Gastbeitrag: Wir stellen um!

In Deutschland werden zu wenige Rohstoffe für Bio-Lebensmittel angebaut. Zeit, das zu ändern! Ab 2015 unterstützt Alnatura Bauern bei der Umstellung ihrer Höfe auf den Bio-Landbau. Der erste Bauernhof ist gefunden: Familie Jäger aus Sulzbach-Laufen!

Familie Jäger im Kuhstall

Während der Biofach-Messe in Nürnberg wurde Familie Fritz und Marit Jäger mit ihren Hofnachfolgern Ricardo und Eva-Maria Jäger vom Uhlbachhof in Sulzbach-Laufen in Hohenlohe der Förderpreis für die Umstellung ihres Landwirtschaftsbetriebes auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise verliehen. Der Beirat für das durch Spenden der Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) "Gemeinsam Boden gut machen" finanzierte Projekt für die Umstellungsförderung von Landwirtschaftsbetrieben auf den Bio-Landbau hat diesen Betrieb ausgewählt, weil er nicht nur auf den biologisch-dynamischen Landbau, sondern insbesondere auf die Heumilch-Produktion, das heißt Fütterung der Milchkühe ohne Silage, umstellen will. Der 92 Hektar große Grünland-betonte Landwirtschaftsbetrieb mit seinen 85 Milchkühen und 1 800 Legehennen in Bodenhaltung sowie 15 Mastbullen weist eine solide wirtschaftliche Basis auf und erfüllt damit ein wesentliches Auswahlkriterium des Beirates: Finanzielle Belange als einziges Umstellungsmotiv sind nicht ausreichend für die Verleihung des Förderpreises. Zudem muss mit der Bewerbung ein Betriebsspiegel mit allen wichtigen Angaben zum Landwirtschaftsbetrieb sowie ein Umstellungsplan mit der Angabe, welchem der anerkannten Ökolandbauverbände sich der Betrieb anschließen will, beigefügt werden.

Es ist sehr überzeugend in der Bewerbung der Familien Jäger für den Förderpreis zu lesen, dass sie mit der Umstellung "die Gegensteuerung zu unserer industrialisierten Landwirtschaft" erreichen wollen, mit dem Ziel, "für die Menschen in der Region Milch und Eier herzustellen, die unter Berücksichtigung, dass auch die Tiere Lebewesen sind, erzeugt werden. Bereits seit vielen Jahren möchten wir dem System trotzen, nachdem unsere Kühe immer mehr zu ›Turbo-Kühen‹ gezüchtet werden und es nur noch darum geht, wie viel Milch sie geben. Bei uns ist es und soll es anders sein. Unsere Kühe haben noch Namen und werden als Lebewesen, nicht als Milch-Maschine wahrgenommen. Auch möchten wir unseren Hühnern mehr Komfort bieten und die Ställe um ein Freilaufgehege erweitern", heißt es in dem Schreiben. Dass dies nicht nur schöne Worte sind, zeigt auch die Tatsache, dass auf dem Uhlbachhof der Familie Jäger die Kälber nicht enthornt werden, wie dies leider heute im konventionellen Landbau fast gängige Praxis ist, und die Kühe daher mit ihren Hörnern ihr artgerechtes Verhalten ausleben können. Dazu stellt Fritz Jäger fest: "Das Wohlbefinden unserer Tiere liegt uns schon immer sehr am Herzen. Deshalb betreiben wir schon heute Weidehaltung auf unseren um das Betriebsgelände liegenden Grünlandflächen." Nach erfolgreicher Umstellung geht die "Heumilch" an die Bio-Molkerei Geifertshofen, wo vorzügliche Käse handwerklich erzeugt werden.

Wie sich das für einen vielseitigen Landwirtschaftsbetrieb gehört, bauen die Familien Jäger auf ihrem 500 Meter über Normalhöhennull gelegenen Uhlbachhof auch Getreide und für die Fütterung der Tiere Silomais und Kleegras an. Zudem gehören sechs Hektar Wald und Hofflächen zu diesem Betrieb, in dem neben den Familienarbeitskräften auch zwei fest angestellte Fremdarbeitskräfte und weitere saisonale Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis arbeiten. Des Weiteren ist der Uhlbachhof ein anerkannter Ausbildungsbetrieb, in dem aktuell ein Auszubildender beschäftigt ist. Damit wird die vom Beirat geforderte soziale Komponente voll erfüllt. Besonders bemerkenswert war für den Beirat, dass Fritz Jäger die Umstellung seines Betriebes als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes unternimmt, der er auch bleiben will. So wird er zugleich ein Botschafter für den Bio-Landbau in dem sonst eher bremsenden Deutschen Bauernverband, was nur begrüßt werden kann.

Wenn man auf den Uhlbachhof kommt, spürt man neben der Vielseitigkeit eine enorme Innovationslust sowohl der alten wie auch der jungen Generation. Ein wunderschönes Hofcafé, in dem für viele Menschen Platz ist, fällt einem sofort ins Auge. Der Hintergrund ist schnell erklärt: Fritz Jäger ist als ausgebildeter Naturparkführer in seiner Gemeinde Sulzbach-Laufen "sehr bestrebt und motiviert, Besuchern unsere wertvolle Natur und damit auch unseren einzigartigen Standort nahezubringen". Als Anziehungspunkt befindet sich der Altenbergturm als wichtiger Aussichtspunkt in nächster Nähe des Landwirtschaftsbetriebes. Da bietet es sich an, entsprechende Flächen für Reisebusse zur Verfügung zu stellen, die Besucher auf einem Rundgang durch die wundervolle Natur und auf den Altenbergturm in den Genuss eines einzigartigen Naturerlebnisses zu bringen und sie anschließend zu einem Besuch im hofeigenen Café zu motivieren. Besonders hervorzuheben ist der Hinweis von Fritz Jäger: "Dass die Erhaltung unserer Umwelt auf unserem Betrieb eine Selbstverständlichkeit ist, zeigt schon die Umwelterklärung für den kompletten Betrieb im Jahre 2013 und die ebenso durchgeführte Zertifizierung nach den EMAS-Richtlinien. Weil wir, die Familie Jäger, die Landwirtschaft Tag für Tag im Einklang mit den Jahreszeiten leben und wir das auch an die Öffentlichkeit weitergeben wollen, können wir zusätzlich eine Art Multiplikator für die biologisch-dynamische Landwirtschaft werden. Durch unsere aufgeschlossene und herzliche Art möchten wir unseren landwirtschaftlichen Betrieb für Besucher erlebbar machen." Ein Besuch dort lohnt sich!

››› Gastbeitrag Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Professor für Ökologischen Landbau an der Universität Kassel und Vorsitzender des DNR-Projektbeirats. Zuvor Präsident des Bundesamtes für Naturschutz und des Hessischen Landesamtes für Regionalentwicklung und Landwirtschaft sowie Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in der Schweiz (FiBL).