Pflaumen

Hängen reife Pflaumen am heimischen Obstbaum, so ist eines klar: Der Sommer hat seinen Zenit längst überschritten, der Herbst klopft leise an die Tür. Doch die aromatischen Früchte können helfen, eine eventuell aufkommende Spätsommer-Wehmut zu versüßen – ganz gleich, ob Pflaume, Zwetschge oder Reneklode.

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Kulturgeschichte und Botanik

Die wilden Vorfahren der Pflaume vermutet man im Kaukasus, dem Hochgebirge zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Archäologische Funde lassen hier auf eine lange Geschichte schließen. Die Römer waren es, die uns die Pflaumen nach Mitteleuropa brachten – wahrscheinlich ganz anders in Form, Farbe und Geschmack als heutige Exemplare, denn man weiß: Pflaumen sind sehr kreuzungswillig. Daher kennt man auch mindestens 2.000 Sorten. Sie alle werden unter dem Oberbegriff Pflaume zusammengefasst. Doch selbst die Wissenschaft tut sich schwer mit einer präzisen botanischen Abgrenzung einzelner Sorten, zu denen die Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden und eben auch die Pflaumen im engeren Sinne gehören. Fest steht: Alle sind Rosengewächse (Rosaceae), ihre Früchte sind Steinfrüchte.

Sortenvielfalt

Rund, oval, gelb-grün oder violett, festfleischig bis mehlig-süß – es gibt der Pflaumen viele, die Übergänge zwischen einzelnen Sorten sind fließend. Die vier Hauptgruppen hier im Kurzporträt vorgestellt:

  • Pflaumen sind rundliche, mitunter auch ovale Früchte, deren Farbspektrum von gelb über rot bis hin zu violett und blau erscheinen kann. Ihr saftig-süßes Fruchtfleisch umschließt einen großen Kern, von dem es sich aber nur schwer löst – ein wesentlicher Unterschied zur Zwetschge. Pflaumen schmecken frisch von der Hand in den Mund am besten, für Kuchen oder Kompott eignen sie sich weniger. Sie sind naturgemäß von einer dünnen, wachsartigen Schicht überzogen – eine  Form biologischer Konservierung. Vor dem Verzehr sollten Pflaumen daher gründlich gewaschen oder abgerieben werden. Ein Grundsatz, der übrigens auch für Zwetschge, Mirabelle und Co. gilt.

  • Zwetschgen sind längliche Früchte mit spitz zusammenlaufenden Enden. Eine Form, die man auch beim Kern wiederfindet. Dieser ist locker in ein festes, aromatisches Fruchtfleisch eingebettet. Typisch für Zwetschgen ist ihre blauviolette Farbe, hervorgerufen durch den sekundären Pflanzenstoff Anthocyan – ein aus ernährungsphysiologisch-medizinischer Sicht sehr interessanter Stoff. Zwetschgen sind nicht nur der ideale Kuchenbelag oder beliebte Kompottzutat, sondern machen sich auch in pikanten Saucen oder als Füllung von Fleischbraten hervorragend. Besonders aus der österreichisch-ungarischen Küche sind sie nicht wegzudenken: Zwetschgenstrudel, -knödel, Buchteln und vieles mehr. Oder aber Zwetschgenwasser, ein aromatischer Obstbrand aus Tirol.

  • Mirabellen sind kleine kugelrunde Früchte mit gelber Farbe und einer transparent wirkenden Schale. Besonders hübsch anzusehen sind Exemplare mit rotwangigen Akzenten oder kleinen Tupfen auf der sonst glatten Haut. Ihr Fruchtfleisch ist fest und – die entsprechende Reife vorausgesetzt – sehr süß. Daher eignen sich Mirabellen zum Einkochen, für Kompott oder als Kuchenbelag. Eine schnelle Verarbeitung ist dabei ratsam, denn Mirabellen sind schlecht lagerfähig: Zwischen der Ernte und dem Verzehr sollten nicht mehr als zwei Tage vergehen. Den Ursprung der Mirabellenkultur vermutet man in der französischen Stadt Mirabeau (lat. Mirabella), die der kleinen Frucht zu ihrem Namen verhalf.

  • Renekloden (auch: Reineclauden) sind mittelgroße runde Früchte, deren Farbe sortenabhängig zwischen Grün, Grün-gelb und gelegentlich auch roten Tönen variieren kann. Das Fruchtfleisch dieser eher selten vorkommenden Pflaumensorte ist fest und aromatisch. Ihren schönen Namen verdankt sie der französischen Königin Claudia (frz. Reine Claude), welche die kleinen grünen Früchte – früher auch hierzulande noch Reineclauden geschrieben – wohl besonders verehrte. Ähnlich wie Mirabellen sollten Renekloden nicht länger als zwei Tage gelagert werden.

Bio-Anbau und Streuobstwiesen

Die Pflaume ist ein beliebter Hausgartenbaum, der eine Höhe von bis zu zehn Metern erreichen und eine ausladende, Schatten spendende Baumkrone entwickeln kann. Für den erwerbsmäßigen Anbau, also reiche und stabile Erträge, benötigt er Dünger. Im Bio-Anbau sind das Kompost und andere organische Substrate; chemisch-synthetischer Dünger ist tabu. Ökologisch besonders wertvoll aber sind Streuobstwiesen: Hier wachsen hochstämmige Bäume in großer Sortenvielfalt; das heißt Apfel, Pflaume, Walnuss und Co. in direkter Nachbarschaft und mit ausreichend großem Abstand zueinander. In den verschiedenen Etagen der hohen Bäume finden viele Tierarten ihren Lebensraum. Ebenso am Fuße, wo außerdem eine große florale Vielfalt wachsen und die blühenden Wiesen für extensive Tierhaltung genutzt werden können. Man sagt: Eine Streuobstwiese ist Rückzugsort für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten.