Spanien – südliche Mitte

La Mancha ist mit 190.000 Hektar das größte Weinbaugebiet der Welt.

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Begibt man sich auf Weinreise, wiederholt sich folgende Entdeckung: Wo Wein wächst, sind ­kulinarische Genüsse nicht weit. Fährt man zum Beispiel von Madrid in den Süden nach Andalusien, durchquert man hunderte Kilometer die Region Castilla-La-Mancha. Sanft hügelig mit endlosem Weitblick und Windmühlen am Horizont. Man wähnt sich nah am Meeresspiegel, doch das täuscht! Die sogenannte Meseta, eine Hoch­ebene, liegt in durchschnittlich 700 Meter Höhe. Auf Schafe trifft man hier häufiger als auf Menschen. Der herkunftsgeschützte Käse Manchego – aus Schafsmilch hergestellt – ist vielen bekannter als seine Heimat, La Mancha. Abhängig vom Reifegrad des Manchegos, ob quarkähnlicher Frischkäse, mittelalter Schnitt­käse oder gereifter Hartkäse, passt ein spritziger Weißwein, ein fruchtiger Rosado oder ein vollmundiger Rotwein aus der gleichnamigen Region wunderbar.

Bereits Phönizier, Griechen und Römer brachten den Wein­bau nach Spanien. Während der maurischen Herrschaft im südlichen Teil der iberischen Halbinsel ab dem 8. Jahrhundert und noch bis ins 15. Jahrhundert in der Provinz Granada wurde der Weinbau auf zwar bescheidenem Niveau fortgeführt, kam aber nie ganz zum Erliegen. Mit der Reconquista, der christlichen Rückeroberung, gingen zwar die kulturelle Vielfalt und vieles andere unter, der Weinbau – vor allem in La Mancha – erlebte jedoch eine neue Blütezeit. Kulturell und kulinarisch hinterließen die Mauren neben architektonischen Meisterwerken wie der Alhambra viele ­Gewürze, von denen die spanische und europäische Küche noch heute profitiert. Zum Beispiel Kreuzkümmel (Cumin), der in Eintöpfen häufig mit Kichererbsen verwendet wird, Koriander zu Lammgerichten und Azafrán (Safran), der heute in La Mancha angebaut wird und die klassische spanische Paella zart würzt und strahlend gelb färbt.

Gut 20 geschützte Herkunftsgebiete mit der Bezeichnung DO (Denominación de Origen) gibt es im zentralen und südlichen Teil ­Spaniens. Das größte davon ist die DO La Mancha mit 190.000 Hektar (zum Vergleich: In Deutschland wird auf circa 100 000 Hektar Wein angebaut). Sie ist nicht nur das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Spaniens, sondern weltweit. Geprägt von einem kontinentalen ­Klima, sand-, ton- und kalkhaltigen Böden, die beste Voraussetzungen für den Weinanbau bieten, liefert diese Region oft günstige Weine zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Durch die geringe Feuchtigkeit, die heißen, trockenen Sommer und kalten Winter, eignet sich das Don-Quijote-Land hervorragend für den Bio-Anbau. Pilzkrankheiten kennt man dort nicht, gesundes Lesegut ohne Einsatz von Hilfsmitteln ist die Regel. Die meist ­flachen Weinberge erleichtern die Ernte mit maschineller Hilfe. Airén ist in La Mancha die meistangebaute weiße Rebsorte, Tempranillo, vor Ort Cencibel genannt, folgt als rote Rebsorte. Mit moderner, temperaturregulierter Gärung und früher Ernte kann man aus Airén gefällige, frische Weißweine erzeugen. Bei den Rotweinen entscheidet oft die Ausbauart, wie aromatisch-fruchtig oder eher komplex-würzig sich die Weine präsentieren. Auch werden die internationalen Rebsorten wie Merlot oder andere spanische Rebsorten wie Garnacha, Graciano und Verdejo angebaut. Typische Gerichte der bäuerlich geprägten Region sind Eintöpfe wie Gazpacho manchego, in dem alle Reste verarbeitet werden, Mojete, ein klassischer Kartoffeleintopf, und Asadillo oder Pisto manchego, geschmor­tes Gemüse unter anderem mit Tomaten, viel Knoblauch und – dank der iberischen Mauren – mit Kreuzkümmel.