Rapunzel - Türkei-Projekt

Den Grundstein für den Export ökologisch angebauter Trockenfrüchte und Nüsse aus der Türkei legte der Gründer und Geschäftsführer des im Allgäu ansässigen Unternehmens Rapunzel, Joseph Wilhelm, bereits 1976.

"Merhaba", so begrüßen sich Resat und Ismet. Es folgt das obligatorische Küsschen unter Männern und ein freundschaftliches Rückenklopfen. Zuerst nehmen die beiden in der Dorfkneipe – hier eher Teesalon zu nennen – entspannt einen "Çay" zu sich.

Resat ist Agraringenieur von Rapunzel und Ismet der Vorstand des westanatolischen Ökobauern-Dorfs Tekelioglu. Man merkt, es herrscht Vertrauen zwischen dem Rapunzel-Mitarbeiter und dem Landwirt, obwohl Resat gekommen ist, um die Qualität der Sultaninen zu kontrollieren, die gerade geerntet werden, und die Abnahmemenge von Rapunzel zu bestimmen.

22 Bauern aus dem Dorf haben seit 1989 einen Vertrag mit Rapunzel. Sie bauen nach ökologischen Richtlinien Sultaninen, Tomaten, Paprika, Baumwolle, Oliven, Weizen, Gerste und Sesam an und Rapunzel bezahlt ihnen acht bis zwölf Prozent Bio-Prämie auf die Rohware.

Rapunzel Trockenfrüchten aus der Türkei

Außerdem stellt Rapunzel den Landwirten Beratung von Agraringenieuren zu Bio-Landbau allgemein, zur Umstellung und für die Fruchtfolge sowie Saatgut und biologisches Pflanzenschutzmittel zur Verfügung.

80 Prozent aller Bauern des Dorfes Tekelioglu haben inzwischen gesamtbetrieblich auf ökologischen Anbau umgestellt. Früher bauten sie auf den 1.000 Hektar rund um das Dorf am See "Marmara Gölü" hauptsächlich konventionellen Tabak und Weizen an.

Der See war durch den Kunstdünger und Pestizideinsatz stark belastet, inzwischen hat sich das Ökosystem so weit erholt, dass die Fischer im See wieder angeln können. In den letzten Jahren schlossen sich fünf Nachbardörfer dem Modell des ökologischen Dorfprojektes an.

Export seit 1976

Rapunzel Trockenfrüchten aus der Türkei

Den Grundstein für den Export ökologisch angebauter Trockenfrüchte und Nüsse aus der Türkei legte der Gründer und Geschäftsführer des im Allgäu ansässigen Unternehmens Rapunzel, Joseph Wilhelm, bereits 1976. Er begann damals erste Beziehungen zu türkischen Bauern aufzubauen, um unbegaste, ungeschwefelte Trockenfrüchte und Nüsse zu erhalten. Inzwischen hat Rapunzel in der Nähe von Izmir ein eigenes Unternehmen. Hier arbeiten 25 Festangestellte und bis zu 280 Saisonkräfte an der Endkontrolle, Verarbeitung, Lagerung und Verpackung der inzwischen 30 verschiedenen Produkte, wie z.B. Sultaninen, Rosinen, Feigen, Hasel- und Walnüsse, getrocknete Aprikosen und Tomaten. Diese werden in unterschiedlichen Regionen der Türkei von über 600 Bio-Bauern ökologisch angebaut.

Sultaninen oder Rosinen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Rapunzel Trockenfrüchten aus der Türkei und konventionellen Produkten besteht darin, wie die Produkte nach der Ernte behandelt werden. Im konventionellen Bereich werden auch heute noch Schwefel zur Haltbarmachung und zur optischen Verschönerung sowie das Gas Methylbromid als Lagerschutzmittel eingesetzt. Dagegen kommen Bio-Produkte mit Schockgefrieren, wenn notwendig, und kühler Lagerung aus. Die frischen, kernlosen Weinbeeren breitet man direkt nach der Ernte zum Trocknen auf einer Plane aus. Sultaninen werden vor dem Trocknen mit einer fünfprozentigen Lösung aus Pottasche (Kaliumkarbonat), biologischem Olivenöl und Wasser besprüht oder "gedippt". Die Trocknungszeit verringert sich dadurch auf vier bis fünf Tage, und die Sultaninen behalten so ihre helle Farbe. Trocknen die Weinbeeren sieben bis zehn Tage an der Sonne und bleiben völlig unbehandelt, dunkeln also viel stärker nach, werden sie "Rosinen" genannt.

Sultaninen-Ertrag:
Auf einem Hektar erntet man ca. 20 Tonnen Sultaninen, getrocknet wiegen diese noch fünf Tonnen.