Bio-Perle des indischen Ozeans

Die Tropeninsel Sri Lanka mit ihren Palmenstränden, bunten Tempeln und saftig grünen Bergen kennen wir von Urlaubsfotos und Reiseberichten. Dahinter verbirgt sich auch eine wachsende Bio-Landwirtschaft.

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Wie selbstverständlich machen wir uns morgens unseren Tee, essen nachmittags eine Zimtschnecke und kochen abends ein leckeres Curry mit Kokosmilch. Die Zutaten dafür stammen nicht selten aus Sri Lanka.

Obst

Zertifiziert: Bio in Sri Lanka

Bisher ist erst ein Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Sri Lankas Bio-zertifiziert. Dies entspricht etwa einer Fläche von der Größe Frankfurts. Doch insbesondere bei den Exportschlagern Tee, Kokosnuss und Gewürzen zeigt sich eine erhöhte Nachfrage nach Bio-Produkten. Der wachsende internationale Bedarf führt dazu, dass immer mehr Unternehmen in Sri Lanka auf Bio umstellen. Grundsätzlich gibt es dabei zwei verschiedene Ansätze für die Zertifizierung. Die größeren exportorientierten Unternehmen lassen ihre Plantagen und modernen Anlagen von einer internationalen Öko-Kontrollstelle direkt zertifizieren. Häufig sind jedoch die Betriebe kleinbäuerlich organisiert und bauen auf einer Fläche von nur ein bis zwei Hektar an. Diese Bauern hätten allein nicht die finanziellen Mittel und nutzen daher die Möglichkeit der Gruppenzertifizierung. Dabei wird auf gegenseitige Inspektionen gesetzt, die dann durch die Öko-Kontroll­stelle verifiziert werden. Insgesamt gibt es derzeit 120 Bio-Unternehmen. Ein Großteil davon wirtschaftet zudem nach Fair-Trade-Standards, wodurch Arbeitsbedingungen verbessert werden und den Erzeugern ein Premiumpreis bezahlt wird.

Einkommen und Freiheit durch Bio-Landbau

In Sri Lanka sind in jedem noch so abgelegenen Dorf die Spuren globaler Agrarkonzerne sichtbar. Werbeplakate für hochgezüchtete Reissorten hängen an den Hauswänden und die dazugehörigen Pestizide und Düngemittel gibt es im Einkaufsladen des Dorfes. Die Nebenwirkungen einer intensiven Landwirtschaft sind bereits spürbar. Erdrutsche in den Teeregionen, bei den Bewohnern der stark landwirtschaftlich genutzten Gebiete treten immer häufiger Nierenschäden durch verseuchtes Wasser auf. Der Bio-Landbau stellt eine Alternative dar. Die Bauern können sich die Ausgaben für chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel sparen und stattdessen traditionelle, natürliche Mittel verwenden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Zudem sorgt der ökologische Landbau für Einnahmen durch den Export und schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum, da mehr Mitarbeiter benötigt werden. Für viele ist der Einstieg in den Bio-Anbau der Weg aus der Subsistenzwirtschaft. Damit dies gelingt, engagieren sich zahlreiche Organisationen: Sie bieten Trainings an, forschen zu lokalen ökologischen Anbaumethoden und stellen Kontakt mit internationalen Unternehmen her.

Internationale Partnerschaften schaffen Vertrauen auf beiden Seiten. Viele Bio-Unternehmer Sri Lankas sind Überzeugungstäter und bieten Bio schon seit mehr als zehn Jahren an. Um jedoch eine gewisse Größe zu erreichen, benötigen Unternehmen langfristige Partnerschaften zu ihren Kunden. Dazu gehört auch, Wissen auszutauschen, zu investieren und auch mal ein Auge zuzudrücken, sollte die Bestellung ausnahmsweise nicht termingerecht fertig sein. Der internationale Handel ist daher von großer Bedeutung für die sri-lankischen Bio-Bauern und Unternehmen, da die lokale Nachfrage noch in den Kinderschuhen steckt. Auch viele deutsche Unternehmen haben seit mehreren Jahren vertrauenswürdige Partnerschaften zu Sri Lanka aufgebaut. So finden sich einige der Produkte aus diesen Partnerschaften auch in den Alnatura Filialen. Die Firma Rapunzel beispielsweise hat bereits seit 20 Jahren ein Hand-in-Hand-Projekt in Sri Lanka und ermöglicht dadurch faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Insbesondere die hohe Qualität und der besondere Geschmack des Ceylonzimts lockt Gewürzhersteller wie Lebensbaum nach Sri Lanka.

Bio global ausweiten

Wie das Beispiel Sri Lankas zeigt, bietet der ökologische Landbau viele Chancen für Schwellen- und Entwicklungsländer und verringert die negativen Auswirkungen konventioneller Landwirtschaft. Er steht für gesunde Böden, Biodiversität sowie den Einklang mit der Natur und dies überall auf der Welt. Zudem bietet er Bauern die Möglichkeit, ein höheres Einkommen zu generieren und somit die Situation ihrer Familien zu verbessern. Durch unsere Nachfrage schaffen wir es, diese umweltschonende Anbauweise auszuweiten, und dies dient Mensch und Erde.

››› Gastbeitrag Julia Huthmann

Julia Huthmann

Julia Huthmann berät international Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit. Bereits während ihrer Tätigkeit in der Nachhaltigkeitsabteilung bei Alnatura hat sie sich für nachhaltige Lieferketten engagiert. Jetzt lebt sie in Sri Lanka und steht kleinen und mittelständischen Unternehmen der Bio-Branche beratend zur Seite.

Wie sicher ist Bio aus Drittländern?

Die EU fordert für Importe aus Drittländern Bio-Standards, die unseren Vorschriften gleichwertig sind. Da die Bedingungen für die Landwirtschaft jedoch unterschiedlich sind, kann Bio nicht überall gleich angebaut werden. Die Aufgabe internationaler Öko-Kontrollstellen ist es, zu prüfen, ob die Produkte auf allen Stufen der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung den EU-Bio-Richtlinien entsprechen. Dann können auch bedenkenlos Produkte aus Schwellen- und Entwicklungsländern das EU-Bio-Siegel tragen.