nordwinde ab. Das Mittelmeer auf beiden Seiten des Stiefels und die Apennin-Gebirgskette wirken ebenfalls klimabestimmend. Berühmte Weine, wie zum Beispiel Amarone, Valpolicella, Soave oder Bardolino, sind herkunftsgeschützte Weine aus dem Veneto. Der bekannteste und am meisten verkaufte ist Prosecco, ein aus der weißen Traube Glera hergestellter Schaumwein. Die Heimat des Prosecco ist eine sanfte Hügellandschaft in der Provinz Treviso zwischen den pittoresken Orten Conegliano und Valdobbiadene. Prosecco darf nur diesen Namen tragen, wenn er aus dem Prosecco-Gebiet des Venetos stammt. Klassisch genießt man ihn als Aperitivo, dazu ein paar köstliche Häppchen, hier Cicchetti genannt. Diese venetischen Tapas sind delikat – mit Wurst, Gemüse, Käse, Fischcreme und so weiter belegte kleine Brötchen, die man bequem mit den Fingern essen kann – das Glas Prosecco lässt sich derweil mit der anderen Hand elegant zum Mund führen. Ein qualitativ guter Prosecco charmiert mit Aromen von weißen Blüten und duftiger Birne. In Deutschland fällt der Prosecco Frizzante in die Kategorie Perlwein und unterliegt so nicht der Sektsteuer. Beim Spumante, Sekt, Cava oder Champagner zahlt der Konsument hingegen einen Euro Sektsteuer.

Weinanbau in den Apenninen

Im dritten Jahrhundert war die Weinrebe auf dem ganzen Stiefel verbreitet. Die Etrusker, die vor allem Mittelitalien – dazu gehören Abruzzen, Latium, die Toskana und Umbrien – besiedelten, pflanzten bereits 700 vor Christus Reben an. Die Römer führten die Weinbereitung später zur hohen Kunst. Ab dem 13. Jahrhundert gehörte Wein zu den gewinnträchtigsten Feldfrüchten Italiens.

Die Region Abruzzo (Abruzzen) zählt seit jeher zu den ärmeren Regionen Italiens. In der unwegsamen Gebirgsgegend hat sich eine eigenständige kulinarische Tradition entwickelt. Das adriatische Mittelmeer im Osten sowie der bis zu 3.000 Meter hohe Apennin-Gebirgszug bestimmen dort das Klima. Die rote Rebsorte Montepulciano stammt aus den Abruzzen. Aus ihr entstehen fruchtig bis würzig-aromatische Weine, die zu den populärsten Weinen Italiens gehören. Würzig bis feurig sind auch die Fleisch-, Gemüse- und Fischgerichte aus den Abruzzen. Peperoncino, eine rote scharfe Chili, ist eine wichtige Zutat der bäuerlich geprägten Küche. Agnello all’arrabbiata, Lamm scharf in Chili gebraten, ist eine typische Speise. Natürlich hat die Region auch ihre eigene Pastaform: eckige Spaghetti, genannt Pasta alla chitarra. Und Achtung: Pecorino finden Sie in den Abruzzen als Hartkäse aus Schafsmilch, aber auch als Weißwein der gleichnamigen Rebsorte Pecorino!