Spanien – nördlicher Teil

Wenn Sie in einer einfachen Bar irgendwo in Spanien ein Glas Rotwein bestellen, fragt Sie der Kellner: "Un Rioja o un vino tinto?"

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Sie sollen also präzisieren, ob Sie ein Glas Rioja oder ein Glas Rotwein haben möchten. Hm? Um das zu begreifen, muss man wissen, dass ein Rioja immer als der qualitativ höherwertige Wein angesehen wird, während der "Vino Tinto" ohne Herkunftsbezeichnung der einfache und damit der günstigere Wein ist. Auch hierzulande zählen die Weine aus der Rioja, dem größten nordspanischen Anbaugebiet (mit 63.942 Hektar Rebfläche), zu den bekanntesten und prestigeträchtigsten Weinen der Iberischen Halbinsel. Inzwischen haben sich auch andere geschützte Herkunftsgebiete, sogenannte DOs (Denominación de Origen), wie das Ribera del Duero, Toro, Priorat oder das benachbarte Navarra einen sehr guten Ruf erworben. Aber nach wie vor ist die Rioja eine der wenigen spanischen DOs mit DOC-Status (Denominación de Origen Controlada/Protegida), das heißt mit strengeren Qualitätsanforderungen und Vorschriften zum Beispiel zur Reifedauer.

Garnacha-Trauben aus Navarra

Allerdings gibt es "den" typischen Rioja nicht mehr. Verschiedene Stilrichtungen haben sich etabliert: von fruchtbetonten, jung zu trinkenden Rotweinen über moderne, stark Barriquebetonte Blockbuster bis hin zu den Klassikern, den zarteren Reservas mit langer Lagerung in gebrauchten Fässern. Die vorrangig angebaute rote Rebsorte ist die Tempranillo, gefolgt von Garnacha, Graciano und Mazuelo.

Beim kleineren Nachbarn, der DO Navarra (13.064 Hektar Rebfläche), herrschen ebenfalls die Rebsorten Garnacha und Tempranillo vor. Politisch gehört sie heute zum spanischen Bas­kenland (PaÍs Vasco). Da das autonome Königreich Navarra in der Vergangenheit den Bourbonen näherstand als dem spanischen Königshaus, ist der französische Einfluss an einem hohen Anteil französischer Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir erkennbar. Und die typisch baskische Küche ist gleichermaßen beeinflusst von spanischen und französischen Rezepturen. Nicht entgehen lassen sollte man sich die baskische Spezialität "pimientos rellenos", unterschiedlich gefüllte Paprikaschoten, zum Beispiel mit Stockfisch ("bacalao").

Im Ebrotal gedeihen alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten und die landwirtschaftliche Tierhaltung bringt erstklassige Fleisch- und Wursterzeugnisse hervor, wie beispielsweise die pikante Chorizo. Gebratener grüner Spargel ("espárrago") mit Serrano-Schinken zählt zu den klassischen Spezialitäten der Rioja.

Wenn man von kulinarischen Hochkulturen spricht, landet man zwangsläufig bei der katalanischen Küche. Beeinflusst vom Mittelmeer und den Pyrenäen kombiniert die klassische katalanische Küche Meeresfrüchte und Fisch mit Fleisch. Zum Beispiel Schwein mit Muscheln oder Tintenfisch mit Fleischklößchen. Die Knoblauchmayonnaise, Aioli genannt, stammt ursprünglich aus Katalonien, ebenso ganz einfache, schmackhafte Gerichte wie "Pa amb tomàquet" (geröstetes Brot mit Tomate und Olivenöl). Zum Weinland Katalonien zählen zwölf herkunftsgeschützte Gebiete (DO), unter anderem die DO Penedès (24.248 Hektar Rebfläche), eine Region südwestlich von Barcelona. Die am häufigsten angebauten weißen Rebsorten dort sind Macabeo, Xarello, Parellada und Chardonnay. Das Penedès ist bekannt für seine innovativen Kellereien und modernen Cuvées sowie für Cava, den berühmten spanischen Schaumwein. Die Katalanen haben allen Grund, stolz auf ihr Land und ihre kulturellen Errungenschaften zu sein. Schade nur, dass sich ein Teil der nationalistisch gestimmten Katalanen von Spanien separieren möchte. In den Weinregalen der Alnatura Super Natur Märkte jedenfalls stehen alle Spanier gleichwertig und in Eintracht nebeneinander.