Gastbeitrag: ABBI auf der Erfolgsspur

Als die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) vor gut einem Jahr aus der Taufe gehoben wurde, gab es Optimismus, aber auch Zurückhaltung und versteckte Skepsis. Kann das Projekt wirklich gelingen, wird daraus überhaupt etwas?

Bio-Bauern gefunden

Fragen, die von einigen gestellt wurden, gepaart mit dem Hinweis darauf, dass man ja schon Ähnliches versucht habe, das dann aber aus unterschiedlichen Gründen gescheitert sei. Mit der deshalb gebotenen Vorsicht hatten sich die ABBI-Initiatoren (die Herren Rehn und Poschacher von Alnatura sowie der Autor) ein bescheidenes Ziel gesteckt: In einem Zeitraum von drei Jahren wollte man mit­helfen, 3.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche vom konventionellen auf den ökologischen Landbau umzustellen.

Nun ist ein Jahr vergangen und es gilt, eine erste vorsichtige Bilanz zu ziehen. ABBI standen durch 400.000 Euro von Alnatura und 100.000 Euro von Lebensbaum insgesamt 500.000 Euro für die Förderung der Umstellung von Landwirtschaftsbetrieben auf die ökologische Wirtschaftsweise zur Verfügung. Der ABBI-Beirat hatte sich bei seiner ersten Sitzung im Spätsommer 2014 keine Hoffnung gemacht, schon zur Biofach 2015 in Nürnberg einen Förderpreisgewinner vorstellen zu können. Aber es war in der kurzen Zeit gelungen, Familie Jäger mit ihrem 91 Hektar großen Landwirtschaftsbetrieb für die Umstellung zu gewinnen. Über diesen Vorzeigebetrieb und die Preisverleihung wurde schon in der Mai-Ausgabe 2015 des Alnatura Magazins berichtet. Danach sind Aktivitäten von Seiten des Deutschen Naturschutzrings (DNR) und seiner Mitgliedsorganisationen, zu denen auch die deutschen Bio-Anbauverbände gehören, zur Bewerbung für den Förderpreis angelaufen – mit vollem Erfolg. Nach 86 Interessenbekundungen gingen nach dem Versand der Bewerbungsunterlagen durch das beim DNR angelagerte ABBI-Büro 50 Bewerbungen ein.

Nach einer ersten kursorischen Durchsicht der eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit – hier und da mussten noch Informationen nachgefordert werden – hat sich eine kleine Gruppe mit der Vorauswahl beschäftigt und eine entsprechende Liste mit 14 Landwirtschaftsbetrieben dem Fachgremium des DNR zur weiteren Bewertung und Auswahl der potenziellen Preisträger vorgelegt. Die daraus resultierende Liste mit neun Vorschlägen für die Preisträger in unterschiedlichen Kategorien wurde dem Präsidium des DNR vorgelegt und von diesem verabschiedet. Mit dem schon zuvor anlässlich der Biofach in Nürnberg gewürdigten Betrieb Jäger sind dies im Jahre 2015 insgesamt zehn Preisträger des ABBI-Förderpreises aus dem Projekt "Gemeinsam Boden gut machen".

Die Preisträger wurden vom ABBI-Büro umgehend informiert, eine Feier mit Preisübergabe anlässlich des Erntedankfestes am 4. Oktober 2015 in der Schäferei von Mackensen in Gomadingen ist geplant. Bei den Preisträgern handelt es sich bis auf die Schäferei von Mackensen als reiner Grünlandbetrieb mit einer Fläche von 163 Hektar im Wesentlichen um landwirtschaftliche Gemischtbetriebe mit unterschiedlichen Schwerpunkten in der Tierhaltung, aber auch um einen Weinbaubetrieb. Die Flächenausstattung der Betriebe variiert von 18 bis 637 Hektar. Insgesamt beträgt die im ABBI-Projekt "Gemeinsam Boden gut machen" umgestellte Fläche rund 1.500 Hektar. Eine nicht geahnte Größenordnung, die deutlich die Zielvorgabe von 3.000 Hektar in drei Jahren, das heißt linear gedacht von 1.000 Hektar pro Jahr, übertrifft. Wenn das nicht ein gelungener Start ist!

Und dabei ging es nicht nur um die landwirtschaftliche Produktion, sondern um die Betriebe in ihrer Eigenschaft von Gemeinwohlleistungen insbesondere für die Biodiversität, den Klima- und Gewässerschutz, was sich zum Beispiel in geplanten Maßnahmen der Biotop-Pflege, Pflege von Streuobstwiesen, Erhalt von Feuchtwiesen, Flora-Fauna-Habitat-Flächen und vielem mehr zeigt. Die Einrichtung von Hof-Bioläden, die Zusammenarbeit mit Behinderteneinrichtungen und die Etablierung von naturpädagogischen Bildungsprogrammen auf den zukünftigen Bio-Höfen, um nur einige Aktivitäten zu nennen, beschreiben das weit über die landwirtschaftliche Produktion hinausgehende Engagement der Preisträger des Jahres 2015.

››› Gastbeitrag Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Professor für Ökologischen Landbau an der Universität Kassel und Vorsitzender des DNR-Projektbeirats. Zuvor Präsident des Bundesamtes für Naturschutz und des Hessischen Landes­amtes für Regionalentwicklung und Landwirtschaft sowie Gründungsdirektor des Forschungs­instituts für biologischen Landbau in der Schweiz (FiBL).

Die ABBI-Preisträger 2015

  • Daniel Brand,
    18 ha, Weinbaubetrieb, Bockenheim an der Weinstraße, Rheinland-Pfalz
  • Familien Fritz und Marit, Ricardo und Eva-Maria Jäger,
    91 ha, Milchviehbetrieb, Waldwirtschaft, Naturtourismus, Sulzbach-Laufen, Baden-Württemberg
  • Karl und Bernd Locher,
    82 ha, Ackerbau, Schweinemast und -zucht, Uttenweiler-Sauggart, Baden-Württemberg
  • Johanna und Thomas von Mackensen,
    163 ha, Schäferei, Gomadingen, Baden-Württemberg
  • Theo Müller jr.,
    30 ha, Färsenmast, Getreide, Brilon, Nordrhein-Westfalen
  • Hubert Retzbach,
    245 ha, Milchviehhaltung und Bullenmast, Krautheim, Baden-Württemberg
  • Matthias Scheffler,
    637 ha, Rinder- und Legehennenhaltung, Harzgerode, Sachsen-Anhalt
  • Sina und Sven Schmidt,
    52,8 ha, Milchviehbetrieb mit Waldwirtschaft, Hornberg, Baden-Würtemberg
  • Lorenz Sökefeld,
    68 ha, Milchviehbetrieb, Borgentreich, Hessen
  • Hans Trumpfheller,
    Mutterkühe, in Zukunft Milchziegen­haltung und Käserei, Bad König / Momart, Hessen