Mehr Boden für den Bio-Landbau

Von einem solchen Erfolg konnte vor zwei Jahren niemand ausgehen: Die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) hat in den vergangenen zwei Jahren mitgeholfen, insgesamt rund 3.500 Hektar Landwirtschaftsfläche auf Bio-Landbau umzustellen.

Die Preisträgerfamilien auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor mit Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (6. von rechts) zwischen Prof. Dr. Götz Rehn und Prof. Dr. Hardy Vogtmann. Bundesgeschäftsführer des Projektträgers NABU, Leif Miller, ganz rechts außen.

Das ist ein sensationeller Erfolg und zeigt die hohe Wertschätzung für das vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) durchgeführte und von der ABBI finanzierte Projekt "Gemeinsam Boden gutmachen". Es zeigt aber auch, dass ein Engagement von Unternehmern (Alnatura mit 400.000 Euro und Lebensbaum mit 100.000 Euro jährlich) für die Gemeinwohlleistungen des Bio-Landbaus anerkannt wird. Gemeint sind damit die Leistungen der Bio-Landwirtschaft, die über die Produktion von Lebensmitteln hinausgehen, nämlich die Bewahrung von sauberem Wasser und sauberer Luft sowie der Vielfalt an Pflanzen und Tieren und einer schönen Landschaft mit hohem Erholungs- und Gesundheitswert.

Gemeinwohlleistungen, für welche die Landwirtschaft sonst nicht angemessen honoriert wird. Wenn man einen Blick auf die diesjährigen ABBI-Preisträger wirft, dann sieht man deutlich, dass mit der Umstellung auf den Bio-Landbau ein breit gefächertes Spektrum von unterschiedlichen Betriebsstrukturen in ganz verschiedenen Regionen und Landschaften angesprochen wurde. Die diesjährigen 15 Preisträger, die sich den Bio-Landbauverbänden Bioland, Naturland, Demeter und GÄA angeschlossen haben, kommen aus Baden-Württemberg (6), Bayern (3), Hessen (2), Niedersachsen(1), Nordrhein-Westfalen (1), Sachsen (1) und Sachsen-Anhalt (1). Neben zwei Schäfereien sticht die Milchviehhaltung mit sechs Betrieben deutlich hervor. Betriebszweige wie Legehennenhaltung, Schweine- oder Rindermast und Marktfruchtanbau verteilen sich auf die übrigen Betriebe. Als Besonderheit muss der Walnussbetrieb von Christine Straub und Frank Flasche im Hessischen Ried nahe Darmstadt angesehen werden, mit der Erzeugung und Verarbeitung von Walnüssen zu hervorragenden Spezialprodukten. Nehmen wir einmal die Milchviehbetriebe, wo aufgrund der katastrophalen Marktsituation im konventionellen Bereich viele Betriebe auf den Bio-Landbau umstellen wollen. Hier gilt es, die gute Marktlage der Bio-Milch nicht durch ein plötzliches Überangebot zu zerstören, und daher ist es umso wichtiger, dass vom Fachgremium und Beirat des NABU eine sehr sorgfältige Auswahl der Preisträger in diesem Segmentmit strengem Blick auf die Motivation für die Umstellung vorgenommen worden ist. 

Eine Umstellung allein aus wirtschaftlichen Beweggründen reicht nämlich nicht aus. Hervorzuheben ist, dass auch im Jahr 2016 wiederum eine Schäferei mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden ist. Christiane Geiger und Dieter Michler betreiben eine der wenigen Wanderschäfereien in Deutschland auf 460 Hektar und pflegen mit dieser traditionellen Bewirtschaftung eine wertvolle Kulturlandschaft mit hoher Artenvielfalt. Effektiven Schutz gegen Raubtiere bieten Herdenschutzhunde, die neben den üblichen Hütehunden mit der Schafherde laufen. Eine geradezu geniale Kombination ist es, das Obst von Streuobstwiesen, die mit Schafen beweidet werden, in der eigenen Brennerei zu nutzen. So werden neben Lammfleisch, Wolle und Fellen auch edle Obstbrände vermarktet.

Ein besonderes Ereignis für alle Menschen der ausgezeichneten Landwirtschaftsbetriebe war die Übergabe des Förderpreises auf der Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel Biofach im Februar in Nürnberg (Preisträgeraus dem südlichen Teil Deutschlands) und auf dem Umweltfestival der Natur- und Umweltschutzorganisation Grüne Liga am Brandenburger Tor in Berlin im Juni (Preisträger aus dem nördlichen Teil Deutschlands). Auf der Biofach wurden Verarbeiter und Vermarkter von Bio-Lebensmitteln direkt angesprochen und ihnen wurde deutlich gemacht, wo und bei wem eigentlich die Urproduktion der Bio-Lebensmittel stattfindet und mit welchen Problemen sie verbunden ist. Genau das sprachen die Preisträger an, die mit ihren Familien zu diesem Anlass gekommen waren und nach Laudationen und Förderpreisübergaben in kurzen Dankesreden ihre Motivation zur Umstellung und die ersten Hürden auf diesem Wegvortrugen. So vielfältig wie Landwirtschaftsbetriebe und Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Motive, die zu dem mutigen Schritt der Umstellung auf den Bio-Landbaugeführt haben. Von besonderen Schicksalsschlägen in der Familie, Gesundheitsproblemen, aber auch der Erkenntnis, dass der beste Weg für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion der Bio-Landbau ist und somit auch der Weiterführung deseigenen Betriebes dient, wurde oft sehr emotional gesprochen.

Die Übergabe der Förderpreise durch die Bundesumweltministerin bei dem Festakt vor dem Brandenburger Tor war für die Preisträger ein absoluter Höhepunkt. Ja, es war Umweltministerin Barbara Hendricks und nicht der Landwirtschaftsminister, die den Preisträgerfamilien oder Partnerschaften im Rahmen des Umweltfestivals mit über 150.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gratulierte und ihnen die Urkundenüberreichte. Sie zeigte damit die Wertschätzung für den biologischen Landbau und in ihrer Ansprache erkannte sie ausdrücklich die Leistungen des Bio-Landbaus für den Natur- und Umweltschutz an, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass auch dort noch Raum für Verbesserungen bestünde. Ein besonderes Lob erfuhr die ABBI und das von ihr geförderte NABU-Projekt "Gemeinsam Boden gut machen". Hendricks würdigte die Unternehmen Alnatura und Lebensbaum sowie den NABU für ihr Engagement, mit dem sie die Landwirte auf dem schwierigen Weg der Umstellung zum Bio-Landbaubegleiten. 

››› Gastbeitrag Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Professor für Ökologischen Landbau an der Universität Kassel und Vorsitzender des ABBI-Beirats. Zuvor Präsident des Bundesamtes für Naturschutz und des Hessischen Landesamtes für Regionalentwicklung und Landwirtschaft sowie Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in der Schweiz (FiBL).