Apulien und Sizilien

Apulien betreibt auf 96.000 Hektar Rebfläche Weinbau, Sizilien auf 110.000 Hektar Rebfläche.

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"Mezzogiorno" ist das italienische Wort für Mittag. In der Mitte des Tages steht die Sonne am höchsten. Und unterhalb der Mitte des italienischen Stiefels scheint die Sonne am längsten. So wird Süditalien auch als "Mezzogiorno" bezeichnet. Arm an Wirtschaftskraft, aber reich an Sonnenstunden und Rebensaft: Apulien (italienisch Puglia), der Sporn und Absatz des Stiefels, kann mit 96.000 Hektar Rebfläche aufwarten, während man auf der größten Insel des Mittelmeers, Sizilien, auf 110.000 Hektar Wein anbaut (das entspricht in etwa der Anbaufläche in Deutschland).

Ein Großteil der in Süditalien hergestellten Weine sind Landweine, das heißt Weine mit geografischer Angabe, aber nicht herkunftsgeschützt wie ein Qualitätswein mit der DOC (Denominazione di Origine Controllata) oder DOP (Deno­minazione di Origine Protetta) Angabe. Ein Landwein wird auf dem Etikett mit IGP (Indicazione Geografica Protetta) oder IGT (Indicazione Geografica Tipica) bezeichnet.

An einheimischen Rebsorten herrscht in den süditalienischen Regionen kein Mangel. Die wichtigste rote Rebsorte Siziliens ist die Nero d’Avola, deren tief dunkelrote Traubenbeeren mit Schwarzkirsch-, Pflaumen- und Pfefferaromen fruchtig-vollmundige, oft säurearme Weine ergeben. Grillo und Inzolia gehören zu den häufig angebauten weißen Sorten auf der Insel – unkomplizierte Weine, die bislang wenig Berühmtheit bei Hochpreis-Weintrinkern erlangt haben, sich aber als solide Begleiter zu authentisch mediterranen Speisen erweisen. Die Vielfalt der sizilianischen Spezialitäten basiert auf den Zutaten von Land und Meer und profitiert von der historischen und geo­grafischen Nähe zu Nordafrika: Couscous, Kichererbsen, Pista­zien, Oliven, typische Gerichte aus Reis wie Arancini sowie die wunderbaren Zitrusfrüchte. Gemüse ist auf Sizilien so all­gegenwärtig wie in Apulien: Fenchel, Artischocken, Kapernäpfel, Tomaten, Auberginen, Zucchini sowie Zwiebeln, Knoblauch und Kräuter aller Art. Und nicht zu vergessen: Pasta aus Hartweizengrieß. Apulien gilt als die Kornkammer Italiens, kein Wunder also, dass die fantasievollsten Pasta-Varianten wie Orecchiette, Cavatelli, Fusilli, Casarecce und so weiter aus Apulien stammen.

Feine Würzaromen wie Muskatnuss und Pfeffer, Brombeer- und Cassis-Noten bestimmen den beliebtesten Rotwein Apuliens aus der Rebsorte Primitivo. Viele Sonnenstunden sorgen für die nötige Süße der Trauben. Zu trockenem Wein mit sanfter Säure vergoren, weisen viele Primitivi dennoch eine zarte Extraktsüße auf, die einen positiven Effekt auf den Trinkfluss hat. Am Tisch wird das häufig mit dem ­Attribut "lecker" bezeichnet. Also Vorsicht!