Theo Müller: Bio-Bauer als Nebenjob

Theo Müller jr.

Theo Müller junior ist Finanzbeamter. Und Bio-Landwirt. Ungewöhnlich? Sicherlich, doch nur auf den ersten Blick. In seinem Vollzeitjob braucht er kühlen Sachverstand und eine Affinität zu Zahlen, in seinem Nebenerwerbsbetrieb auch noch Herzblut und eine Beziehung zu Tieren und Pflanzen. Beides bringt der 41-Jährige aus Brilon in Nordrhein-Westfalen mit und meistert so den Job-Spagat. Vor allem aber kann er so den väterlichen Hof fortführen. Theo Müller senior hatte den Betrieb vor rund 50 Jahren gegründet. Bei der Übergabe an seinen Sohn im Jahr 2005 standen 120 Bullen und 30 Hektar Land zu Buche. Nun in der Verantwortung stehend, traf Theo Müller junior eine weitreichende Entscheidung. Er verlagerte den Betriebsschwerpunkt auf Aronia-Anbau. Aronia, die Apfelbeere, ist eine erbsengroße, schwarze Strauchfrucht mit herb-süßlichem Geschmack. Meist werden die Früchte zu Saft verarbeitet. Und für Müller, den doppelt Berufstätigen, besonders wichtig: Aronia gilt als relativ anspruchslose und vergleichsweise leicht zu pflegende Pflanze. Die väterliche Tradition hält Müller trotz Aronia aufrecht, denn auch er betreibt Ackerbau und hält Rinder, genau genommen 15 Färsen. Das sind zuchtreife weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben. Sie dürfen regelmäßig auf dem umliegenden Grünland grasen. Auf diesen großen Weideflächen begann wohl auch der Wandel hin zu einem Bio-Betrieb. Denn bereits vor zehn Jahren verzichtete Müller, obwohl noch ein konventioneller Bauer, auf den Einsatz von Spritzmitteln und übermäßiger Düngung der Grünflächen. Mit seinem Vater experimentierte er zusätzlich mit Kleegras, einer Pflanze, die Stickstoff aus der Luft bindet und so eine zusätzliche künstliche Düngung des Bodens überflüssig macht. Darüber hinaus legen Vater und Sohn schon länger an den Feldrändern Blühstreifen an, sie bieten Nützlingen eine gute Nahrungsquelle. Bauern, die bereits so arbeiten, haben es nicht mehr weit bis zum Bio-Landbau. Seit August 2015 ist der Hof der Familie Müller ein Bio-Betrieb in Umstellung, ­gefördert durch die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI). Mit Bio-Aronia besetzt Theo Müller eine winzige Nische, die Zahl der Aronia-Betriebe ist überschaubar. Für die ABBI-Jury ist jedoch nicht die Größe oder der Ertrag entscheidend, sondern das Bio-Konzept des Hofes und die hieraus entstehende Vielfalt. Diese erlebt auch Theo Müller. Täglich verbringt er zwei bis drei Stunden auf seinem Hof. Dann kümmert er sich um seine Aronia-Kulturen, die Färsen und Äcker und – wie sollte es anders sein – um die Buchhaltung.

››› Volker Laengenfelder