Dr. Hauschka / WALA – Der Rhythmus des Lebens

Das kleine gallische Dorf der Kosmetik liegt in Bad Boll / Eckwälden: Hier stellt das anthroposophische Unternehmen Wala Heilmittel GmbH Arzneimittel und die Naturkosmetik Dr. Hauschka her – neben Bio-Heilpflanzen steckt auch jede Menge Philosophie in den Produkten.

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"Was ist Leben?" Diese Frage stellte Dr. Rudolf Hauschka 1924 Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Seine Antwort sollte Dr. Hauschka Impuls für seine Arbeit und spätere Unternehmensgründung der Wala sein: "Studieren Sie die Rhythmen, Rhythmus trägt Leben."

Steiners Worte wiesen dem 1891 in Wien geborenen Chemiker den Weg zu seinem Ziel: Er wollte Heilpflanzenauszüge ohne den Einsatz von konservierendem Alkohol nutzbar ­machen. Fünf Jahre experimentierte er, bis ihm die erste Urtinktur gelang. Bis heute ist dieses Verfahren einzigartig und die Grundlage der Wala Arzneimittel und Dr. Hauschka ­Kosmetik. Die Pflanze wird geerntet, verlesen, gereinigt, zerkleinert, in einem Mörser zu Pflanzenbrei zerstoßen und mit Quellwasser versetzt. Anschließend findet die Rhythmisierung statt: Das bedeutet, dass die Mischung Tag und Nacht bei 37 Grad Celsius ruht. Morgens und abends wird sie dem Licht ausgesetzt, bewegt und heruntergekühlt. Ein siebentägiger Prozess, der die Fermentation in Gang setzt. Zum Schluss wird die Substanz filtriert, der getrocknete Presskuchen verascht und teilweise dem wässrigen Auszug beigefügt. Das Ergebnis: die besagte Urtinktur. Der rhythmische Prozess des Herstellungsverfahrens gab dem Unternehmen auch seinen Namen: Wala leitet sich aus Wärme-Asche-Licht-Asche ab.

ugerreportage WALA Heilmittel GmbH Mitarbeiter

Im Jahr 1935 gründete Dr. Hauschka mit seiner späteren Ehefrau Margarethe Hauschka-Stavenhagen das Wala-Laboratorium in Ludwigsburg, 1938 zog das junge Unternehmen nach Dresden. Doch kurze Zeit später, 1941, wurde es von den Natio­nalsozialisten geschlossen. Dr. Hauschka und Dr. Stavenhagen wurden vier Wochen von der Gestapo in­haftiert. Beeindruckt hat ihn das offensichtlich nicht, denn anschließend forschte er unbemerkt in Wien weiter. 1946 stellte Dr. Hauschka zunächst homöopathische Arzneimittel in einem Münchner Krankenhaus her, bevor er mit mittlerweile sechs Wala-Mitarbeitern nach Bad Boll / Eckwälden zog. Dort fand die Wala nach diesen bewegten Zeiten ihr Zuhause. Und nicht nur der erste Teil des Firmengebäudes entstand 1955. Zur gleichen Zeit wurde auch der Heilpflanzengarten angelegt.

"Damals war dort nur lehmiger Boden, den niemand wollte", erklärt Antal Adam, Unternehmenssprecher der Wala. Beim Anblick des fruchtbaren, blühenden Gartens heute ist das nur schwer vorstellbar. 150 verschiedene Heilpflanzen wachsen hier auf 4,5 Hektar. Bewirtschaftet wird der Garten nach den anthroposophischen Demeter-Grundsätzen, also biologisch-dynamisch. Der Garten wird dabei als geschlossener Kreislauf gesehen, als ein Organismus. Deshalb gibt es auch ein Bienenhaus, 15 Bienenvölker sichern das ökologische Gleichgewicht und sorgen für die Bestäubung. Bei der Ernte bleiben immer Pflanzen für das eigene Saatgut stehen. Die Pflanzen werden getrocknet, verlesen und die Samen im nächsten Jahr ausgesät. Zu 97 Prozent wird das Saatgut selbst hergestellt. Gegen Schädlinge pflanzt man Knoblauch oder Zwiebeln zwischen den Beeten.

ugerreportage WALA Heilmittel GmbH Quittenbaum

"Der Ertrag der 150 Heilpflanzen liegt bei 5.000 Kilo",

so Marijke Vermeulen, Veranstaltungsmanagerin bei der Wala und verantwortlich für die Gartenführungen. "Die meisten Pflanzen hier werden für den medizinischen Bereich genutzt. Die Ausgangsmengen hierfür sind kleiner, weil man im homöopathischen Prinzip potenziert. Für die kosmetischen Produkte braucht man wesentlich größere Mengen", berichtet sie. Diese bezieht Wala unter anderem auch von dem nahe gelegenen Demeter-Bauernhof Sonnenhof, der zur Wala gehört. Neben Viehhaltung werden dort auf zehn Hektar Anbaufläche Heilpflanzen in größeren Kulturen angebaut. Zum Beispiel Calendula mit einem jährlichen Ertrag von 5.000 Kilogramm.

ugerreportage WALA Heilmittel GmbH Passionsblume

"Die Calendula ist eine traditionelle Heilpflanze, die strukturierende und ordnende Eigenschaften besitzt", erklärt Vermeulen. Es ist eine Sichtweise, die Natur- und Geisteswissenschaft miteinander vereint und die Herangehensweise bestimmt. Zum Beispiel in der Produktentwicklung.

Annette Greco, Leiterin der Entwicklungsabteilung, über den Prozess: "Zentral ist immer die Frage: ›Was möchte ich dem Menschen geben?‹ Und: Welches Motiv kommt in einem Präparat zum Tragen? Das ist die Metaebene in der Entwicklung. Für das Nachtserum war dieses Motiv das ›Sich-Öffnen.‹ Bei der Suche nach einer Rohstoffformulierung stellte sich Greco mit ihrem Team die Frage, wie sie den Nachtprozess der Haut begleiten können und welchen Effekt die perfekte Nacht auf die Haut haben soll. "Das Öffnen einer Blüte entspricht dem Abendprozess. Ich öffne mich für Möglichkeiten. Die Begleitung in die Nacht ist ein Blütenaspekt. So wie die Haut nach einer erholsamen Nacht aussehen soll, also knackig, frisch und rosig, das ist ein Fruchtaspekt. Da kommt man schnell auf das Thema Apfel – gerade wenn man hier zwischen den Streuobstwiesen sitzt", erklärt Greco lächelnd mit einem Blick in den Garten und fügt hinzu: "Ein Apfel ist nichts weiter als konzentrierter Sommer. Die Frage war nur: Wie bekomme ich den Supersommer in das Nachtserum?"

ugerreportage WALA Heilmittel GmbH Team

Bis die Antwort gefunden war, habe es sieben Jahre gebraucht.

Die Zeit nehme man sich bei der Wala. Und man darf sie sich auch nehmen. Die Rahmenbedingungen dafür schafft die besondere Unternehmensform der Stiftung. 1986 übertrugen die beiden Gesellschafter die Wala Heilmittel GmbH einer Stiftung mit dem Ziel, die "gedeihliche Entwicklung der Wala" zu sichern. Sie sollte geschützt sein vor Partikularinteressen. "Es gibt keine Shareholder, die eine Dividende haben wollen, keine Inhaber, die nach Belieben Geld entnehmen können. Alles, was die Wala erwirtschaftet, wird zum Wohle des Menschen genutzt. Und das schafft einen großen Spielraum für Projekte, die nicht auf kurzfristige Gewinne aus­gelegt sind. Für mich persönlich ist das der Grund, bei der Wala zu sein", so Adam. Ralf Kunert, verantwortlich für die Rohstoffbeschaffung in der Tochterfirma Naturamus, pflichtet ihm bei: Er könne hier etwas Sinnstiftendes tun. Dann berichtet er von seinem Sheabutter-Anbauprojekt in Burkina Faso. Die Wala hatte das Projekt unterstützt – unter anderem mit einem Berater, der bei der Bio-Zertifizierung half. Zu Beginn vor 15 Jahren produzierte es 3,5 Tonnen des Rohstoffs ausschließlich für Wala. Heute sind es 700 Tonnen, 70 Prozent der deutschen Naturkosmetik bezieht ihre Sheabutter von diesem Lieferanten. "Wir finden das super", sagt Kunert strahlend und fährt fort: „8.000 Frauen sammeln dort heute Sheanüsse. Hätten wir mit Knebelverträgen auf Exklu­sivrechte gepocht, statt Wachstum und vor allem Unabhängigkeit zu fördern, wären es nur 50. Bio hat neben der Produktqualität eben auch immer noch eine weitere Komponente: eine soziale. Das ist eine Qualität, die uns bei unserer Arbeit ebenso wichtig ist."

››› Gabriele Storm

Kurz gefasst

  • Hersteller der Marken WALA Arzneimittel und Dr. Hauschka Kosmetik
  • Gründungsjahr 1935
  • Unternehmenssitz Bad Boll / Eckwälden
  • Mitarbeiter 1.000
  • Umsatz 130 Mio. Euro
  • Export in 40 Länder 
  • Produkte Dr. Hauschka Kosmetik: 130, Arzneimittel: 1.000

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