01.02.2017

Taifun – Soja vom Alpenland zur Waterkant

Wie bringt man eine ursprünglich subtropische Pflanze dazu, in Deutschland heimisch zu werden? Eine Frage, die Tofuhersteller Taifun gemeinsam mit der Universität Hohenheim und 2 400 Gärtnern in einem bemerkenswerten Experiment beantworten will.

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Sojabohnen aus Deutschland? In den 1980er-Jahren war dieser Gedanke mehr wilde Utopie als ein realisierbarer Plan. Unbeeindruckt davon hielt Wolfgang Heck, Gründer der Life Food GmbH und der Tofumarke Taifun, an seiner Vision fest. Aber was sprach eigentlich gegen Sojabohnen aus den USA? Als 1996 erstmalig genveränderte Sojapflanzen angebaut wurden, war dies indiskutabel für Taifun. Um Gentechnik eine klare Absage zu erteilen, gab es nur eine Option: den heimischen Sojaanbau voranzutreiben. Bald darauf erzielte das Freiburger Unternehmen Erfolge. Bereits 1998/99 erhielt es die erste Sojabohnenernte, die im Vertrag für Taifun angebaut wurde. Der heimische, also europäische Sojaanbau hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute ausschließliche Rohstoffquelle für Taifun.

Erzeugerreportage Taifun

Aber damit gibt man sich in Freiburg nicht zufrieden. Die Frage, ob und wie man die Sojabohne nicht nur in warmen Gegenden Europas, sondern in ganz Deutschland anbauen kann, ließ weder Heck noch seine Mitarbeiter los. Wie zum Beispiel Martin Miersch, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums für Sojaanbau und Entwicklung. Seit 2009 steht er im engen Austausch mit Dr. Volker Hahn, dem Leiter des Arbeitsgebietes Leguminosen an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim (LSA).

Erzeugerreportage Taifun

"Wir haben im Institut die Frage diskutiert, ob ein Sojaanbau in Deutschland sinnvoll ist. Festzustellen ist, dass die Fruchtfolgen bei den Landwirten sehr verarmt sind, sie haben oft nur noch drei, vier Kulturarten. Da würde eine weitere, wie die zu den Leguminosen gehörende Sojapflanze, guttun. Leguminosen sind äußerst wertvoll für den Boden, sie reichern ihn mit Stickstoff an. Insbesondere für den Bio-Landbau, bei dem mineralische Stickstoffdünger verboten sind, sind Leguminosen unverzichtbar für die Fruchtfolgen. Erstaunlich, dass Soja insgesamt einen so schlechten Ruf hat", wundert sich Hahn. "Soja mit Gentechnik und Regenwaldabholzung gleichzusetzen, das stimmt einfach nicht. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wie beim Beton", sagt Miersch bestimmt.

Erzeugerreportage Taifun

Der Entschluss der LSA stand fest, sie wollten sich mit der Sojabohne beschäftigen. Und da sie auch wissen wollten, wie Sojabohnen als Nahrungsmittel genutzt werden, kamen sie auf Taifun. Daraus ist eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit entstanden, die Begeisterung für die Sojabohne verbindet. Das Ergebnis ist die Aktion „1.000 Gärten – Das Soja-Experiment".

Erzeugerreportage Taifun

Hahn erzählt von der Geburtsstunde des Projekts:  "Martin Miersch und ich saßen bei einem Bier zusammen und haben über die Sojabohne im Allgemeinen gesprochen. Ich habe einmal Sojabohnen nach Bayern gegeben, die bei uns hervorragend wuchsen. Und dort sahen die dann so schlecht aus! Miersch wurde hellhörig und erzählte von seinen Kunden, die auch so gern mal Sojabohnen pflanzen würden, weil sie gar nicht wüssten, wie sie aussehen. Ob ich denn nicht welche verschicken könne? Klar, können wir machen, meinte ich, wenn ich dafür ein paar Daten zurückbekomme?“.

Erzeugerreportage Taifun

Es war ein Tauschgeschäft, das begeistert angenommen wurde. Statt der erhofften eintausend Teilnehmer waren es mehr als doppelt so viele. „2.400 Anmeldungen! Das war Euphorie pur", schwärmt Miersch lachend. Insgesamt geht es um 1.700 Sojakreuzungen und 20 Sojasorten. Die Mehrzahl der Hobbygärtner erhielt 10 Sojakreuzungen und zwei Vergleichssorten. Das Ziel? Herausfinden, welche Standorte zum Anbau geeignet sind und welche Sojakreuzungen wo wachsen. Die Aussaat begann im April und Mai 2016. Während der folgenden Blüte, Reife und Ernte waren die Gärtner dazu aufgerufen, genau zu beobachten, zu messen und ihre Antworten online zu übermitteln. Abgefragt wurde beispielsweise, wie viel ausgesät wurde, wie viele Samen keimten, der Blühbeginn, die Farbe der Blätter, die Blütenfarbe (normalerweise weiß oder lila), die Pflanzenlänge und Hülsenanzahl. Ihre Ernte schickten sie bis November an die LSA. Dann begannen die wissenschaftliche Auswertung und die Testphase, in der die Tofueignung der Sojabohnen geprüft wurde.

Erzeugerreportage Taifun

"Eigentlich", so Hahn, "ist die Sojapflanze für Tierfutter, für das sie oft angebaut wird, viel zu schade. Die Pflanze weist einen sehr hohen Nährwert- und Proteingehalt auf." Das Ziel des Experiments ist es, ertragreiche und frühreife Sorten zu finden, die sich an die Bedingungen der jeweiligen Anbaugebiete anpassen können, also Feuchtigkeit, Kühle oder Trockenheit aushalten und ihre Reife bis September abgeschlossen haben. Darüber hinaus müssen sie die unterschiedlichen Kriterien der Abnehmer erfüllen, in diesem Fall für Tofu. "Es wäre schön, wenn bei 1 700 Kreuzungen 4 bis 5 brauchbare Sorten herauskämen", so Miersch über seine Hoffnungen.

Mittlerweile liegen die ersten erfreulichen Ergebnisse des Soja-Experiments vor: Einige frühreife Stämme, die in kälteren Regionen Deutschlands wachsen können, wurden identifiziert.

Kurz gefasst

  • Hersteller von Tofuprodukten
  • Taifun macht sich für den regionalen Sojaanbau stark und arbeitet mit der Universität Hohenheim zusammen
  • Gründung 1987
  • Unternehmenssitz Freiburg
  • Mitarbeiter 240
  • Auszeichnungen Nominiert für den Umweltpreis Baden-Württemberg und den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2016