Warenkunde: Avocado

Die südamerikanische Riesenbeere ist in vielen Rezepten der Welt zu Hause. So lagern Sie Avocados richtig.

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Sie haben eine unreife Avocado in der Hand? Nicht ärgern, das liegt in ihrer Natur.
 
Die Frucht des Avocado-Baumes fällt nämlich bereits – das ist eine Besonderheit – im unreifen Stadium vom Baum und reift auf der Erde aus. Die dabei unvermeidlichen Druckstellen allerdings fördern einen vorzeitigen Verderb. Um das zu vermeiden, wird die Avocado schon vorher gepflückt; vermutlich bereits seit Tausenden von Jahren.
 
Botanik und Kulturgeschichtliches zur Avocado
Der Avocado-Baum (Persea americana MILL.) ist ein immergrünes Lorbeergewächs mit stattlichen 15 bis 20 Metern Höhe, dunkelgrünen, ledrigen Blättern sowie kleinen grün-gelblichen Blüten. Aus letzteren entstehen die aromatischen Früchte. Will man botanisch korrekt bleiben, muss man zur Avocado Beere sagen.
Riesenbeere sozusagen, denn eine Avocado kann mehr als ein halbes ­Kilogramm schwer werden und schon ihr Samen erreicht – sortenabhängig – die Größe eines Tischtennisballes.
 
Die Heimat des Baumes liegt in Mexiko, genauer gesagt im Hochland von Südmexiko bis Guatemala. Dort wurde die Avocado nachweislich schon vor 9.000 bis 10.000 Jahren als Nahrungsmittel genutzt. Als die spanischen Eroberer das Land erreichten, trug sie den aztekischen Namen ahuacatl. Die Spanier machten daraus aguacate, später Avocado. Doch auch unter Synonymen wie Butterbirne oder Butter des Waldes ist die Avocado bekannt, ein Hinweis auf ihren Fettgehalt und die Streichfähigkeit. Die Engländer wiederum gaben ihr den Namen Alligator Pear, begründet in der runzelig-braunen Schale mancher Sorten. Die Grenzen Lateinamerikas hat die Avocado erstaunlich spät überschritten; etwa im 16. Jahrhundert brachten die Spanier sie nach Europa. In den deutschen Handel hat die exotische Südamerikanerin gar erst vor etwa vierzig Jahren Einzug gehalten. Mittlerweile ist sie aus dem Gemüseregal nicht mehr wegzudenken.

Die heutigen Hauptanbaugebiete für Bio-Avocados liegen winters in Spanien und Israel, im Sommerhalbjahr kommt die Butterbirne überwiegend aus Südafrika. Mexikanische Avocados gibt es ganzjährig.

Sorten und Inhaltsstoffe der Avocado

Es sind über 400 Avocado-Sorten bekannt, von denen wiederum nur etwa ein Dutzend in großem Stile in den Handel gelangt. Zwei davon sind besonders beliebt:

Hass – eine Avocado mit rundlicher Form und dunkler Schale. Ihren Namen verdankt sie ihrem Entdecker: Der Amerikaner Rudolph Hass fand diese besondere Avocado-Pflanze, vermutlich eine Mutation, in seinem Garten.

Fuerte – eine Avocado mit Birnenform und mittelgrüner Schale, die sich im Gegensatz zur etwas runzelig-genoppten Hass sehr glatt anfühlt.

Beide Sorten eint ihr cremig-weiches, mild schmeckendes Fruchtfleisch. Hier stecken jede Menge interessanter Inhaltsstoffe drin. Insbesondere der Fettgehalt ist eine Besonderheit, denn je nach Sorte enthält eine reife Avocado zwischen 20 und 30 Prozent Fett. Das Gute dabei: Sie lässt den wertvollen ungesättigten Fettsäuren den Vorrang.

 

Wie wird Avocado gegessen?
Die einfachste und ursprünglichste Verzehrform: das Löffeln direkt aus der Schale. Dabei fällt schnell auf, dass sich Avocado-Fruchtfleisch rasch ins Bräunliche verfärbt. Ein Spritzer Zitronensaft kann da Abhilfe schaffen.

Avocado wird meist kalt verzehrt, denn erhitzt kann das Fruchtfleisch bitter werden und ist auch nicht jedermanns Sache. Daher findet man die Südamerikanerin vor allem in Dips, Brotaufstrichen und Salaten.
Die Tex-Mex-Küche beispielsweise serviert Guacamole – ein scharf gewürztes Avocado-Mus – zu vielen Gelegenheiten, allen voran den traditionellen Tortillachips. Die Japaner rollen sie in Sushi, die Chilenen servieren Avocado-Sauce zu Huhn, während die Australier Avocado ins Sandwich packen. In afrikanischen Ländern ist sie eine gern gesehene Zutat in fruchtigen Salaten, in Brasilien liebt man Avocado-Eis.
 
Die Avocado ist in den Küchen der Welt zu Hause
Übrigens nicht nur als Speise, sondern auch als wohlschmeckendes Getränk namens Abacate. Ursprünglich schon bei den südamerikanischen Ureinwohnern sehr beliebt, später auch bei den Kolonialherren, die es noch mit Rum und Zucker mischten. Zurück in der Heimat fehlte ihnen die Avocado für diesen speziellen Schnaps, den sie Advocaat nannten. Ein findiger Holländer ersetzte die Avocado. Durch Eier. Man kann sagen, dies war die Geburtsstunde des Likörs, der heute bei keinem Kaffeekränzchen fehlen sollte: Eierlikör.
 
So reift eine Avocado schneller:
Einfach mit Äpfeln oder Birnen in eine Papiertüte stecken und in der Obstschale lagern. Innerhalb weniger Tage ist die Avocado butterweich und hat ihr köstliches Aroma entwickelt.

Wie wird eine Avocado gelagert?
Eine reife, ungeöffnete Avocado kann im Kühlschrank gelagert werden. Die unreife Avocado, wie oben beschrieben, bei Zimmertemperatur lagern. Die Lagerung einer bereits geöffneten Avocado sollte mit Steckenlassen des Kerns erfolgen.

Oder aber – ein Tipp für Liebhaber von unkomplizierter Naturkosmetik: eine Gesichtsmaske aus den Resten der cremigen nahrhaften Frucht.