Herr Bühler von BESH

Tierwohl: ein Vorbild für die gesamte Branche

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) ist in Sachen Tierwohl ein Vorbild für die gesamte Branche – unter anderem dank lokaler Erzeugung mit kurzen Wegen. Seit mehr als zwölf Jahren werden hier Wurstwaren für Alnatura hergestellt.

Wir haben die Alnatura Tierwohl-Verantwortlichen Anne Pfeiffer und Dr. Christina Well sowie Lisa Benz aus dem Produktmanagement bei einem Besuch begleitet.

BESH kurz gefasst

  • 1988 gegründet von Rudolf Bühler
  • 450 Bio-Mitgliedsbetriebe in der Region Hohenlohe (Baden-Württemberg)
  • kurze Wege: Geburt, Aufzucht und Schlachtung der Tiere in der Region
  • hohes Engagement für mehr Tierwohl
  • Erhalt alter Tierrassen
  • Anbau alter Gewürzpflanzen, Verarbeitung in eigener Manufaktur
  • regionale Schlachthöfe in Schwäbisch Hall und Kurhessen
Ferkel im Stroh

Warum alte Rassen mehr sind als Nostalgie

Ist etwas schmutzig oder unordentlich, so heißt es oft: »Was für eine Schweinerei! So ein Saustall!« Den Schweinen tut man damit Unrecht, denn sie sind sehr reinliche Tiere. Vorausgesetzt, man bietet ihnen Platz, Auslauf und all das, was sie brauchen, um ihr natürliches Verhalten auszuleben. So wie bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, kurz BESH genannt.

Wir sind in den Nordosten Baden-Württembergs gefahren, um Menschen, Tiere und Höfe kennenzulernen, die zur Erzeugergemeinschaft gehören. Empfangen hat uns Rudolf Bühler (Gründer und Vorsitzender der BESH) – in seiner Heimat auch bekannt als »Retter des Schwäbisch Hällischen Landschweins«.

Es ist kaum ein halbes Jahrhundert her, da galt das Schwäbisch Hällische Landschwein – zu erkennen am schwarzen Kopf und Hinterteil – als nahezu ausgestorben. Warum? Man hat lieber auf rosafarbene Zuchtschweine gesetzt, die schnell wachsen, eine Rippe mehr haben und deren Fleisch mager bleibt. Dabei ist das Schwäbisch Hällische Schwein eine autochthone Rasse, eine Rasse also, die es nur in diesem Landstrich gibt. Sie ist robust, verwertet das heimische Futter bestens und hat eine ausgezeichnete Fleischqualität. Grund genug für Rudolf Bühler, in den 1980er-Jahren die letzten Tiere seines Heimatortes – es waren acht – aufzukaufen und zu einer kleinen Herde zusammenzuführen. Heute leben im Umkreis von Schwäbisch Hall wieder jede Menge der charismatischen Borstentiere. Und aus den neun Gründungsbauern der BESH sind inzwischen fast 1.500 Mitgliedsbetriebe geworden. Sie halten neben Schweinen auch Rinder, Ziegen und Schafe. Etwa ein Drittel arbeitet nach Bio-Richtlinien, oft sogar nach noch strengeren Bio-Verbandsvorschriften wie beispielsweise Bioland oder Demeter. Auch zwei Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe gehören zur BESH – dort werden Schinken, Salami und Co. für Alnatura hergestellt. Doch dazu später mehr, zunächst ging es weiter zu Familie Franz.



Schweine spielen Ball

Wo Ferkel Ball spielen können

In Mulfingen-Ochsental, einem idyllischen Ort in der Region Hohenlohe, bewirtschaftet das Ehepaar Franz mit Unterstützung der Töchter Katharina und Sophia einen Bio-Hof. Hier leben nicht nur 105 Muttersauen (Rasse Schwäbisch Hällisch natürlich), sondern auch ein stattlicher Eber namens Florentius. Circa 2.800 Ferkel werden jährlich auf dem Hof geboren und aufgezogen. Ihr Bio-Futter stammt fast ausschließlich vom eigenen Hof. Auf den angrenzenden weitläufigen Feldern werden unter anderem Weizen und Gerste angebaut. Den Muttersauen scheint es zu bekommen – sie sehen gesund und wohlgenährt aus. Immer in ihrer Nähe wuseln kleine und größere Ferkel herum. Platz haben sie ausreichend.

In der Zwischenzeit unterhalten sich die Alnatura Kolleginnen mit Familie Franz über deren Umstellung von konventioneller auf Bio-Tierhaltung. Schließlich liegt diese erst ein paar Jahre zurück. Statt auf Betonspaltenböden stehen die Schweine jetzt auf weichem Stroh, welches die Franzens täglich frisch einstreuen. Zudem haben sie Auslauf geschaffen und die Stallfläche erheblich vergrößert. Wenn die Sauen mögen, können sie hier sogar mit den herumliegenden Bällen spielen. »In diesem Stall dürften wir nach konventionellen Vorgaben dreimal so viele Tiere halten. Das wäre natürlich deutlich wirtschaftlicher«, erklärt Bauer Franz. Trotz der Mehrarbeit steht die Familie voller Überzeugung hinter der Umstellung; die Töchter werden den Hof übernehmen – die BESH mit ihrer Abnahme und Preisgarantie ist ein starker Partner an ihrer Seite.

 

Jungbauer Stier

Landwirtschaft seit Generationen

Nach etwa sechs Wochen kommen die Ferkel – in der Fachsprache jetzt Läufer genannt – zum Mastbetrieb nach Kleinallmerspann. Auch das Alnatura Team machte sich auf den Weg dorthin. Es sind nur 30 Kilometer. Auf dem Hof der Familie Stier erwartet uns ein junger Landwirt. Genau wie es die Töchter der Familie Franz vorhaben, führt Simon Stier den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Vorfahren weiter. Ein hoffnungsfroher Ausblick in Zeiten des Höfesterbens und von Nachwuchssorgen. Im Hintergrund grunzen die Schweine. Sie sind vor ein paar Tagen mit einem Gewicht von circa 30 Kilogramm aus Mulfingen-Ochsental angekommen. In den nächsten knapp sechs Monaten werden sie jede Menge Bio-Futter verzehren; angebaut auf den zum Hof gehörenden Ackerflächen. Für Simon Stier eine Selbstverständlichkeit: »Wir haben den Platz und bleiben so auch unabhängig«. Soja aus Übersee kommt für seinen Betrieb nicht infrage – dies schließt auch die BESH aus, und zwar seit Gründung der Genossenschaft. Stattdessen baut Simon Stier die Leguminosen mittlerweile selbst auf seinen Feldern an; so hat er wertvolles Futter für seine Schweine und versorgt die Böden obendrein auf natürliche Weise mit Stickstoff. Regionale Kreislaufwirtschaft in Reinform. Sind die Tiere von Bauer Stier dann um die 120 Kilogramm schwer, haben sie die Schlachtreife erreicht. Denn das ist unumstößlich: Zwischen dem Schwein im Stroh und der Salami auf dem Brot liegt ein entscheidender Moment – die Schlachtung.
Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall

Wenn Wurst, dann bitte so

Als der kommunale Schlachthof in Schwäbisch Hall 2001 vor dem Aus stand, hat ihn die Erzeugergemeinschaft erworben. Die Mitgliedsbetriebe bringen ihre Tiere entweder hierhin; oder – falls kürzer – nach Kurhessen, wo es einen weiteren BESH-Schlachthof gibt. Lange Transportwege können so ausgeschlossen werden. Für die Tiere bedeutet weniger Fahrtzeit weniger Stress. Oft bringen die Bäuerinnen oder Bauern ihre Tiere selbst und begleiten sie auf ihrem letzten Weg. Direkt nach der Schlachtung wird die Wurst hergestellt, auch jene, die später im Alnatura Markt in den Kühlregalen liegt. Frischer geht es nicht.

Was sich wie selbstverständlich anhört, ist in Deutschland heute eine Seltenheit. Oft liegen lange Strecken zwischen Mast, Schlachtung und Verarbeitung. Bei der BESH hingegen werden nicht nur die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung unterboten, sondern auch die der Bio-Verbände: Der Weg zum Schlachthof beträgt für die Schweine maximal 60 Kilometer. Von Bauer Stier zum Schlachthof sind es sogar nur 15 Kilometer. Schließlich sind frisches Fleisch und die Art und Weise der Wurstherstellung Grundvoraussetzungen für beste Qualität. Nur so kann beispielsweise auf Geschmacksverstärker verzichtet werden.* Für den guten Geschmack der Alnatura Wurstwaren sorgen neben frischem Bio-Fleisch und Handwerkserfahrung vor allem die Gewürze.

Kann Fleischgenuss klimaverträglicher werden?

Es gibt gute Gründe, weniger oder gar kein Fleisch zu essen. Auch die Sorgen ums Klima gehören dazu. Deshalb hat Rudolf Bühler beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eine Studie in Auftrag gegeben. Der Gegenstand: ein Vergleich der CO2-Emissionen zwischen der Bio-Schweinefleischerzeugung der BESH und einer konventionellen Produktion. Das Ergebnis fällt klar aus. Ein Bio-Betrieb der BESH stößt mit knapp 2,4 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Lebendgewicht nur rund halb so viel CO2 aus wie ein konventionell wirtschaftender Betrieb vergleichbarer Größe mit 4,7 Kilogramm CO2. Besonders zu Buche schlagen die kurzen Wege und – statt Soja aus Übersee – das regional erzeugte Futter. 

* gemäß EU-Bio-Verordnung