Christoph Rittler

Christoph Rittler

Dieser Bauer hat mich und mein Klischee entlarvt. Ich dachte, Landwirtschaft und Informatik passen überhaupt nicht zusammen. Weit gefehlt, wie das Gespräch mit Christoph Rittler zeigte. Doch der Reihe nach. Der 30-Jährige aus Stoffenried bei Ulm ist einer der wenigen Bio-Obstbauern, der sich auf die Kultivierung der Schwarzen Johannisbeere spezialisiert hat. "Damit sich bei dieser Frucht der Bio-Anbau rechnet, muss man sehr genau arbeiten. Allein die mechanische Beikrautunterdrückung ist schon eine Kunst", meint Rittler. Mit zwei Hektar Land hat er begonnen, inzwischen wachsen seine Bio-Beeren auf der fünffachen Fläche. Aufgewachsen ist er auf dem Hof seiner Eltern, dann hat er Landwirt gelernt. So weit so Klischee. Denn Christoph Rittler ist in erster Linie Informatiker, arbeitet in der IT-Abteilung einer Bank und betreibt seinen Bio-Hof im Nebenerwerb. Flexible Arbeitszeiten und viele Abende auf dem Feld ermöglichen diesen Doppeljob. Nun will Rittler seinen Obstanbau vergrößern, dafür kann er die Zeit bei der Bank auf 80 Prozent verringern. Und wo ist das Bindeglied zwischen seinen Berufen? "Heute muss man als Bauer Administrator-Kenntnisse besitzen. Schlepper fahren mit GPS und automatisiert, Melkroboter müssen verstanden und bedient werden." Dann bestätigt er doch noch meine Vorstellung: "Die Bauern wollen sich auch Zeit für ihre Tiere nehmen …", na also, denke ich, "… und dank Bits und Bytes haben sie wieder mehr Zeit", und erwischt mich damit ein zweites Mal.

››› Volker Laengenfelder