Die Schäfchen ins Trockene gebracht

Schäferin Johanna von Mackensen

Johanna von Mackensen ist in mehrfacher Hinsicht eine Exotin. Als Schäferin ist sie nicht nur eine von wenigen Frauen in einem männerdominierten Beruf, auch die Schäferei selbst ist ein aussterbendes Gewerbe – mit negativen Folgen für den Naturschutz. Denn wenn die 45-Jährige mit ihren 600 Merinolandschafen, zeitweise ebenso vielen Lämmern sowie den drei Hirtenhunden draußen rund um Gomadingen auf der Schwäbischen Alb unterwegs ist, dann leisten ihre Tiere einen unschätzbaren Beitrag für die Pflege und Erhaltung der dortigen Kulturlandschaft. Die sogenannten Kalkmagerrasen, eine typische Vegetationsform in der kargen, wasserarmen Gegend der Schwäbischen Alb, sind von einem erstaunlichen Artenreichtum geprägt. Durch die geringe Nährstoffdichte im Jurakalkboden gedeihen dort nur Pflanzen, die optimal an Trockenheit und Hitze angepasst sind, zum Beispiel Kräuter wie Thymian, Wiesensalbei und Augentrost oder sogar seltene Orchideenarten. Sie bieten zahlreichen Insekten einen Lebensraum. Doch schon nach wenigen Jahren ohne Schafbeweidung verbuschen und verwalden die Flächen; die artenreiche Flora und Fauna geht dann verloren. Die Arbeit von Schäfern wird deshalb sogar mit EU-Mitteln gefördert.

Trotzdem haben es Schäfer nicht leicht: "Um die Gemeinde herum herrscht ein großer Flächendruck, unter anderem wegen der vielen Biogasanlagen", berichtet Johanna von Mackensen. Nur einer von vielen Gründen, weshalb Familie von Mackensen, zu der neben Ehemann Thomas die Söhne Lasse und Lukas sowie dessen Frau Salomé und Söhnchen Ilja gehören, in den vergangenen 20 Jahren immer wieder ans Aufgeben gedacht hat. "Eigentlich wollten wir aus Überzeugung von Anfang an nach biodynamischen Richtlinien wirtschaften. Doch hier hat man nicht gerade auf 'Spinner' wie uns gewartet, man legte uns viele Steine in den Weg." Der Tiefpunkt kam im Sommer 2015: Aufgrund der ungewöhnlichen Trockenheit musste die Familie viel mehr Futter als geplant zukaufen, der letzte finanzielle Puffer wurde aufgebraucht. Doch statt die Flinte ins Korn zu werfen, wählten die von Mackensens die Flucht nach vorn und stellten ihre Schäferei auf Demeter um – verbunden mit der Hoffnung auf bessere Vermarktungsmöglichkeiten ihres Lammfleischs.

Gleichzeitig bewarben sie sich um eine Förderung durch die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI). Das Konzept der Schäferfamilie überzeugte den ABBI-Beirat, die finanzielle Zusage erfolgte prompt. "Das war für uns wie ein kleines Märchen und ein unglaublicher Motivationsschub. Gerade standen wir noch mit dem Rücken zur Wand und jetzt können wir dank ABBI an unserer Zukunft arbeiten und Ideen weiterverfolgen, die vorher am Finanziellen gescheitert sind, zum Beispiel einen eigenen Kräuterverkauf. Das ist unbezahlbar!" Das Demeter-Lammfleisch der von Mackensens gibt es online unter kraeuterlamm.de

  ››› Kristina Rudy