Rheingau und Rheinhessen

Der Rheingau betreibt auf 3.000 Hektar Rebfläche Weinbau, Rheinhessen auf 26.000 Hektar Rebfläche.

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Ja genau, der Rheingau gehört zum Bundesland Hessen, Rheinhessen aber nicht. Rheinhessen ist Teil von Rheinland-Pfalz. Der irreführende Name beruht auf einer historischen Begebenheit: Zum Wiener Kongress 1815 wurde das heutige Gebiet Rheinhessen Frankreich entzogen, dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen und blieb bis 1945 hessisch.


"Land der 100 Hügel" wird das größte deutsche Weingebiet zwischen Mainz, Bingen, Alzey und Worms auch genannt. Sanfte Hügel, bepflanzt mit Reben so weit das Auge reicht. Die Oberrheinische Tiefebene, geprägt durch Lössboden, ist klimatisch geschützt durch den Donnersberg, den Hunsrück und den Taunus. Mit 1.700 Sonnenstunden im Jahr und 500 Millimeter Niederschlag gehört es zu den regenärmsten Weinregionen in Deutschland. Noch vor 20 Jahren als Anbaugebiet von Massenweinen verschrien, ist inzwischen eine neue Generation angetreten, die sich dem Qualitätsweinbau verschrieben hat. Dazu gehört, dass sich immer mehr Winzer – mit fast zehn Prozent der Rebfläche in Rheinhessen – dem ökologischen  Weinbau zuwandten. Warum? Um bessere Weine mit Terroir-Charakter aus gesundem Traubengut herzustellen und dabei die Umwelt, den Boden und die eigene Gesundheit zu schonen. Riesling gehört hier ebenso wie im traditionellen Rieslingland Rheingau, das weiter nördlich, flussabwärts des Rheins zwischen Hochheim, Wiesbaden, Rüdesheim und Lorch liegt, zu den wichtigsten weißen Rebsorten. Auch Silvaner und Müller-Thurgau, oft auch Rivaner genannt, spielen in Rheinhessen eine große Rolle. Als rote Rebsorte dominiert der Dornfelder. Vermehrt angebaut werden in den letzten Jahren die Burgundersorten Weiß-, Grau- und Spätburgunder. Jahrhunderte andauernde Weinbautradition und gebündelte Weinbaukompetenz findet man an der hoch angesehenen Forschungs- und Lehranstalt für Weinbau und Kellertechnik in Geisenheim am Rhein, unweit des historisch und weinbautechnisch ebenso bedeutsamen Klosters Eberbach. Der Riesling aus dem Rheingau gehörte im 19. Jahrhundert neben Wein aus Bordeaux und Burgund zu den teuersten und berühmtesten Tropfen weltweit.

Gutsausschank der Winzerfamilie Hamm in Oestrich-Winkel

Aber was bedeutet bei Wein technische Brillanz, fachliche Kompetenz und jahrhundertealte Tradition ohne die Fähigkeit zu Genuss und kulinarischem Schwelgen? Die Hessen und Rheinland-Pfälzer verstehen sich auch darauf: Filigrane Rieslinge mit delikater Säure aus dem Rheingau fühlen sich bei Handkäs und Spundekäs mit Laugengebäck rundum wohl. Zu Blutwurst und Apfelmus mit Bratkartoffeln laufen sie zur Höchstform auf. Ob Käse, Fleisch, Rahm- oder Fischsaucen, alles lässt sich mit Wein verfeinern. So heißt das hessische Coq au Vin (Hühnchen in Weinsauce) "Woihinkelche". Eine Spezialität in Rheinhessen: Backes-Grumbeere ("Grumbeeren" sind Kartoffeln). Das ist ein im Ofen gebackenes Eintopfgericht aus Kartoffeln, Fleisch und Würsten. Flüssige Hauptzutat ist natürlich Wein, ebenso wie bei diversen Winzersuppen, für die jeder sein Geheimrezept hat. Hessen, Rheinhessen, Rheingau, Rheinland-Pfalz … ach, egal. Und zum Wohl!

Rezept-Tipp: Spundekäs

100 g Butter, weich, nicht flüssig / 250 g Quark / 250 g Frischkäse / 1 Knoblauchzehe, gepresst / 1 Zwiebel, fein gewürfelt / 1/2 TL Kümmel, gemahlen / Meersalz / Pfeffer / süßes Paprikapulver. Alle Zutaten miteinander vermischen, mit Schnittlauch garnieren und mit Salzbrezeln servieren.